Geschwächte Währung
Spekulanten wetten massiv gegen den Euro

Hedge-Fonds und Investoren spekulieren so stark wie nie gegen die Gemeinschaftswährung. Eine Trendwende gilt als unwahrscheinlich. Vor allem Griechenland liefert den Spekulanten gute Argumente für ihre Deals.
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FrankfurtDer Euro hat am Mittwoch weiter nachgegeben und ist auf den tiefsten Stand seit August 2010 gesunken. Am Nachmittag sackte die Gemeinschaftswährung auf 1,26 Dollar ab. Damit wurde das bisherige Jahrestief vom Januar bei 1,2625 Dollar nach mehreren Anläufen an den vergangenen Tagen durchbrochen. Als Grund für den jüngsten Kursrutsch von rund einem halben Cent nannten Händler enttäuschende Konjunkturdaten aus Italien. Dort hat sich das Verbrauchervertrauen im Mai auf den tiefsten Stand seit 1996 eingetrübt.

Wenn es nach den Spekulanten am Devisenmarkt geht, dann wird der Euro in den kommenden Monaten noch weiter an Wert verlieren. An der Terminbörse in Chicago (CME) hat der Überschuss von Wetten auf einen fallenden Euro gegenüber Wetten auf einen steigenden Euro einen Rekord erreicht. Die Differenz von 173.869 Kontrakten war die höchste seit der Euro-Einführung.

Der Euro/Dollar-Kurs ist das Fieberthermometer der europäischen Schuldenkrise. Jede Nachricht hat Einfluss auf das Umtauschverhältnis - sei es das Wahldebakel in Griechenland, seien es schlechtere Konjunkturdaten aus den hochverschuldeten Euro-Ländern oder Hilfsmaßnahmen von Politik und Notenbank.

Grund dafür sind die anhaltenden Schwierigkeiten, die Schuldenkrise einzudämmen, und der drohende Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Doch gibt Griechenland den Euro auf, muss das nicht den freien Fall des Euros bedeuten. Einige Experten sähen darin sogar eher einen Befreiungsschlag. "Der Markt hat seine Meinung dahingehend geändert, dass er jetzt nicht mehr erwartet, dass der Euro auseinanderbricht, wenn Griechenland austritt, sondern dass es in dem Fall weiterhin einen Euro geben wird", sagt David Bloom, Chef-Devisenstratege bei HSBC. Sein Team rechnet sogar mit einer Erholung des Euros auf 1,44 Dollar bis zum Jahresende.

Auch die deutsche Bundesbank hält ein etwaiges Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion für beherrschbar. “Die Herausforderungen wären in diesem Fall erheblich, aber bei vorsichtigem Krisenmanagement beherrschbar”, heißt es in dem am Mittwoch in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht. Die Lage in Griechenland bezeichnet die Bundesbank in dem Bericht als “äußerst angespannt.”

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Wäre der Austritt der Befreiungsschlag?

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  • Humbuger,

    >> Wir brauchen Europa nicht.

    Wen ich bis gestern dachte, daß ein Großteil dummer Menschen schon den Inhalt eines Buches nicht verstehen kann, komme ich gerade zu dem Ergebnis, daß offensichtlich der eine oder andere schon am Titel scheitert ...

  • So ein Affentheater. Sollen die doch alle machen was sie wollen.
    Unsere ganze finanzwelt ist nur noch ein Riesensaustall, ein Spielcasino. So eine Finanzordnung kann für die Menschheit keine Existenzgrundlage und für Volk und Staat sein. Täglich das gleiche Szenario-top oder Flop. Der eine verliert -der andere gewinnt. Der eine ist am Abend arm-seiner Existenz beraubt-der andere reich ohne Arbeit. Was soll denn so eine Ordnung. So vernichten sie sich alle gegenseitig. Sind wir dazu auf dieser Welt? Ist das unsere Bestimmung-unsere Aufgabe? Das Milliarden Menschen verelenden, damit andere mit Lüge und Betrug Milliarden ergaunern und prassen können? Was für eine Welt.

  • Wer sind "die" Spekulanten? Die größten deutschen Banken und die meisten international tätigen sind auf den Cayman Islands präsent. Die Caymans sind eine Steueroase und weltgrpßter Standort für Hedge Fond. 40% aller sind da angesiedelt.
    Die Caymans sind britisches Hoheitgebiet. Warum die Briten wohl nicht im Euro sind?
    Es geht bei dem Eiertanz in Brüssel um ganz andere Belange als um Spekulanten da und Eurostabilität hier. Das sind mafiöse Strukturen, korrumpierte Daten und Ehrenmänner.
    Luxemburg ist ein Offshore-Finanzplatz und Juncker Eurogruppenchef. Viel bequemer geht's nicht.
    Andorra liegt mitten in der EU und jeder französische Präsident übernimmt das andorranische Amt des Kofürsten mitsamt umfangreichen Vetorechten.

    Will sich wohl keiner die Finger dran verbrennen, deshalb schweigt man beharrlich und regt sich über Stellvertreterscharmützel auf.


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