Gesunde Korrektur
Profis glauben ans Gold

Die Teilnehmer an der Goldkonferenz haben vor allem Zahlen im Kopf. Der Goldpreis ist nach seinem Top bei 720 Dollar je Unze auf 650 Dollar abgerutscht. Die Frage: Steigt er wieder oder fällt er weiter – was Skeptiker vermuten.

GENF. Da steht ein groß gewachsener älterer Herr im blauen Anzug beim Abendempfang am Genfer See: Doug Casey. Insider kennen den Namen des amerikanischen Rohstoffexperten. Viele von ihnen nehmen nur seinetwegen an der Goldkonferenz teil. Casey lässt sich sonst nicht in Europa blicken. Die meisten Teilnehmer halten den Chef von Casey Research aus Stowe im US-Bundesstaat Vermont nur für einen Börsenbriefschreiber mit interessanten Ideen. Was wenige wissen: Er hat das eigentlich gar nicht mehr nötig, denn er ist längst Milliardär.

Die Teilnehmer an der Konferenz haben vor allem Zahlen im Kopf. Der Goldpreis ist nach seinem Top bei 720 Dollar je Unze (31 Gramm) auf 650 Dollar abgerutscht. Die Frage: Steigt er wieder oder fällt er weiter – was Skeptiker vermuten. Die Antwort hängt auch davon ab, ob der Antwortende ein unabhängiger Fachmann ist oder Angestellter eines großen Finanzhauses. Viele unabhängige Goldexperten halten die aktuellen Rückgänge für eine gesunde temporäre Korrektur und sprechen offen über ihre vierstelligen Preisprognosen. „Gold ist noch billig, inflationsbereinigt würde das Top von 1980 bei 850 Dollar heute 2 100 Dollar entsprechen – der Preis wird durch die Decke schießen“, sagt Casey.

Viele Analysten großer Finanzhäuser dagegen haben sich im Bärenlager eingerichtet. So wittert beispielsweise der bekannte Morgan-Stanley-Ökonom Stephen Roach im gesamten Rohstoffsektor nach den Preisbeschleunigungen des letzten halben Jahres eine Spekulationsblase, deren Platzen außer Frage steht. Er kann sich vorerst bestätigt fühlen.

Es ist eine Ausnahme, wenn renommierte Großadressen Enthusiasmus verbreiten. Zu dieser kleinen Gruppe zählt die Brokersparte der französischen Crédit Agricole, die sich vor einigen Monaten – fast unbemerkt – mit einer Preisprognose von 2 000 Dollar aus dem Fenster lehnte. Zu den Optimisten zählt auch Deutsch-Banker Klaus Martini, Chef des weltweiten Geschäftes mit vermögenden Privatkunden. Gerade publizierte er eine positive Goldstudie und spricht darin von einer „glänzenden Alternative“, allerdings ohne Preisziele zu nennen.

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