Geschäftsmann Tokyo Sexwale
Zwischen Platin und Politik

Tokyo Sexwale hat sich in Südafrika einen Ruf als erfolgreicher Industrieller erarbeitet: Seine Mvelaphanda-Holdings machte ihn zum erfolgreichsten schwarzen Unternehmer am Kap. Diese Erfolgsgeschichte ist nicht nur mit guten Verbindungen zur Regierung verbunden, sondern besonders auch durch die Beteiligung an Südafrikas ergiebigen Rohstoffmärkten – Platin, Gold und Diamanten.

KAPSTADT. Leicht geht der Name des Unternehmens nicht von der Zunge: Mvelaphanda ist ein Wort aus der südafrikanischen Vendasprache und bedeutet so viel wie Fortschritt. Kaum weniger ungewöhnlich klingt der Name des Geschäftsmanns, der Mvelaphanda-Holdings kontrolliert: Tokyo Sexwale. Den Spitznamen Tokyo erhielt Gabriel Mosima Sexwale wegen seiner früheren Leidenschaft für den Karatesport.

Inzwischen ist Sexwale, der lange Zeit als Kronprinz von Ex-Präsident Nelson Mandela galt, mit seiner Holding zum führenden schwarzen Geschäftsmann am Kap aufgestiegen. Es ist eine südafrikanische Geschichte, in der die Politik untrennbar mit den Rohstoffen des Landes verwoben ist: Platin, Gold, Diamanten. Derzeit gehört Sexwale zu den größten Akteuren vor allem auf dem Platinmarkt. Sollte er, was nicht ganz unwahrscheinlich ist, Mandelas Nachfolger Thabo Mbeki beerben, verschieben sich die Gewichte in der Rohstoffindustrie der Kaprepublik.

Seit er sich 1998 nach nur einer Amtszeit als Regierungschef der wirtschaftsstarken Provinz Gauteng (Großraum Johannesburg/Pretoria) aus der Politik zurückzog, hat sich Sexwale hervorragend im Geschäftsleben positioniert. Geholfen hat dem 54-Jährigen dabei das Bestreben des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), den Schwarzen am Kap nach dem politischen Umbruch 1994 auch wirtschaftlich den Rücken zu stärken. Das Schlagwort heißt Black Economic Empowerment (BEE): Wer als Unternehmen nicht zumindest 25 Prozent der Firmenanteile an schwarze Südafrikaner verkauft, braucht sich um viele staatliche Aufträge gar nicht erst zu bewerben.

Doch bei allem Erfolg in der Wirtschaft hat Sexwale die Politik nie aus den Augen verloren. Der frühere Widerstandskämpfer hat zaghaft, aber dennoch unmissverständlich sein Interesse an einer Präsidentschaftskandidatur für 2009 bekundet. Dann läuft die zweite und laut Verfassung auch letzte Amtszeit des gegenwärtigen Staatschefs Mbeki aus.Dies könnte bedeuten, dass Sexwale womöglich die Bande zur Mvela-Gruppe kappt. Sein ausgeprägtes Charisma und die hervorragende politische Vernetzung im ANC haben dem früheren Widerstandskämpfer in den letzten Jahren eine ganze Reihe von so genannten Empowerment-Deals beschert und ihn steinreich gemacht. Beobachter schätzen sein Vermögen auf umgerechnet rund 100 Mill. Euro. Es gibt am Kap kaum ein Unternehmen, das den Geschäftsmann nicht gerne als Partner hätte. So ist die Mvela Group unter anderem mit elf Prozent an der Absa-Bank beteiligt und hält eine ebenso hohe Beteiligung an dem Baukonzern Group 5.

Der Star im Portefeuille von Tokyo Sexwale ist jedoch zweifellos die Rohstofftochter seiner Holding: Mvelaphanda (Mvela) Resources. Interessant für Anleger ist das mit 12,4 Mrd. Rand (1,3 Mrd. Euro) bewertete Unternehmen vor allem wegen seiner direkten Beteiligung an einigen der größten Rohstoffkonzerne am Kap: So besitzt Mvela Resources 15 Prozent an den südafrikanischen Minen von Gold Fields, dem weltweit viertgrößten Förderer des gelben Metalls. Daneben hält das Unternehmen einen Anteil von 22 Prozent am Platinproduzenten Northam Platinum – und besitzt die Option, diese wertvolle Beteiligung auf 34 Prozent aufzustocken.

Es dürften Sexwales politische Ambitionen gewesen sein, die bei Mvela Resources Ende letzten Jahres Anlass zu einem größeren Umbruch gaben. So erwarb das von dem prominenten schwarzen Geschäftsmann Lazarus Zim geführte Afripalm-Konsortium einen Anteil von 19 Prozent an Mvela Resources. Zuvor war Zim, den Sexwale quasi zu seinem Nachfolger erkoren hat, Leiter der Südafrika-Aktivitäten des Bergbauhauses Anglo American gewesen. Gemeinsam kontrollieren Zims Afripalm und Sexwales Holding nun 42 Prozent an Mvela Resources. Beim Stimmrecht besitzen sie sogar die Mehrheit von 51 Prozent.

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