Getreidebedarf
Knappes Angebot treibt Getreidepreise

Neue Exportwerte sowie Ernte- und Vorratsschätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, USDA, haben den Getreidepreisen zusätzlichen Auftrieb geben. Der niedrige Stand der Weltvorräte und der so genannte „China-Faktor“ haben die Märkte verunsichert – und die Sorge über eine weltweite Bedarfsdeckung neu entfacht.

LONDON. In Chicago stieg der Weizenpreis binnen 48 Stunden nach Veröffentlichung der USDA-Zahlen um elf Prozent auf zuletzt fast 1 200 Cents je Bushel (rund 36,37 Liter).

Das Ministerium schreckte die Märkte mit seiner Prognose auf. Demnach sollen die US-Weizenvorräte – gemessen am Verbrauch – zum Ende des Wirtschaftsjahres 2007/08 die geringste „Reichweite“ seit 1946/47 haben und die Weltvorräte auf den niedrigsten Stand seit 1978 absacken. Grund dafür sind etwa bei Weizen Ernteausfälle in Australien, Russland, Kanada und den USA. Dem stehen zunehmende Käufe vieler Importländer von Getreide am Weltmarkt gegenüber. Vom 1. Juni bis Ende Februar schnellten die Vorabverkäufe der US-Exporteure um 54 Prozent hoch.

Getrieben wurden die Preise vor allem auch durch die Ankündigung Chinas, dass 2008 die Einfuhren von Getreide und anderen Agrarprodukten noch einmal gesteigert werden sollen, um die Versorgung der 1,3 Mrd. Chinesen zu gewährleisten. Deren Versorgungssicherheit mache er zu seiner „Top Priorität“, erklärte Handelsminister Chen Deming. Auch die Türkei hat den Kauf von 500 000 Tonnen Weizen angekündigt und damit zu dem Preisanstieg beigetragen.

„Der China-Faktor, die rapide zunehmende Verwendung von Getreiden für die Herstellung von Biokraftstoff sowie schrumpfende Anbauflächen wegen der Urbanisierung und ein wachsender Wassermangel haben den Welt-Getreidemarkt einem strukturellen Wandel unterworfen“, kennzeichnet Sudakshina Unnikrishnan von Barclays Capital die Situation. Nahezu ohne Auswirkung auf die Preise blieb dagegen die Meldung über steigende Ausfuhren von Weichweizen aus Frankreich. Selbst die Erwartung des Londoner Getreiderates, IGC, die Weizenernte Australiens werde sich 2008/09 nicht nur voll erholen, sondern mehr als verdoppeln, hat die Anleger an den US-Terminmärkten und der Londoner Liffe bislang nicht davor zurückschrecken lassen, die Preise dort in ständig neue Höhen zu treiben.

Die angespannte Versorgungslage zeigt sich auch in Produzentenländern wie Russland und der Ukraine. Sie haben sporadisch bereits Exporte ausgesetzt oder durch Zölle erschwert. Jüngstes Beispiel ist Argentinien. Die Südamerikaner stoppten kurzfristig die Weizenausfuhr und hoben die Exportabgabe von 35 auf 41 Prozent an.

Eine Verknappung zeichnet sich auch bei Mais ab. China ist bei Mais wegen einer voraussichtlich rückläufigen Ernte und eines wachsenden Eigenbedarfs „wahrscheinlich schon im Wirtschaftsjahr 2007/08 zum Netto-Importeur geworden“, vermutet Tobias Merath von der Credit Suisse. Andererseits verlieren die USA als bisher führender Exporteur an Bedeutung, da dort immer mehr Mais zu Ethanol verarbeitet wird.

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