Geschäftskunden
Rohstoffe reizen die Banken

Geschäftskunden brauchen wegen der steigenden Preise mehr Beratung und Absicherung

HB FRANKFURT. Die deutsche Wirtschaft stöhnt unter extrem hohen Preisen für Energie und andere Rohstoffe. Im zu Ende gehenden Jahr sind die Kosten für Rohöl, Heizöl, Benzin, Strom und Buntmetalle auf neue Rekordhöhen gestiegen. Für die Unternehmen ist dies eine völlig neue und ungewohnte Situation. In den vergangenen Jahren hatten sie sich stets darauf einstellen können, Energie und andere Rohstoffe nicht nur in ausreichendem Maße, sondern auch zu „vernünftigen“ Preisen zur Verfügung zu haben. Obwohl der Preisaufschwung an den internationalen Rohstoffmärkten nun wahrlich nicht überraschend kam, sondern seit vielen Jahren absehbar war, hatten sich sowohl die Unternehmen als auch die Finanzberater der Banken nur unzureichend darauf vorbereitet.

Die Kosten für den Einsatz von Rohstoffen im betrieblichen Ablauf sind einer der stärksten Belastungsfaktoren für die Ertragsentwicklung von Unternehmen. Daher ist das Thema Risikomanagement in vielen Unternehmen plötzlich zur Chefsache erklärt worden. „Bei unseren Kunden läuten die Alarmglocken“, sagt Stefan Bender von der Deutschen Bank. Dort, wo man in der Vergangenheit mit Hilfe der Banken bereits extensiv Zins- und Devisenrisiken abgesichert hatte, ist man jetzt gezwungen, auch den zunehmenden Risiken auf der Rohstoffseite wirksam zu begegnen.

Die neue Situation hat nicht nur die Industrieunternehmen, sondern auch die deutschen Banken verstärkt auf den Plan gerufen. Diese haben in den vergangenen Monaten Expertise in der Rohstoffmarkt-Analyse aufgebaut und sich in diesem Kontext auch stärker mit den an den Terminbörsen oder im Freiverkehr (OTC) zur Verfügung stehenden Risikosicherungs-Instrumenten beschäftigt. „Wir sehen gerade bei mittelgroßen Unternehmen einen erheblichen Beratungsbedarf“, sagt Rainer Holschuh, der die Research-Abteilung der DZ Bank leitet. Der Experte hat vor allem bei den mittelständischen Unternehmen einen Mangel an Fachwissen entdeckt.

Schwerpunkte der Beratung liegen nach Aussagen von Deutsche- Bank-Mann Bender derzeit auf der Energieseite. Bei den Industriemetallen habe die deutsche Wirtschaft in der Vergangenheit bereits nachgewiesen, dass sich das Hedging – also die Absicherung von Preisrisiken – wirklich bezahlt macht. „Die großen deutschen Rohstoffverarbeiter wie Norddeutsche Affinerie oder Fuchs Petrolub sind mit den Rohstoffmärkten und den hier lauernden Risiken seit Jahren bestens vertraut“, sagt auch Holschuh.

„Die Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Energiepreise und die großen Preisschwankungen in kurzen Zeiträumen machen den Einsatz derivativer Instrumente zur Preisabsicherung sinnvoll“, sagt Lars Mähl von der BayernLB-Tochter Energy & Commodity Solutions. Auch im Agrarbereich bestehe bei großen Konsum- und Erzeugergenossenschaften starkes Interesse für Risikomanagement im Rohstoffeinsatz. „Hier fehlen uns allerdings sowohl geeignete Instrumente als auch liquide Märkte“, beklagt Holschuh. Bei agrarischen Rohstoffen habe sich noch kein europäischer Gesamtmarkt entwickelt. Europas Agrarwirtschaft könne zudem nicht auf die Tradition in der Absicherung von Preisrisiken zurückblicken wie die US-Farmer, die ihre Risiken seit Jahrzehnten an den Terminbörsen in Chicago absichern können.

Bei der Deutschen Bank ist das Risikomanagement von Rohstoffen eng mit der Absicherung von Devisenrisiken verbunden. Beide Anlageklassen hätten zahlreiche Berührungspunkte, sagt deren Experte Stefan Bender. Noch weist die Struktur der Märkte für Rohstoff-Derivate jedoch unverkennbare Schwächen auf. Das Ganze müsse sich erst noch entwickeln und professioneller werden, heißt es bei Bankern. „Im Vergleich zu Zins- und Devisenrisiken wird im Rohstoffbereich noch sehr zurückhaltend mit Absicherungsmaßnahmen gearbeitet“, sagt Bender.

Wegen der oftmals fehlenden Flexibilität und der mangelnden Liquidität der Rohstoff-Terminbörsen wird das Geschäft von den Banken meist in maßgeschneiderte Instrumente verpackt. „Die von uns gebotenen Preissicherungen werden zu fast 100 Prozent über die OTC-Märkte gestaltet“, erläutert Bender. Man benutze die Terminbörsen lediglich als Referenzgröße bei der Preisgestaltung sowie in einigen Fällen auch zur Absicherung eigener Risiken. Rund 80 Prozent der Geschäfte zur Absicherung der auf Seiten der Unternehmen bestehenden Rohstoffpreisrisiken seien Forwards und Swaps, also Festpreisgeschäfte, sagt Bender. Eine solche Absicherung gebe den Unternehmen allerdings keine Flexibilität in sich verändernden Märkten. Man strebe daher immer stärker nach individuellen Lösungen zur Steuerung des Gesamtrisikos. Der Trend gehe zu einem Risikomanagement, das sich an den Bedürfnissen der Kunden orientiert.

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