Gipfel der Asiatischen Entwicklungsbank
Asien peilt gemeinsame Währung an

Mit den wachsenden wirtschaftlichen Verflechtungen innerhalb Asiens gewinnt die Diskussion über eine gemeinsame Währung nach dem Vorbild des Euro an Dynamik.

JEJU. „Die Regierungen haben das Thema auf dem Radarschirm“, sagt Yoshihiro Iwasaki, Experte der Asiatischen Entwicklungsbank. Die Staatschefs Südasiens haben darüber bereits diskutiert. Und auch auf dem Jahrestreffen der Asiatischen Entwicklungsbank im südkoreanischen Jeju, das morgen beginnt, steht das Thema Finanzintegration oben auf der Agenda.

Dabei ist klar, dass etwas ähnliches wie der Euro für Asien selbst im günstigsten Fall noch mehrere Jahrzehnte entfernt ist. „Die wirtschaftlichen Entwicklungsniveaus der Länder und damit auch ihre Interessen sind einfach noch zu weit auseinander“, meint Chefökonom Richard Koo vom Nomura Forschungsinstitut in Tokio. Doch in den vergangenen Jahren haben die asiatischen Staaten Schritte zu einer Finanzkooperation getan, die bis dahin undenkbar gewesen wären.

Auslöser war die Finanzkrise 1997/98. Danach wurde klar, dass die Abhängigkeit von Exporten in den Westen und vom US-Dollar die asiatischen Volkswirtschaften verwundbar macht. Mit ihrer Öffnung im Zuge politischer und wirtschaftlicher Reformen sind die Länder jetzt bereit, auch im sensiblen Finanzbereich zusammenzuarbeiten. Mittlerweile sprechen die Asean-Mitgliedsstaaten sowie Japan, China und Südkorea (Asean plus 3) regelmäßig über ihre Wirtschaftspolitik.

Über die so genannte „Chiang Mai-Initiative“ werden Währungsgeschäfte vereinfacht, mit denen im Krisenfall die eigene Währung verteidigt werden soll. Und mit der Asiatischen Anleihe-Initiative versuchen die Staaten, Asiens Nettoersparnisse in der Region zu halten. Bisher wandern sie oft in US-Schatzbriefe. Das Geld für teurere Kurzfristkredite an asiatische Staaten kommt dann wiederum aus den USA. Mit der Bondinitiative soll es gleich in Asien gehalten werden und so das Wachstum billiger finanzieren. Kleine Schritte vorwärts in die Richtung einer weiteren Integration könnten die Finanzminister der Asean plus 3 morgen beschließen. Etwa eine Erhöhung des Volumens der Bond-Initiative. Auch die „Chiang Mai-Initiative“ wird derzeit neu bewertet.

Iwasaki hält als nächsten Schritt die Zusammenlegung der bilateralen Swap-Abkommen zu einem Pool für möglich. Zudem wird darüber beraten, die Verbriefung von Unternehmensanlagen, wie sie die japanische Zentralbank für den Mittelstand im eigenen Land gefördert hat, in Asien auszudehnen. „In zehn oder fünfzehn Jahren schauen wir vielleicht einmal zurück und sagen, diese Zeit, das war ein historischer Zeitpunkt“, meint ADB-Vizepräsident Geert von der Linden.

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