Goldhändler vor Ausverkauf
Alles auf Gold

In ihrer Angst stürzen sich die Anleger auf Münzen und Barren: Privatleute und sogar Banken bestürmen die Händler, doch oftmals nehmen die schon gar keine Bestellungen mehr an - die Ware wird knapp und der Preis steigt in Richtung Rekordmarke.

nel HB. Seine Leute tun alles, wenn es sein muss auch im Zweischichtbetrieb, um den Ausnahmezustand irgendwie zu bewältigen. Die Finanzkrise beschert ihm eine wahnwitzige Nachfrage. Erfreulich, eigentlich.

Robert Hartmann hat jetzt die Reißleine gezogen, er hat sein Geschäft erst mal dichtgemacht. Die Webserver sind zusammengebrochen, zu viele Menschen haben versucht, vielleicht doch noch von ihm beliefert zu werden. Doch seine Lager sind leer, und es kommt fast nichts mehr rein.

Robert Hartmann, 43 Jahre alt, Geschäftsführer von Pro Aurum ist Goldhändler, Chef eines der größten deutschen Handelshäuser für Edelmetalle, also Seismograph der deutschen Seele, Gradmesser für die Angst vor den Folgen der Finanzkrise.

Die Erschütterungen sind gewaltig. Die Deutschen setzen jetzt alles auf Gold. Münzen, Barren, 150 Gramm, 250 Gramm oder gleich ein ganzes Kilo. Sofern sie noch was kriegen. Hartmann kann vorerst nichts mehr für sie tun. Und er ist nicht der einzige. Privatleute und sogar Banken bestürmen die Händler, doch die nehmen schon keine Bestellungen mehr an.

"Wir werden totgeschlagen mit Aufträgen", sagt Gunter Siegel vom Goldhändler Westgold. "Gold ist ausverkauft", sagt ein Berater der Deutschen Bank. "Wir sind nicht in der Lage, derzeit welches zu liefern." Frühestens im November wieder, auf Vorbestellung.

"Es wäre genügend Gold da", sagt Hartmann, "es liegt nur zur falschen Zeit am falschen Ort." Als Granulat in den Scheideanstalten etwa. Die Hersteller von Barren und Münzen haben ihre Kapazitäten stets verkleinert, weil Aktien Renditen versprachen, Gold nicht. Sie könnten nun gute Geschäfte machen, wenn sie könnten. Bis zu vier Wochen Lieferzeit, sagt Stephan Henkel von Umicore, einem der großen Hersteller. Die Konkurrenz kann keine Hoffnung machen, dass es schneller gehen könnte.

Also steigt der Preis. An den Börsen seit Ende vergangener Woche um fast 100 auf gestern über 915 Dollar für die Feinunze, das sind 31,1 Gramm. Die Rekordmarke von 1 000 Dollar ist nicht mehr weit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%