Globaler Hype um Bitcoin und Co.
Die Aufsicht greift ein – von Tokio bis New York

Der Bitcoin durchbricht die 6000-Dollar-Marke, immer mehr Anleger zocken mit, die Furcht vor einer Blase wächst. Das ruft die Aufsicht auf den Plan: So gehen die sechs wichtigsten Finanzplätze mit dem Krypto-Hype um.
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Düsseldorf, Berlin, Zürich, Tokio, Peking, New YorkManchmal offenbart eine Zahl mehr als viele Worte – etwa die Marktkapitalisierung von Bitcoin, Ethereum und Co. Seit Jahren errechnet die Branchenseite Coinmarketcap den Wert der weltweit verfügbaren rund 1200 Kryptowährungen. Die Entwicklung ist erstaunlich: Waren alle digitalen Münzen Anfang 2017 noch rund 17 Milliarden Dollar wert, so liegt die Zahl heute bei knapp 170 Milliarden Dollar. Der Wert hat sich in wenigen Monaten fast verzehnfacht.

Allein der Kurs der wichtigsten Währung, des Bitcoins, ist seit Jahresanfang von knapp 1000 Dollar in schwindelerregende Höhen gestiegen: Am Freitagabend hat er die 6000-Dollar-Marke durchbrochen, ist am Samstag bis auf ein Allzeithoch von 6178 Dollar gestiegen, notiert aktuell wieder tiefer. Verfolger Ethereum legte von knapp acht auf 300 Dollar zu. Die beispiellose Kursrally lockt Investoren an, neben Nerds und Krypto-Fans auch immer mehr unerfahrene Privatanleger. Viele spekulieren in der Hoffnung auf das große Geld und unterschlagen das Risiko.

Mit ihrer Faszination stehen sie nicht allein da: Zuletzt betonte sogar die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, die Vorteile digitaler Zahlungen, und erklärte, virtuelle Währungen ernstnehmen zu müssen. Man dürfe sie „nicht kategorisieren“, so Lagarde. Auch Lloyd Blankfein, Vorstandschef der US-Großbank Goldman Sachs, hatte sich zuletzt offen gezeigt. Seine Bank prüft laut Berichten einen Einstieg in den Bitcoin-Handel.

Neuester Trend der Krypto-Szene sind die sogenannten ICOs („Initial Coin Offerings“). Bei diesen virtuellen Börsengängen geben digitale Start-ups ihren Anlegern keine Aktien aus, sondern lediglich Gutscheine, die eine Beteiligung an möglichen künftigen Gewinnen versprechen. Beobachter sehen Betrüger am Werk: Viele Start-ups besitzen kein funktionierendes Geschäftsmodell, sondern nur eine 20 bis 30 Seiten lange Ideensammlung („White Paper“ genannt). Gab es laut der Seite Coinschedule 2016 ganze 46 ICOs, liegt die Zahl dieses Jahr schon bei 202. Weitere 364 ICOs sind in Planung.

Immer häufiger werden außerdem klassische Finanzprodukte auf Basis von Bitcoin und Co. aufgelegt. Hedgefonds investieren in Digitalwährungen und Krypto-Firmen. Mit Derivaten, sogenannten Differenzkontrakten, können Anleger mit einem Hebel auf Kursbewegungen spekulieren. Auch hier ist die Gefahr eines Totalverlusts hoch.

Angesichts beispielloser Kursgewinne und windiger Geschäftsmodelle wächst die Kritik am Krypto-Wildwuchs. Viele Beobachter erinnert der Markt an die Internetblase der Jahrtausendwende. Der CEO der Großbank JP Morgan, Jamie Dimon, bezeichnete den Bitcoin als „Betrug“. Und UBS-Präsident Axel Weber mahnte, eine Währung müsse der Wertaufbewahrung dienen, als Zahlungsmittel sowie für Transaktionen verwendet werden können. Das sei angesichts starker Kursschwankungen nicht der Fall. „Bitcoin ist nur eine Transaktionswährung“, so der frühere Bundesbank-Chef.

Wer am Ende Recht behält, ist offen. Sollte die globale Krypto-Blase platzen, wird eine Fraktion aber mit Sicherheit in die Verantwortung genommen werden: die staatlichen Regulierungsbehörden. Von ihnen wird spätestens seit der Finanzkrise die Früherkennung von Krisen erwartet, die Warnung der Politik und der Schutz der Privatanleger.

Lange haben sich die Regulierer zurückgehalten und dem Treiben auf den Krypto-Märkten tatenlos zugesehen. Das ist vorbei, weltweit formiert sich die Aufsicht und sucht nach einer Haltung. Worauf müssen sich Krypto-Anleger und -Unternehmer einstellen? Die Handelsblatt-Korrespondenten schildern die Situation an den sechs wichtigsten Finanzplätzen der Branche – in Japan, China und Korea, in der Schweiz, Deutschland und den USA.

Kommentare zu " Globaler Hype um Bitcoin und Co.: Die Aufsicht greift ein – von Tokio bis New York"

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  • Ob Cash, Bitcoin, Buchgeld oder sonstiges "Geld":

    Die eigentliche Frage ist nicht, wieviel und zu welchem "Kurswert" man davon angesammelt hat, sondern was man damit anzustellen gedenkt. Und ob es als Zahlungsmittel akzeptiert wird.

  • Die Überschrift indiziert etwas vollkommen Anderes als im Text dann steht. Hauptsache einen Punkt gemacht, gel. Sie schreitet nicht ein, sondern es gibt diverse Länder die Regularien im Handel gegen die Fadenscheinigen ICOs einführen. Zu recht wie ich finde.

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