Goldförderung am Kap
Immer tiefer, immer teurer, immer riskanter

Südafrika und seine Nachbarstaaten gehören weltweit zu den größten Förderern von allem, was edel und teuer ist: Gold, Platin, Uran, Diamanten. Nun hat das möglicherweise schlimmste Bergwerksunglück in der Geschichte des Landes in der Elandsrand-Mine ein Schlaglicht auf die Situation geworfen: Südafrikas Goldproduktion hat ihren Preis.

HB JOHANNESBURG. Der Goldbergbau steuert gut fünf Prozent zu Südafrikas Brutto- Inlandsprodukt bei und beschäftigt knapp 100 000 Menschen. Doch historischen Höchstständen des Goldpreises stehen in der Kap- Republik historische Tiefststände bei der Förderung entgegen, die 2006 auf unter 275 Tonnen Gold sank. Ursache sind nachlassende Goldvorkommen, die die Minenbetreiber zu Übernahme- und Ausbauplänen sowie immer tieferen und technisch anspruchsvolleren Bohrungen zwingen. Mit modernster Technik sollen Bergwerke wie die noch aus den 1930er Jahren stammende Driefontein-Mine bis in 4 121 Meter Tiefe getrieben werden. Am Ende der Ausbaustufe wäre es damit das tiefste Goldbergwerk der Welt.

Den Rekord hält bisher die Savuka-Mine von Anglo Gold Ashanti bei Carltonville mit 3 777 Metern – sie liegt nicht weit entfernt von der 3 566 tiefen Unglücksmine Elandsrand, aus der am Donnerstag hunderte Kumpel hungrig, dreckig und traumatisiert gerettet wurden.

Technologisch betreiben die Goldförderer einen enormen Kraftakt. Die Temperaturen unter Tage liegen in 4 000 Metern bei 59 Grad Celsius, Wasser hat Badetemperaturen. Die Unternehmen gehen davon aus, dass die Kumpel trotz Hochgeschwindigkeits-Aufzügen und Untertage-Bahnen pro Schicht drei Stunden zum Arbeitsplatz unterwegs sind. Noch offen ist die Frage, wie sie im Ernstfall schnell gerettet werden können. Zudem sind Teile der Bergwerke mehrere Jahrzehnte alt – mit Rohren und Leitungen, die nicht immer in bestmöglichem Zustand sind. Im Elandsrand-Bergwerk soll das Platzen eines 30 Jahre alten Wasserrohrs das Unglück ausgelöst haben.

Die Konzerne wagen sich zunehmend auf Neuland vor. Technisch anspruchsvolle Kühl-und Klimaanlagen sind ebenso nötig wie ein schneller Transport der Arbeiter. Die rackern bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit – oftmals parallel zu illegalen Banden, die in den stockdunklen Seitenarmen kommerzieller Bergwerke auf eigene Faust tätig sind. Seismische Aktivitäten sorgen zudem immer wieder für Unfälle. Der Goldbergbau, der vor rund 120 Jahren zur Gründung der Stadt Johannesburg führte, konzentriert sich im Wesentlichen auf den Grabenbruch am Witwatersrand, der auch die Namensgeber des nationalen Zahlungsmittels – des Rand – inspirierte.

Mehr als 200 gelbgoldene Abraumhalden prägen noch heute das Stadtbild der Metropole. Der hohe Goldpreis bringt es jedoch mit sich, dass ihre Zahl zunehmend schwindet: Der noch immer hohe Goldanteil machte eine erneute Durchforstung der Halden attraktiv. Allein das Unternehmen Crown Gold Recoveries gewinnt auf diese Weise pro Monat rund 300 Kilogramm Gold.

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