Gold-Indexfonds
Brexit und Zinstief lassen Goldpreis steigen

Als sicherer Hafen in ungewissen Zeiten locken derzeit nicht nur Goldbarren, sondern auch Gold-Indexfonds die Anleger. Die Goldbestände der Fonds steigen stark an. Auch der Preis je Feinunze nähert sich seinem Zweijahreshoch.

FrankfurtAuch das noch – werden sich viele Anleger nach dem Brexit-Votum vor anderthalb Wochen gedacht haben. Als würde ihnen das schwächelnde Wirtschaftswachstum und die Belastung durch die Nullzinspolitik der Notenbanken nicht schon genug Sorgen bereiten. Um sich abzusichern, setzen jetzt noch mehr Investoren auf die Krisenwährung Gold. Das zeigt sich auch an börsengehandelten Gold-Indexfonds (ETFs). Allein am vergangenen Freitag sind die Goldbestände dieser ETFs um 6,6 Tonnen auf 1.959 Tonnen gestiegen. Im Januar hatten sie laut Daten von Bloomberg noch bei 1.458 gelegen. Nun haben sie das höchste Niveau seit August 2013 erreicht.

Gold gilt bei vielen Investoren als sicherer Hafen in ungewissen Zeiten. Die gesteigerte Nachfrage hat auch den Preis je Feinunze ordentlich angetrieben: Seit Januar verteuerte sich das Edelmetall um rund 27 Prozent. Nach Bekanntwerden des Brexit-Votums hat der Kurs erneut einen Schub nach oben bekommen. Seit dem 23. Juni ist er von etwa 1260 Dollar auf am Montag zeitweise rund 1357 Dollar je Feinunze geklettert. Damit erreichte der Goldpreis beinahe sein Zweijahreshoch.

Was Anleger nach dem Brexit wissen müssen

An den Aktienmärkten hat sich die Lage mittlerweile wieder etwas beruhigt, doch die Notierung des Krisenbarometers Gold bleibt weiterhin erhöht. „Dies zeigt uns, dass das gelbe Edelmetall weiterhin als Absicherungsvehikel gefragt ist“ sagt Gabor Vogel, Rohstoffexperte der DZ Bank. „Wir sehen Gold ohnehin nicht als spekulatives Instrument, sondern als eine Art Versicherung, die in stürmischen Kapitalmarktzeiten Stabilität im Portfolio liefert.“

Allerdings: „Wer aber eine "Gold-Versicherung" abschließt, verzichtet auf regelmäßige Kupon- und Dividendenzahlungen. Diese Opportunitätskosten des Goldbesitzes stellen einen Teil der Versicherungsprämie dar“, so Vogel. Der zweite Teil der Prämie resultiere aus der Tatsache, dass sich der Versicherungsnehmer – also der Goldanleger – im Klaren darüber sein müsse, dass die Goldnotiz – insbesondere in weniger unsicheren Zeiten – zum Teil erheblichen Schwankungen unterliegt und auch über einen längeren Zeitraum fallen kann. Die DZ Bank geht davon aus, dass das Interesse an Gold hoch bleibt. Erst im Laufe des Jahres 2017 sei für die zweite Jahreshälfte mit steigenden Zinsen zu rechnen, dann werde der Goldpreis wieder in Richtung 1.250 Dollar je Unze gedrückt.

Auch die Marktexperten von Heraeus Metal sehen den Brexit nur als mittelbare Ursache für den aktuellen Anstieg des Goldpreises. „Auslöser für die Erholung sind einmal mehr die Erwartungen an die US-Zinspolitik“, sagten sie am Montag. „Nach dem Brexit-Referendum gehen die Marktteilnehmer zunehmend davon aus, dass eine Leitzinsanhebung nicht unmittelbar bevorsteht.“ Sie halten einen solchen Schritt frühestens Ende des Jahres für wahrscheinlich. Allerdings: „Auch wenn sich die erste Nervosität etwas gelegt hat, wird der Brexit die Anleger mittelfristig in Atem halten und damit Gold als „sicheren Hafen“ weiterhin unterstützen.“

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