Große Unsicherheit über künftige Ölpreis-Entwicklung
Maßvolle Produktionskürzungen von Opec-Treffen erwartet

Der Preis für Opec-Rohöl ist innerhalb weniger Wochen um fast ein Drittel gesunken. Unmittelbar vor der Konferenz der Ölminister der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) an diesem Dienstag in Wien näherte sich der Korbpreis des 13-er Kartells erstmals seit fünf Monaten wieder der 100-Dollar Marke.

dpa WIEN. Doch trotz lautstarker Warnungen beteiligter Opec-Länder wie Iran, Libyen oder Venezuela rechnen Experten - zumindest am Dienstag - noch nicht mit einer Kürzung der Förderquoten. Sie erwarten lediglich eine maßvolle Senkung der Überproduktion vor allem durch Saudi-Arabien. Mittel- und langfristig aber müsse der Verbraucher weiter mit hohen Ölpreisen rechnen.

"An der Ausgangslage für höhere Energiepreise hat sich nichts geändert", warnt Ehsan ul-Haq, Chefanalyst des Wiener Energieberaters JBC. Schon bei dem am 17. Dezember in Algier geplanten außerordentlichen Treffen der Opec könnten die Ölminister eine Kürzung der offiziellen Quote beschließen, die zurzeit (ohne den Irak) bei 29,67 Mill. Barrel (je 159 Liter) pro Tag liegt. Einschließlich des Irak fördert das aus 13 Ländern bestehende Kartell seit August nach JBC-Berechnungen mit 32,568 Mill. Barrel um bis zu 800 000 Barrel mehr als von den Ölministern ursprünglich vereinbart.

Vor allem In den vergangenen Tagen schien die Entwicklung des Ölpreises vor allem auf dem US-Markt dem üblichen Trend der Spekulation zu widersprechen. Trotz der akuten, massiven Bedrohung durch Hurrikan Gustav und die Schließung von Raffinerien in der Region fielen die Preise. Der Grund: In den USA, immerhin der weltweit größte Verbraucher von Rohölprodukten, ist die Nachfrage in den vergangenen Monaten - insbesondere die nach Benzin - deutlich gesunken. "Die Raffinerien waren froh, dass sie die Produktion stoppen und erst einmal ihre Überschüsse verkaufen konnten", erläutert ul-Haq. Dazu kam die Ankündigung der Nationalen Energiebehörde der USA, im Falle einer akuten Notlage die nationalen Ölreserven zu öffnen.

Nach wie vor besteht auf den internationalen Märkten große Unsicherheit über die künftige Entwicklung. "Erst im Dezember wird abzusehen sein, wie sich die Nachfrage in der nördlichen Hemisphäre entwickelt, und ob in China der Verbrauch nach den Olympischen Spielen tatsächlich rückläufig ist", erwartet Opec-Analyst ul-Haq. Sollten die Preise bis dahin weiter fallen, könnte die Opec auch eine Drosselung der Förderquoten beschließen.

"Zunächst einmal dürften aber Saudi-Arabien und die Emirate aufgefordert werden, ihre Überschussproduktion zurückzufahren." Allein die Saudis pumpen zurzeit mit 9,46 Mill. Barrel pro Tag mindestens 500 000 Barrel mehr, als ihnen nach ihrer offiziellen Förderquote (8,943 Mill. Barrel) zusteht. Dafür sind andere Opec - Länder wie etwa Libyen oder Venezuela nicht einmal in der Lage, die ihnen zugeteilten Förderquoten voll auszuschöpfen.

"Eine Kürzung der Überproduktion wäre einfach sinnvoll, um den Markt ins Gleichgewicht zu bringen", glaubt auch Eugen Weinberg, leitender Rohstoffe-Analyst bei der Commerzbank in Frankfurt. Zwar könnte auch eine solche Reduzierung der realen Fördermenge "zu einem raschen Anstieg (der Preise) beitragen, aber auf dem Markt gibt es zurzeit nicht so viel Sorge um das Angebot wie um die Nachfrage". Vor allem die Saudis hätten die langfristige Entwicklung im Blick, die aber durch einen weltweiten konjunkturellen Einbruch gestört werden könnte. "Zurzeit könnten die Saudis vermutlich auch mit einem Preis von 90 Dollar pro Barrel leben", glaubt JBC-Experte ul-Haq.

Anders dagegen Länder wie der Iran oder Venezuela. "Sie erwarten, dass die anderen (Opec)-Länder ihre Förderung kürzen, weil sie selbst für ihre Sozialausgaben von hohen Preisen abhängig sind", meint Commerzbank-Experte Weinberg.

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