Gesamtbilanz Experten zufolge positiv
"Euro-Debatte geht an Grenze der Seriosität“

Die Unsicherheit über die politische und wirtschaftliche Zukunft der Europäischen Union hat am Mittwoch den Euro-Kurs belastet. Selbst ein Scheitern des Euro wurde befürchtet. Von Volkswirten wird die Einführung der gemeinschaftswährung unterm Strich jedoch als Erfolg gewertet.

HB BERLIN. Spekulationen über ein mögliches Auseinanderbrechen der Europäischen Währungsunion und ein Scheitern des Euro haben am Mittwoch für erheblichen Wirbel gesorgt. Nach der Abstimmungspleite zur EU-Verfassung und mitten im Berliner Wahlkampf hatten die Sprecher von Bundesfinanzministerium und Bundesbank alle Mühe, die hoch gekochte Diskussion mit heftigen Dementis wieder zu dämpfen.

Eine Auflösung der Währungsunion selbst bei einem Scheitern der EU-Verfassung gilt auch an den Devisenmärkten als unrealistisch. Sehr viel realer dagegen sind Warnungen von Experten aus dem Hause von Finanzminister Hans Eichel (SPD) vor zunehmenden Inflations- und Wachstumsdifferenzen in der Euro-Zone. In einem Handvermerk listen die Fachleute Nachteile der Gemeinschaftswährung für Deutschland auf, der Euro wird quasi zum Sündenbock für die anhaltende deutsche Wachstumsschwäche gemacht.

„Die aktuelle Debatte bezüglich einer Auflösung der WWU geht an die Grenze der Seriosität“, sagte Folker Hellmeyer, Volkswirt Bremer Landesbank. Andreas Hahner, Devisenstratege bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, hält eine Auflösung der Wirtschafts- und Währungsunion für „vollkommen unrealistisch“. Einige Händler äußerten sich weniger diplomatisch. „Das ist absoluter Müll, den Euro wieder abschaffen zu wollen“, schimpfte einer. Ein anderer sagte, dass die Debatte nicht gerade „vertrauensbildend für eine Währung“ sei.

Dass man sich in Berlin eine andere Geldpolitik wünscht, ist kein Geheimnis. Über die größer werdende Schere bei den Inflations- und Wachstumsraten in der Euro-Zone wird schon seit längerem diskutiert. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) wird nicht müde zu sagen, dass es Spielraum für eine Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank gibt. Immer wieder verweist er auf das „Stabilitätsopfer“ durch Deutschland. Denn die Zinsen könnten hier zu Lande niedriger sein, wenn sich die Geldpolitik allein an der geringen deutschen Inflation orientierte, argumentiert Clement immer wieder.

Der Referenzwert der Europäischen Zentralbank (EZB) fiel am Mittwoch auf 1,2228 (Vortag 1,2331) Dollar. Im Referenzkursverfahren der Banken (EuroFX) rutschte der Euro auf 1,2235 (1,2323) Dollar. „Aus konjunktureller Sicht müsste die EZB eigentlich die Zinsen senken“, sagte ein Händler. Mit zwei Prozent liegen die Leitzinsen in der Euro-Zone seit Sommer 2003 klar unter dem US-Zinsniveau von drei Prozent. Mit einer Zinserhöhung schon Ende Juni dürfte sich der Zinsvorteil des Dollar noch ausweiten. Einige Händler halten den Kursanstieg des Dollar aber für fundamental nicht gerechtfertigt.

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