Devisen + Rohstoffe
Gewinnmitnahmen drücken Ölpreis kräftig

Gewinnmitnahmen haben am Dienstag die Ölpreise in Europa und den USA zeitweise um rund einen Dollar gedrückt. Für ein Barrel (knapp 159 Liter) der marktführenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Juli wurden in London am späten Nachmittag mit 37,10 Dollar 81 US-Cent weniger als am Vortag bezahlt. Leichtes US-Öl verbilligte sich um 75 Cent auf 40,80 Dollar.

HB LONDON/WASHINGTON. Händler bezeichneten die Entwicklung als technische Gegenbewegung auf die starken Preiserhöhungen der jüngsten Zeit, die Öl in Europa so teuer gemacht hatten wie seit 13 Jahren nicht mehr. In den USA stieg der Ölpreis auf den höchsten Stand seit 21 Jahren. Zugleich warnten die Händler jedoch, der Rückgang werde voraussichtlich nicht lange anhalten. Die kräftig anziehende Nachfrage nach Rohöl und anhaltende spekulative Käufe durch Hedge-Fonds würden die Preise nahe ihrer Höchststände halten. Die US-Regierung wies unterdessen Forderungen der oppositionellen Demokraten nach einer Freigabe von Öl aus der Strategischen Reserve der USA zurück.

Händlern zufolge haben das kräftige Wirtschaftswachstum und niedrige Ölvorräte in den Industrieländern Zweifel an der Fähigkeit von Ölexporteuren und Raffinerien aufkommen lassen, die emporschnellende Nachfrage nach Kraftstoffen, vor allem in den USA, zu befriedigen. Zusätzlichen Auftrieb hätten die Preise durch befürchtete Lieferunterbrechungen aus dem Nahen Osten erhalten. Vor diesem Hintergrund hätten Investmentfonds massiv in Öl investiert und damit den Preis für Öl in den USA seit Jahresbeginn um 27 Prozent in die Höhe getrieben. Die US-Benzinpreise stiegen seit Ende 2003 um rund 50 Prozent.

„Die anhaltende Attraktivität des Öls für Investmentfonds bedeutet Versorgungsunsicherheit“, sagte der unabhängige Londoner Berater Geoff Pyne. Rohstoffe wie Gold und Kupfer seien von ihren Preishochs zurückgefallen, seit die Nachfrage nachgelassen habe. Das Öl habe dagegen eine eigene Geschichte, fügte Pyne hin zu. Anderen Analysten zufolge sehen die Manager der großen Fonds den Energiemarkt eher als langfristige Investition, als eine Möglichkeit, um schnell Geld zu machen.

Die Investitionen in Öl seien begünstigt worden durch die niedrigen US-Zinsen, die schleppende Entwicklung der Aktienmärkte und den schwachen Dollar, die Anlagen in Staatsanleihen, Aktien und Devisen weniger attraktiv machten. Ernsthafte Zweifel bestehen am Markt Händlern zufolge auch an den Möglichkeiten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), wesentlich mehr Öl zu exportieren, während die Nachfrage so hoch ist wie seit 16 Jahren nicht mehr.

Andere Förderländer, die dem Kartell nicht angehören, wie Russland, Norwegen und Mexiko, nutzen ihre Förderkapazität bereits voll aus. Die Opec exportiert täglich bereits gut zwei Millionen Barrel Öl über den offiziellen Förder- und Exportquoten, so dass eine von Saudi-Arabien angebotene Anhebung der Quoten um 1,5 Millionen Barrel faktisch sogar einer Drosselung gleich käme.

Das Kartell rechnet für das dritte Quartal dieses Jahres mit einer Zunahme der Ölnachfrage um 1,88 Millionen Barrel pro Tag.

Am Freitag will die Opec vor einem internationalen Energieforum in Amsterdam über ihre Förderpolitik beraten. Am Rande des Treffens will US-Energieminister Spencer Abraham mit Saudi-Arabien über die Förderpolitik der Opec sprechen. Abraham wies am Dienstag aber Forderungen zurück, Öl aus der Strategischen Reserve der USA freizugeben, um so die rekordhohen Benzinpreise in den USA zu drücken. „Die Reserve ist nicht einfach da, um zu versuchen, die Preise zu ändern,“ sagte er.

Die USA hatten nach der Energiekrise in den 70er Jahren die Reserve angelegt. Derzeit ist diese mit etwa 660 Millionen Barrel Rohöl gefüllt. Bis Ende nächsten Jahres will die US-Regierung die Vorräte durch stetige Zukäufe am Markt auf 700 Millionen Barrel erhöhen. Für die Wirtschaft geht nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) von den derzeit hohen Energiepreisen noch keine Gefahr aus. Die stellvertretende IWF-Chefin Anne Krüger sagte, die Ölpreise befänden sich noch nicht in der Gefahrenzone. Analysten zufolge sind die Preise unter Berücksichtigung der Inflation erst halb so hoch, wie nach der islamischen Revolution 1979 im Iran. Demgegenüber warnte der Präsident der Federal Reserve Bank von Richmond, Alfred Broaddus, vor Inflationsgefahren. Die stark steigenden Ölpreise könnten sich in einer höheren Inflation in den USA niederschlagen. Allerdings sei die Gefahr begrenzt.

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