Goldpreis
Rekordjagd (vorerst) beendet

Der Goldpreis schlägt eine ungewohnte Richtung ein: Schweizerischer Franken und gute Börsenstimmung drücken den Preis für das Edelmetall um fast 100 Dollar. Doch die nächste Rally kommt bestimmt.
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DüsseldorfEs kann nicht immer nur nach oben gehen - nicht einmal für den Goldpreis. Die Rekordjagd ist vorerst gestoppt. Allein am Mittwoch sank der Preis bis zum Mittag um rund 1,5 Prozent und lag zeitweise nur noch bei 1.827 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm). Vom Allzeithoch von 1.921 Dollar je Unze, das der Goldpreis am Vortag erreicht hatte, ist das deutlich entfernt. Seitdem ging es um knapp 100 Dollar oder knapp fünf Prozent abwärts. Betrachtet man das laufende Jahr, so ist die Performance mit einem Plus von 33 Prozent aber trotz der jüngsten Verluste beachtlich.

Händler sehen als Grund für den jüngsten Preisabfall die Rückkehr von Anlegern an die Aktienmärkte. Eine typische Entwicklung: In den vergangenen Wochen verloren die Börsen und der Goldpreis jagte von Rekord zu Rekord. Ist der Börsencrash vorbei, so verliert die Krisenwährung wieder an Wert. Als weitere Ursache für den Kursrutsch nennen Händler technische Gründe: Ein Investor habe sich von einer größeren Position getrennt und damit weitere Verkaufsorders ausgelöst.

Bereits am Dienstag war der Goldmarkt ins Trudeln geraten. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte mitgeteilt, den Franken künftig an den Euro zu koppeln. Den Mindestkurs des Euro von 1,20 Franken möchte die SNB mittels unbeschränkten Devisenkäufen halten. Auf diese Nachricht hin verloren Franken und Goldpreis deutlich an Wert. „Mit der Entscheidung der SNB entfällt ein bislang sicher geglaubter Hafen, so dass der starke Preisrückgang bei Gold für uns nicht vollständig nachvollziehbar ist“, heißt es bei der Commerzbank.

Die SNB-Maßnahme habe die Gold-Verkäufe ausgelöst, sagte Manager Ole Hansen von der Saxo Bank. „Das Problem ist aber: Wenn der Schweizer Franken gekoppelt ist, welche anderen sicheren Häfen haben wir dann noch?“ Tom Kendall, Analyst bei Credit Suisse, rechnet mit Goldzukäufen von Investoren, die bisher im Schweizer Franken angelegt haben. „Wir haben gesehen, dass das Image einer praktisch risikofreien Anlage bei US-Anleihen bereits ramponiert ist. Jetzt sehen wir, dass der Franken das Ziel von deutlichen und andauernden Interventionen durch die SNB sein wird. Das wird die Reputation von Gold als sicheren Hafen stärken.“

Von Dauer sein wird der Kursrutsch daher wohl nicht. Analysten sehen den Preis des Edelmetalls bald wieder auf Rekordjagd. Schließlich werde der Franken künstlich geschwächt und könne seinen Ruf als sicherer Hafen verlieren.



Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wer hinter jeden leichten Kursrutsch ( nach dem Anstieg) eine Manipulation oder Intrige sieht sollte zum Psychologen. Er ist mindestens im Goldrausch wenn nicht im Wahn.

  • ist es nicht zum Verfasser des Artikels durchgedrungen, daß just, als die Marke von 2000 $ erreicht wurde, die Einchußpflicht deutlich erhöht worden ist? Daraufhin hat es einen größeren Abverkauf gegeben.

  • Solange noch genug Metall zum Manipulieren da ist sehe ich es nicht als Manipulation, wenn ein großer Marktteilnehmer (und sei es die FED)entsprechende Verkäufe tätigt. Diese Verkäufe beweisen vor allem, dass Gold auf dem gegenwärtigen Preisniveau ausreichend zur Verfügung steht. Man sollte nicht immer gleich Zeter und Mordio schreien, nur weil Helikopter-Ben zwischen all den Papierschnipseln auch mal ein paar echte Münzen fallen lässt.
    Wirklich interessant wäre es aus meiner Sicht zu wissen, ob denn die vielen Tonnen von Goldbarren, welche in NY und London lagern, auch tatsächlich identisch sind mit der Menge, die als physisches Gold zwar gehandelt, aber physisch gar nicht bewegt wird. So etwas kann sich erst zeigen, wenn in nennenswertem Umfange physisches Gold aus den Tresoren abgerufen wird. Zum Beispiel, weil plötzlich wirklich Kleinanleger einsteigen, was sie nach meiner rein persönlichen Beobachtung noch längst nicht so tun wie sie früher im Kauf von Dotcom-oder Telekomaktien engagiert waren, oder weil neben Venezuela noch andere Länder ihre Barren heimholen wollen.

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