Devisen + Rohstoffe
Greenspan sieht in hohem US-Leistungsbilanzdefizit Gefahr für Dollar

Das riesige US-Leistungsbilanzdefizit könnte nach Einschätzung des US-Notenbankchefs Alan Greenspan zu einem geringeren Interesse an Dollar-Anlagen führen.

dpa-afx FRANKFURT. Das riesige US-Leistungsbilanzdefizit könnte nach Einschätzung des US-Notenbankchefs Alan Greenspan zu einem geringeren Interesse an Dollar-Anlagen führen. Derzeit gebe es aber kaum Anzeichen dafür, dass es Probleme bei der Finanzierung des Defizits gebe, sagte Greenspan am Freitag bei einem Europäischen Bankenkongress in Frankfurt.

Es bestehe weltweit immer noch die Bereitschaft, US-Wertpapiere zu kaufen. Es wäre jedoch falsch anzunehmen, dass dies so bleiben müsste. Ein hohes Leistungsbilanzdefizit müsse nicht zwangläufig in eine Krise führen. Den Vereinigten Staaten sollte es gelingen, eine zukunftsfähigere Leistungsbilanz zu erreichen, ohne dabei in die Krise zu geraten.

Neben dem hohen US-Haushaltsdefizit ist das Minus in der Leistungsbilanz, in der alle Transaktionen einer Volkswirtschaft mit dem Ausland erfasst werden, Hauptgrund für die anhaltende Dollarschwäche. Die Skepsis gegenüber der US-Währung hatte den Euro in der vergangenen Woche erstmals über die Marke von 1,30 Dollar getrieben. Am Freitag stieg er nach der Rede Greenspans in die Nähe des am Donnerstag erreichten Rekordhochs von 1,3 074 Dollar, fiel aber bis 16 Uhr wieder etwas zurück und kostete 1,3 055 Dollar. Im Vergleich zum japanischen Yen rutschte der Dollar auf ein neues Jahrestief.

Trichet Bekräftigt Aussagen ZU Wechselkursen

Den jüngsten Euro-Anstieg und die Dollar-Schwäche wollte Greenspan ebenso wie sein Kollege von der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, nicht direkt kommentieren. Trichet sagte lediglich, dass er seinen jüngsten Aussagen nichts hinzuzufügen hat und diese nach wie vor gültig seien. Er hatte Anfang vergangener Woche die Wechselkursveränderungen als "brutal" bezeichnet. Greenspan sagte, dass Interventionen am Devisenmarkt nur mäßig sichtbare Folgen haben. Nach seiner Einschätzung müsste auch nicht die Zusammenarbeit der europäischen und japanischen Notenbank mit seinem Haus verstärkt werden. Dies geschehe bereits im ausreichendem Maße.

Der US-Notenbankchef sprach sich für einen Abbau des US-Haushaltsdefizits aus. Dies bringe mehr Stabilität in den internationalen Handel. Die Vereinigten Staaten hätten in der Vergangenheit eine enorme Widerstandsfähigkeit bewiesen. Greenspan forderte Europa und die USA zu weiteren Anstrengungen auf, um ihre Volkswirtschaften effektiver gegenüber mögliche Schocks zu machen. Dazu müssten vor allem die Strukturreformen an den Produkt- und Arbeitsmärkten vorangetrieben werden. Außerdem müssten die Unterschiede an den einzelnen Finanzmärkten weiter verringert werden.

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