Griechenland-Verhandlungen
Euro verdaut den ersten Schock

In der Nacht wurden die Verhandlungen über die Griechenland-Rettung vertagt. Die Märkte reagierten prompt und die Gemeinschaftswährung verlor an Wert. Inzwischen hat sich der Euro aber wieder erholt.
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Frankfurt Nach dem ersten Schock über die geplatzten Verhandlungen zur umfassenden Schuldenlösung für Griechenland hat sich der Euro am Mittwoch wieder erholt. Die Gemeinschaftswährung hatte im frühen Handel mehr als einen halben Cent eingebüßt, dann aber die Verluste im Tagesverlauf nahezu komplett wieder aufgeholt. Gegen Mittag eroberte der Euro die Marke von 1,28 US-Dollar zurück und stand zuletzt nur noch leicht im Minus bei 1,2808 Dollar.

Der Markt habe den ersten Schock rasch verdaut, sagten Händler. Insgesamt überwiege das Vertrauen in die Politik, das pleitebedrohte Griechenland nicht fallen zu lassen. Die Hoffnung auf rasche Auszahlungen der Hilfsgelder sei weiter hoch.

Dennoch blieb Unsicherheit auch gerade an den Aktienmärkten. Anleger reagierten auf die weitere Verzögerung sichtlich verstimmt, erklärten Marktexperten. Laut Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble waren die in Brüssel diskutierten Fragen so kompliziert, dass es keine abschließende Lösung gegeben habe.

Auch am Markt fehle am Mittwoch die klare Richtung, erklärten Händler. Nach dem Kursplus von mehr als drei Prozent seit der Vorwoche büßte der Dax im Mittagshandel 0,10 Prozent auf 7166 Punkte ein. Der Leitindex der führenden europäischen Titel EuroStoxx 50 lag mit 0,08 Prozent knapp im Plus bei 2511,59 Punkten.

Trotz hoher Aufmerksamkeit, einer Menge Vorbereitung und stundenlanger Verhandlungen ist es nicht gelungen, zu einer Lösung für den am schwersten angeschlagenen Krisenstaat Griechenland zu kommen, sagte Händlerin Anita Paluch von Gekko Markets. Die Folge sei weitere Unsicherheit - zumindest bis kommenden Montag. Dann wollen die internationalen Geldgeber weiter debattieren.

Der Schweizer Franken notierte kaum verändert zum Euro bei 1,2043 je Euro. Zum Dollar verlor die eidgenössische Währung 0,2 Prozent auf 94,23 Rappen je Dollar.


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  • Was im Euroland faul ist oder das Gesetzt des Stärkeren. Jeder gegen jeden anstelle von Einer für alle und alle für Einen. Die Regeln innerhalb der Währungsunion müssen so geändert werden dass das Allgemeinwohl vor dem Eigenwohl kommt. Dass Deutschland stolz auf seinen Exportüberschuss ist, zeigt dass die Währungsunion noch keine Union sondern nur eine Freihandelszone ist.

  • Nun ja, das Problem ist, dass es heute keine grosse stabile Währung mehr gibt die als Masstab dienen könnte.

    Es ist wie wenn man amerikanisches Klopapier mir europäischen Klopapier und japanischen Klopapier vergleicht.

    Deshalb stürzt auch keine der Währungen gegeneinander ab.
    Klopapier ist halt Klopapier.

  • Realer Wert einer Währung? - Das ist ein ganz falscher Denkansatz, denn so einen Wert gibt es nicht. Wer so einen Wert sucht, fängt schnell an, mit dem Goldstandard zu argumentieren, aber kann man Gold essen? Da gefällt mir schon besser, wenn Sie den Wert des Geldes in Beziehung zum Brot setzen als einem Grundnahrungsmittel, also einem Lebensmittel. Andererseits wiederum ist ja bekannt, dass das meiste Geld in den Händen derer ist, in deren finanziellen Überlegungen Lebensnotwendigkeiten nicht die geringste Rolle spielen, und die wüssten gar nichts damit anzufangen, wenn der Wert des Geldes sich real am Vorhandensein von Lebensnotwendigkeiten, also Brot, Butter und dem Dach überm Kopf orientieren sollte. Der reale Wert des Geldes in der Vorstellung eines HartzIV-Empfängers wird sich nie mit der Vorstellung eines Durchschnittsmillionärs unter einen Hut bringen lassen. Also lass uns doch gelassen mit der Schulter zucken, wenn der Euro mal wieder ein bißchen fällt oder steigt im Vergleich zu anderen Währungen, deren Wertstellung ebenfalls jeglicher realen Basis entbehrt. Wen interessiert es außer die Spekulanten?

    Auf jeden Fall halte ich es aber für irreführend, den inneren Wert einer Währung, die Kaufkraft, mit dem äußeren Wert, dem Umtauschkurs, zu verwirbeln. Für den Brotpreis spielt es keine übermäßig große Rolle, wieviel der Dollar kostet.

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