Goldman kappt Ölpreis-Prognose

Die Welt ist „überversorgt“ mit Öl

Goldman Sachs überarbeitet seine Ölpreis-Prognose. Die Analysten erwarten, dass der Preis deutlich fallen wird. Noch vor kurzem hatte sich das ganz anders angehört. Am Montag verbilligte sich Öl erneut.
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Ölförderung in Kalifornien: Die USA könnten zum größten Produzenten der Welt aufsteigen. Quelle: AFP

Ölförderung in Kalifornien: Die USA könnten zum größten Produzenten der Welt aufsteigen.

(Foto: AFP)

DüsseldorfDer Ölpreis fällt seit Wochen. Das hat jetzt auch Goldman Sachs festgestellt – und seine Prognosen angepasst. Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI werde im kommenden Jahr auf 75 Dollar fallen, erklärten die Experten um Jeffrey Currie von Goldman. In ihrer vorherigen Schätzung waren sie noch von 90 Dollar ausgegangen. Die Prognose für die Sorte Brent senkten sie auf 85 Dollar, nach zuvor 100 Dollar je Barrel.

Am Montag gaben die Preise weiter nach. Kurz nach Marktöffnung in New York fiel WTI unter 80 Dollar – das war der tiefste Stand seit Juni 2012. Händler verwiesen auf die pessimistische Prognose von Goldman, diese hätte weitere Verkäufe ausgelöst.

Dabei haben die Analysten ihre Erwartungen im Grunde nur an die Realität angepasst: „Die Opec wird die Produktion in den kommenden Monaten nicht deutlich senken“, heißt es in der Studie von Goldman Sachs. Das Ölkartell verliere an Einfluss und müsse um Markanteile kämpfen. Deshalb seien die Opec-Staaten bereit, die Produktion hoch zu halten und einen niedrigeren Preis zu akzeptieren.

Konkurrenz für die Opec kommt in erster Linie aus den USA. Die Amerikaner haben ihre Produktion in den vergangenen Jahren merklich hochgefahren, sie erreicht inzwischen den höchsten Stand seit 30 Jahren. Im kommenden Jahr könnten die Vereinigten Staaten rund 12 Millionen Barrel pro Tag produzieren – und damit zum größten Ölförderer der Welt aufsteigen.

Einige asiatische Staaten wie Indien oder Südkorea wollen künftig mehr Öl aus den USA beziehen, sollten Exportbeschränkungen gelockert werden, die seit der Ölkrise in den 1970er Jahren bestehen. Auch die Europäische Union würde gerne Öl aus den USA einführen, um die Abhängigkeit von russischen Importen zu verringern.

Der Ölmarkt sei „überversorgt“, so das Fazit der Goldman-Analysten. Diese Erkenntnis ist nicht bahnbrechend und sie kommt etwas spät. Noch Mitte Oktober hatte Currie von Goldman Sachs gesagt, es gebe kein Überangebot, dass den Ausverkauf rechtertigen könne. Man sei „auf kurze Sicht positiv für die Preise gestimmt“, nachdem diese zu rasch nachgegeben hätten. In den vergangenen drei Monaten ist der Ölpreis um 20 Prozent gefallen.

  • hac
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12 Kommentare zu "Goldman kappt Ölpreis-Prognose: Die Welt ist „überversorgt“ mit Öl"

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  • Freilich ist das so. In den DWN war ja zu lesen, dass Saudi-Arabien auf Veranlassung der Amerikaner die Fördermengen erhöht hat. Gestern stand in der FAZ, dass im Balticum der Gastanker Independece festgemacht hat, der zur Speicherung und Verteiling u. a. von US-Fracking-Gas dienen soll. Wenn die US-Amerikaner Russland in die Enge treiben wollen, ziehen sie halt alle Register. Nur keine halben Sachen!

  • @ Herr Enrico "FatFinger" Caruso

    Natürlich hat Herr Kreischer recht:"Öl ist endlich ... die Preise werden langfristig gigantisch anziehen." Der Förderzenit ist in allen Fördergebieten überschritten.

    Aber sie sind wohl auch einer, der an unendliches Wachstum glaubt - das würde ihre Haltung entschuldigen.

  • Kann es sein, dass der Oelpreis zur Zeit künstlich niedrig gehalten wird, um Rußland zu erpressen? Mal darüber nachdenken! Ebenso soll natürlich das kurzfristig aber auch kurzzeitig Gas gewinnende Fracking durchgepeitscht werden.
    Wenn in 5-10Jahren kein Fracking- Gas mehr zu gewinnen ist, ist es zu spät, um diese Methode in Europa durchzudrücken! Dann bleiben in den betreffenden Gebieten nämlich nur die Umweltprobleme wie vergiftetes Grundwasser zurück.

