Größter Teil des Preisanstiegs ist fundamental begründet – Investoren am Terminmarkt verstärken lediglich den Trend
Politiker überschätzen Öl-Spekulation

Die hohen Rohölpreise und das teure Benzin sorgen für heftige politische Debatten. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) forderte, der Preis müsse wieder auf ein verantwortliches und der Realität entsprechendes Maß sinken. „Experten schätzen, dass ein ganz erheblicher Teil des Ölpreises auf reiner Spekulation beruht“, sagte Schröder beim Nachhaltigkeitsrat in Berlin.

Hb DÜSSELDORF. Doch so eindeutig ist die Sache nicht. Zwar verstärken Spekulanten Preistrends – sei es nach unten oder nach oben. Der größte Teil des Preisanstiegs geht aber nach Ansicht von Experten nicht auf Spekulanten zurück, sondern ist fundamental begründet. Zudem spielen große Ölverbraucher eine wichtige Rolle, die sich am Terminmarkt mit Future-Kontrakten gegen Verteuerungen absichern.

Trotzdem hält sich hartnäckig die These, die Finanzinvestoren seien die treibende Kraft hinter der Preishausse. So veranschlagte das Bundeswirtschaftsministerium den Spekulationsanteil im Ölpreis Ende August auf 18 Dollar. In Kreisen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hieß es kürzlich, nur Preise von 40 Dollar je Barrel (159 Liter) seien fundamental zu begründen. Bei dieser Schätzung waren allerdings die Ausfälle durch den Hurrikan „Katrina“ noch gar nicht enthalten. Gestern lag der Preis für europäisches Brentöl über 62,70 Dollar je Barrel.

Experten hingegen halten den Preis für durchaus gerechtfertigt: „Momentan stehen Ölpreise und Fundamentaldaten miteinander in Einklang“, sagt Jörg Kukies, Derivate-Experte bei Goldman Sachs. Angesichts des begrenzten Angebots an Rohöl und der knappen Raffineriekapazitäten sei der Preisdruck plausibel.

Seit fast zwei Jahren gibt es Engpässe bei der Förderung und Weiterverarbeitung von Rohöl. Die Opec kann ihre Produktion kaum noch erhöhen. Wegen mangelnder Investitionen gibt es – vor allem in den USA – zu wenig Raffineriekapazitäten. Aus diesem Grund haben auch die Preisausschläge am Ölmarkt an Schärfe gewonnen.

Binnen eines Tages steigt oder fällt der Preis für Brentöl zur sofortigen Lieferung (Spot-Preis) mitunter um bis zu fünf Prozent. Ereignisse wie „Katrina“, die das Angebot beeinflussen, lösen solche Schwankungen aus. Die große Zahl von Finanzinvestoren sorgt dann für eine Überzeichnung der Kursbewegung. „Die Fonds steigern die Stärke der Bewegungen in dem engen Markt“, sagt Deborah White, Analystin der Société Générale.

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