Gold unter 1.500 Dollar
„Der Preis fiel wie ein Messer durch Butter“

Der Goldpreis ist am Freitag kräftig eingebrochen und erstmals seit 2011 unter die Marke von 1.500 Dollar gefallen. Analysten sprechen von einem atemberaubenden Preisverfall während der Markt über die Ursachen streitet.
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New YorkDer Goldpreis hat am Freitag mehr als fünf Prozent an Wert eingebüßt. Das Edelmetall fiel zum ersten Mal seit Juli 2011 unter die Marke von 1.500 Dollar. Mit einem Minus von sechs Prozent war es der größte Wochenverlust für den Goldpreis seit Dezember 2011. Zum Handelsschluss lag der Preis bei nur noch 1.478 Dollar pro Feinunze.

Die Verkäufe beschleunigten sich am Freitag nach unterwartet schlechten Einzelhandelsdaten aus den USA. Für die Aktienmärkte und den Goldpreis ging es bergab, der Dollar legte zu.

Weiterhin belasteten Gerüchte über einen möglichen Goldverkauf der zyprischen Zentralbank. Das Euro-Land steht möglicherweise vor einem Verkauf von Goldreserven. Dessen Notenbank verwaltet laut Angaben des World Gold Council Goldbestände im Umfang von 13,9 Tonnen.

Die Entscheidung über Goldverkäufe werde von der Notenbank getroffen, sagte Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, am Freitag nach dem Treffen der Euro-Finanzminister in Dublin. Es komme indes darauf an, führte Draghi weiter aus, dass eventuelle Erlöse aus dem Goldverkauf zu allererst zur Deckung möglicher Verluste der Notenbank aus ihren ELA genannten Notfall-Liquiditätshilfen für die Geschäftsbanken herangezogen würden.

„Das Ausmaß der Verkäufe war absolut atemberaubend. Es gab keinerlei Unterstützung von unten, der Preis fiel wie ein Messer durch Butter“, kommentiert Robin Bhar, Analyst bei Societe Generale, den Preisverfall.

Der Goldpreis ist nach dem Kurssturz vom Freitag von seinem Allzeithoch rund 23 Prozent entfernt. Im September 2011 erreichte der Goldpreis sein Rekordhoch von 1.920,30 Dollar.

Doch war es das nun mit der zwölf Jahre andauernden Gold-Rally? Diese Frage ist am Markt hoch umstritten.

Genauso wie die möglichen Gründe für den Preisverfall. Zum einen verweisen einige auf mögliche Goldverkäufe der zyprischen Zentralbank, die anderen auf einen dank anziehender US-Konjunktur erstarkten Dollar. Dieses Argument scheint angesichts der zuletzt schlecht ausgefallenen Konjunkturdaten wenig stichhaltig.

Wieder andere begründen die Goldverkäufe mit dem lockeren Geld der Notenbanken: Diese würden in der Krise immer einspringen und den Markt stützen. Fed, Bank of Japan und EZB würden ein Sicherheitsnetz bilden – wozu also noch Gold als „sicheren Hafen“ kaufen? Andererseits weckt die Geldflut der Notenbanken bei einigen Anlegern die Angst vor Inflation. Es gibt somit Argumente für und gegen Gold. Welche Richtung das Edelmetall letztendlich einschlägt, bleibt damit spannend.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Walter Epp
Walter Epp
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Gold unter 1.500 Dollar: „Der Preis fiel wie ein Messer durch Butter“"

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  • Es weiss keiner genau was passiert!

    Thema Goldverbot: Gesetzt den Fall ich hätte eine Unze, kommt dann die Polizei und durchsucht mein Haus?

    Ich hoffe nur das ganze Geldsystem hält noch 3-4 Jahre.
    Danach gnade uns Gott.

    Wobei ich das Gold auch zu teuer ansehe.
    Die Chinesen haben letztes Jahr 20 Mio Unzen Silber gehortet! Das soll was sein!
    Alleine Dtld. hätte 100 Mio Unzen kaufen müssen.


  • Letztendlich zählt in einigen Tagen nur noch die verfügbare Goldmenge, lasst das Zeug doch gegen 1000 USD "steigen". Bei dem Eurokurs, ab durch die Mitte unters Kissen. Die Schnarchphase steht bald an.

  • Es fehlt nur noch die letzte Konsequenz, die sich aus der Gleichung (Fiat-)Geld = Schuld ergibt. Denn bei der Kredierung von Geld = Schuld entsteht nun der geforderte Zins eben NICHT mit, was bedeutet, dass Schulden in der Gesamtsumme niemals zurückgezahlt werden können. Das Schuldgeldsystem benötigt daher eine ständige Aufschuldung, sonst kollabiert es. Es handelt sich also bei unserem aktuellen Geldsystem um de facto nichts anderes als ein Ponzi-System, ein Schneeballsystem. Und dieses Ponzi-System ist auch noch staatlich legitimiert!! Berni Madoff`s Ponzi-System war staatlich nicht legitimiert - deshalb sitzt er nun 400 Jahre im Knast (soweit mir bekannt ist, hatte Madoff sogar bei seiner Vernehmung ganz ehrlich auf die Frage geantwortet, wie er denn auf die Idee zu seinem Betrug gekommen sei: nämlich durch das staatliche Social-Security-System)!
    Die WICHTIGSTE Konsequenz daraus, die die Massenmedien (und natürlich Politiker) den Bürgern verschweigen, ist aber nun: wenn Geld = Schuld ist, und Schulden in der Summe NIEMALS zurückgezahlt werden können, dann heißt das nichts anderes, dass irgendwann das "Geld" wieder vernichtet werden muss. Und genau das findet bei der Vernichtung der Überschuss-Liquidität respektive der Schulden-Deflation (übrigens in JEDEM Kondratjew-Winter) statt. Unser Wohlstand, unser "Geld" beruht daher letztendlich nur auf Schein, auf "Schein"-Geld (wie es Murray N. Rothbard formulierte). Bei dem Mindestreservesystem der europäischen Banken bedeutet das für Deutschland: ca. 4,5 Bio Euro Sparguthaben sind nur durch ca. 270 Milliaren Euro Geldbasis "gedeckt" - bei einem veritablen Bankrun in der Euro-Zone wäre das "Geld" also großteils weg - es hat nämlich niemals existiert. Wenn die Massenmedien über diesen legalen Betrug schreiben und nicht schweigen würden, dann hätten wir es geschafft: der Weg wäre frei für ein besseres - nämlich ein gedecktes - Geldsystem!!

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