  • Marc H hat ja irgendwie recht: Wer den Energiebedarf der nächsten 20 Jahre um sein Häuschen wickelt, spart netto gar nichts. Als nächstes wird dann ein vom Energieversorger subventioniertes (SIC!) Lüftungssxstem nachgerüstet. (Und natürlich immer schön 'auf Kippe' gelüftet... Wohl wahr: Dummheit ist unendlich.

    Den Optimismus Vittorios kann ich auch nicht teilen. Nicht nur Sachen wie die Asse, deren Verantwortliche seither ja auch noch Karriere gemacht hat (die mit dem Merkeldrachen [ein Rhombus hat vier gleich lange Seiten, einfach mal Daumen und Zeigefinger nebeneinander legen... jaja, die Blödheit...], oder die CO-Pipiline i, Rheinland zeigen einem: wenn es ums Geld geht, sind die Verantwortlichen nicht zimperlich.

    Einfaches weiteres Beispiel: irgendwo im Oldenburger Land mal das Fenster absenken und die gute Landluft genießen (WÜRG!)…

    Das sind dieselben Verantwortlichen, die uns jeden Schritt ablauschen, aber über Naziterroristen "keine Erkenntnisse" haben.


    Der Ölpreisverfall ist für mich ein Spiel mit der Macht des stärksten und mit am günstigsten produzierenden Anbieters: Mann (Saudis [CUM GRANO SALIS] kennen Frauen nur als Prinzengebährmaschinen) möchte sich einiges der lästigen Konkurrenz, so von Putin über Fracker (das sind eh nur Ponzis... aber egal, kurzfristig kommt da tatsächlich was auf den Markt{!}) bis zu den Konkurrenzkalifen aus Raqqa vom Halse lösen. Geld haben die herrschenden Scheichs doch eh zu viel.

    Es ist alles so übel. Die Lösung? Kurzfristig keine!
    Langfristig hilft eine explodierende Kaldera oder ein Meteoriteneinschlag zu einem Ende mit Schrecken. SOnst wird es ein Schrecken, dessen Ende wir und unsere Enkel nicht mehr erleben werden.

    Das Leben ist zu kurz um schlechten Wein zu trinken, die Versuchung ist aber trotzdem groß…

  • @ Vittorio Queri
    Herr Hofman hat vermutlich den Dialektausdruck "fräcken" (oder auch frecken) gemeint: hat die Bedeutung "verrecken". Und damit trifft er doch den Nagel auf den Kopf (was die europäische Wirtschaft betrifft). ;-)
    Ansonsten weiß "Gott" natürlich ganz genau, dass der Ölpreis nicht fällt, weil wir eine "Überversorgung" haben (und schon gar nicht sind die Amis mit ihrem Fracking daran schuld) - die Nachfrage bricht weg, weil wir eine Deflation haben (die systemisch ist und systemisch bereinigt werden muss, und die nicht monetär bereinigt werden kann durch die Geldschwemme der ZB´s, was sie letztendlich noch schlimmer macht).
    Und bei einer echten Deflation = Geldmengenkontraktion geht sogar den "Göttern" irgendwann der Allerwerteste auf Grundeis, denn als "Systembank", die "too big to fail" ist, leistet sie sich auch einen Mega-Hebel (Leverage). Und bei Deflation kommt es u.a. auch zum De-Leveraging - der Hebel schlägt zurück und kann sogar "Gott" aushebeln.
    http://www.blicklog.com/2008/11/17/deleveraging-der-hebel-zur-finanzkrise/
    "Gott" wird das natürlich verhindern wollen und lässt (als wahrscheinlicher Stockholder der Fed) hinter den Kulissen bestimmt schon bei Yellen und co. nach einem QE4 (bis hin zu QE ad infinitum) anfragen... ;-)

  • @ Marc Hofmann - Ist doch auch egal. Bei 80% Steuern auf Oel und Gas kommen billigere Rohoelpreise und Gaspreise sowieso nicht beim privaten Verbraucher an.

    @Vittorio Queri - einfach mal in die Braunkohletagebaue der Lausitz oder Urantagebaue bei Altenburg fahren und sich noch einmal das Geschriebene ueberlegen.

  • @ Herr Marc Hofmann

    >> Und wir stehen beim Fräcken erst am Anfang!
    >>

    Bei uns wird es kein Fracking geben. Gott sei Dank !

    Wir verwandeln unsere Lebensumgebung NICHT in eine vergiftete Industriekloake.

    Merken Sie sich das mal !

  • "Öl ist endlich ... die Preise werden langfristig gigantisch anziehen."

    Verstand ist auch endlich - man sieht es immer wieder an solchen Kommentaren!

  • @ Theo Gantenbein
    Du solltest mal lüften u. die Pullen wegstellen.

  • Öl ist endlich ... die Preise werden langfristig gigantisch anziehen.

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