Gold
Die Rally geht weiter

Anleger und Notenbanken treiben den Goldpreis. Das Edelmetall ist so teuer wie nie zuvor und markiert täglich neue Höchststände. Die Rally ist offenbar noch lange nicht vorbei. Denn Experten rechnen mit weiteren Käufen der Zentralbanken. Eine historische Wende bahnt sich an.

KAPSTADT/DÜSSELDORF. Diesmal ist alles anders: Nicht der Oktober verdient das Prädikat golden, sondern vor allem der November. An den Edelmetallmärkten bricht der Goldpreis derzeit täglich seine gerade erst aufgestellten Rekorde. Anders als in der Vergangenheit betrifft dies vor allem die Dollarnotierungen, aber auch auf Euro-Basis ist das Rekordhoch in Sichtweite. Die Notenbanken vieler Schwellenländer nutzen Gold immer stärker als Währungsreserve und stützen so den Preis.

Bereits seit 2005 strebt der Goldpreis nach oben. Im Frühjahr 2008 hatte er erstmals die Marke von 1 000 Dollar je Feinunze (rund 31,1 Gramm) getestet. Nachhaltig überwunden wurde diese Marke aber erst Anfang Oktober 2009. Wegen der Finanzkrise und der in den Markt geschleusten riesigen Geldmengen erfreut sich das Edelmetall bei privaten wie institutionellen Investoren neuer Wertschätzung. Heute kostet daher Gold fast 1 110 Dollar und in Europa rund 740 Euro. Noch teurer war es im Februar mit 783 Euro.

Ein Anschauungsbeispiel für das wachsende Interesse der Zentralbanken lieferte zuletzt Indien. Vergangene Woche wurde bekannt, dass das Land für rund 6,7 Mrd. Dollar dem Internationalen Währungsfonds (IWF) 200 Tonnen Gold abkaufen wird. Das ist die Hälfte der Menge Gold, die der IWF im Rahmen des jüngsten Zentralbankabkommens verkaufen darf. Am 27. September 2009 trat das dritte Goldabkommen in Kraft. Es begrenzt die Abgaben von 19 Instituten in den nächsten fünf Jahren auf maximal 2 000 Tonnen. Die Zentralbanken wollen dem engen Goldmarkt und den von hohen Kosten geplagten Goldförderern mit dem Abkommen mehr Planungssicherheit verschaffen. Angesichts der bisher recht geringen indischen Goldreserven gilt ein schneller Weiterverkauf des gerade erworbenen Goldes als höchst unwahrscheinlich. Das Land zählt nun zu den zehn Ländern mit den weltweit größten Goldreserven.

"Die Entscheidung Indiens markiert eine historische Wende", wertet Nicholas Brooks, Chef des Researchs und Investmentstratege von ETF Securities, den Goldkauf der Inder. Zwölf Jahre lang hätten Zentralbanken auf der Anbieterseite am Goldmarkt gestanden. Nun träten sie als Netto-Nachfrager auf. "Indien ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs", meint Brooks. China, Russland und andere Zentralbanken von Schwellenländern meldeten ebenfalls Interesse an der Aufstockung ihrer Goldreserven an. Ziel sei die Risikostreuung und die Verringerung der Abhängigkeit vom US-Dollar. "Dies scheint eine strukturelle Veränderung zu sein, die den Goldpreis mittel- und langfristig unterstützen könnte", so Brooks.

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