Goldpreis rutscht ab
Goldige Zeiten? Von wegen!

Irak, Syrien, Ukraine: Die Konflikte der Welt dominieren das Tagesgeschehen. Doch Gold kann nicht profitieren. In Dollar gemessen ist die Feinunze so billig wie seit Monaten nicht. Hat die „Krisenwährung“ ausgedient?
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DüsseldorfDie Angst regiert den Goldpreis – seit jeher hält sich dieser Glaube bei Anlegern recht hartnäckig. Je mehr Konflikte, je mehr Krisen sich in der Welt ausbreiten, desto mehr sollte das Edelmetall als sicherer Hafen erscheinen, könnte man denken. Schließlich gilt Gold als die einzige „Krisenwährung“, die auch dann noch funktioniert, wenn etwa Papiergeld versagt, die Wirtschaft zusammenbricht oder die Kriege der Welt – ob Terror oder Wirtschaftskrieg – immer näher an Europa heranrücken. Je größer die Angst, umso mehr Gold wird nachgefragt, lautet die Theorie. Je mehr Krisen, umso teurer müsste das Edelmetall eigentlich werden. Eigentlich.

In Wirklichkeit passiert gerade das Gegenteil. Die Angst vor schwelenden Konflikten beherrscht die politische Debatte seit Wochen, hierzulande wie auch in den USA, doch der Goldpreis steigt nicht. In Euro gemessen tendiert der Preis für eine Feinunze Gold seitwärts. In US-Dollar hat er zuletzt weiter nachgegeben. Fast vier Prozent hat das Edelmetall auf Monatssicht verloren. Am vergangenen Freitag rutschte der Kurs unter die „optisch“ wichtige Marke von 1.200 Dollar, am Montag erneut. Obwohl der Goldpreis dann auf aktuell 1216 Dollar stieg: Gold ist so billig wie seit Dezember 2013 nicht mehr.  

Auch Experten haben den intuitiven Widerspruch bei der Entwicklung des Goldpreises erkannt. „Der jüngste Wertverfall in US-Dollar kommt schon etwas überraschend, gerade weil die geopolitischen Risiken dem Goldpreis eigentlich als Unterstützung dienen sollten“, sagt etwa Niall Delventhal vom Online-Devisenhändler Daily FX. „Trotz des Kampfes der Terrorallianz gegen die IS und der weiterhin sorgenvollen Lage in der Ostukraine finden sich keine Käufer für das Edelmetall.“ Ein Hexenwerk ist der aktuelle Preisrutsch für ihn dennoch nicht.

Denn Rohstoffexperten sind sich einig, dass in den vergangenen Jahren andere Faktoren den Goldpreis entscheidend beeinflusst haben. „Das vorherrschende Thema in diesem Markt ist und bleibt die Zinsentwicklung in den USA und die damit einhergehende ungebrochene Stärke des amerikanischen Dollar“, sagt Delventhal. Auch Eugen Weinberg, Leiter der Abteilung Rohstoffanalyse, sieht die Realzinsen in den USA, den Dollarkurs und die Nachfrage nach Aktien als die Treiber des Goldpreises.

In der Tat erwarten Marktteilnehmer seit geraumer Zeit, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen erhöht. Die Wirtschaft hatte sich zuletzt gut entwickelt, die Produktion war gestiegen, die Arbeitslosenzahlen gesunken. Damit aber werden Investments in US-Dollar wieder attraktiver. „Das Unbehagen über die Zinspolitik nimmt ab, die Risikobereitschaft der Anleger steigt, ihr Bedürfnis nach Absicherung sinkt“, weiß Weinberg von der Commerzbank. „Je mehr sich das Zinsniveau normalisiert, desto weniger scheint Gold für Investoren attraktiv, weil es keine Zinsen abwirft“, sagt auch Proettel.

Kommentare zu " Goldpreis rutscht ab: Goldige Zeiten? Von wegen!"

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  • @ Hans Maiser

    Klage gegen Deutsche Bank und vier weitere Institute

    In New York wurde Klage gegen die Deutsche Bank und vier weitere Institute eingereicht.
    Sie sollen beim täglichen Goldpreis-Fixing in London gekungelt haben.

    http://www.manager-magazin.de/finanzen/alternativegeldanlage/goldpreis-manipulation-klage-gegen-deutsche-bank-barclays-und-andere-a-957329.html

    http://www.goldseiten.de/artikel/168147--Die-neue-Goldpreismanipulation.html

    http://www.mmnews.de/index.php/gold/20156-enddrueckung-beim-goldpreis#14128601528012&if_height=8181

  • @ Ulf Volkerts

    Die Goldbugs betrachten Gold wie Bargeld. Dieses wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Es ist aber manchmal nützlich das ultimative von jeder Notenbank dieser Welt akzeptierte Bargeld zu haben. Egal ob ISIS oder Wall Street. Es gibt eine Sorte Bargeld das von allen akzeptiert wird und in den letzten 3000 Jahren immer akzeptiert wurde.

    Sobald Sie verstanden haben dass Gold eine andere Funktion als Anleihen oder Aktien haben tun Sie sich leichter. Die meisten Halter wollen damit keine Spekulationsgewinne erwirtschaften sondern liquide bleiben.

  • @ Hans Maiser

    Ganz einfach. Stellen Sie sich vor die UBS und Goldman-Sachs würden 2013 die Behauptung aufstellen dass der Goldpreis 2014 bei $1050 liegen wird. Werden dann Käufer im Januar 2014 zu $1300 kaufen? Vermutlich nicht. Und wie wirkt sich das auf den Preis aus? Natürlich senkend. Dass die UBS-Prognose im Sommer nicht eintrat und somit falsch war schreiben die MSM natürlich nicht. In diesem Artikel steht dass Goldman-Sachs für 2015 $1050 voraussagt. Da steht nicht dass G-S bereits für 2014 $1050 voraussagte und bisher falsch liegt.

    Falsche Voraussagen die unrefektiert in den MSM wiederholt werden sind ein Element der Preisdrückung.

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