Großer Verlust
Gold ist keine Krisenwährung mehr

Der steigende Dollar hat Gold in den vergangenen Wochen erneut schwer zugesetzt. Im Vergleich zum Vormonat hat das Edelmetall knapp sechs Prozent an Wert verloren. Das ist das größte Minus in einem Mai seit 30 Jahren.
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Frankfurt/MainGold als Krisenwährung - das war gestern. Das gelbe Edelmetall steuert seinen vierten Monatsverlust in Folge und damit die längste Verlustserie seit August 1999 an. Zuletzt wechselte die Feinunze (rund 31 Gramm) für 1568 US-Dollar den Besitzer. Der Barrenpreis liegt im Mai sechs Prozent niedriger als im Vormonat. Das ist der größte Preisrutsch, der im laufenden Jahr auf Monatssicht verbucht wurde. Der Wandel vom Krisenschutz zum Risikowert hatte sich schon länger abgezeichnet.

Im Laufe der Finanz- und Bankenkrise ab 2007 kletterte Gold von einem Rekordhoch zum nächsten. Über Jahre konnte das Edelmetall von der erhöhten Nervosität der Investoren profitieren und wurde konsequent als sicherer Hafen angelaufen. Mit der jüngeren Entwicklung der europäischen Staatsschuldenkrise hat sich das Blatt jedoch gewendet: Gold wird seit Mitte vergangenen Jahres zunehmend als riskante Anlage gehandelt und gerät bei Finanzmarktturbulenzen in den Abwärtssog.

Experten können für diesen Wandel zwar einige Faktoren benennen: „Einen zentralen und richtig überzeugenden Grund gibt es aber nicht“, räumt Carsten Fritsch ein. Der Rohstoffexperte, der bei der Commerzbank täglich den Goldmarkt beobachtet, findet es besonders bemerkenswert, dass Gold zurzeit viel stärker unter Verkaufsdruck steht als andere Rohstoffklassen. Schließlich gelten viele Rohstoffe im Gegensatz zu Gold als riskante Anlage.

Dennoch gibt es wichtige Ursachen, warum Gold in der Anlegergunst sinkt. So hat der Dollar im Zuge der wieder hochgekochten Euro-Schuldenkrise spürbar an Wert gewonnen. Für viele Anleger verteuert eine feste US-Währung die Anschaffung von Gold, weil das Edelmetall traditionell in Dollar gehandelt wird. Das drückt die Nachfrage und belastet mithin den Goldpreis.

„Darüber hinaus haben die Ölpreise zuletzt deutlich nachgegeben“, ergänzt Commerzbank-Experte Fritsch. Dies mindert die Angst vor noch höheren Benzinpreisen und dämpft Inflationsängste. Und da Gold auch ein Schutz gegen eine steigende Geldentwertung ist, verliert das Edelmetall zusehends an Glanz. Sollte sich die Schuldenkrise in Europa zuspitzen, könnte der Goldpreis in Richtung 1500 Dollar fallen, sagte Analyst Hou Xinqiang von Jinrui Futures.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
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  • Lesen Sie einfach mas das hier: http://www.handelsblatt.com/finanzen/ratgeber/geldanlage/erfolgreich-investieren-grundregeln-fuer-die-geldanlage/3891424.html

    Wissen Sie, wenn es so einfach wäre wie Sie schreiben, dann hätten wir heute nicht die Probleme. Die wirklich schlauen Leute haben schon vor zehn Jahren ihr Gold gekauft. Wer jetzt kauft läuft Gefahr, dass er nur noch die Hausse nährt.

    Die Chinesen haben zu viele Dollar. Das ist einfach nicht gut. Es könnte deshalb sehr gut sein, dass der EURO deshalb zu hart notieren wird und der Goldpreis zum EURO deshalb rapide sinkt. Und die Chinesen haben auch sehr viel Gold. Bei einem credit crunch lösen sie es vermutlich aus, weil die Chinesen die Goldpositionen noch nicht lange halten. Die Chinesen dürften das Gold also aus taktischen Gründen halten und nicht aus strategischen.

    Wie man also sehr gut sieht, existiert auf Gold also bereits ein ziemlicher Druck und der wird sich im Markt seinen Weg suchen, so wie bei jeder Kapitalanlage.

    Wenn Sie heute in Gold investieren, dann brauchen Sie eine Exitstrategie und die kann man mit einer allgemeinen Wut auf Banken, Politiker, Journalisten und Foristen nicht vernünftig aufbauen.

    Die einseitige Kapitalanlage ist wie übermäßig Pepperonie essen: Sie tut zweimal weh. Merke: Wenn du im Kapitalmarkt eine Pepperonie isst, dann esse auch das Brot und trinke den Wein. Wenn du am Kapitalmarkt nur einen Beutel Pepperonie kaufst, dann musst du ihn auch "essen". In diesem Fall gehst du in der Börse besser auf die Toilette, damit wir im Handelsraum die Schreie nicht so laut hören müssen.

  • Da sind wir doch einer Meinung, ich kaufe weiter Gold und Silber, sie kaufen eben die sozialen Geldanlagen von der Bank.
    Ich bin von meinen Eltern zum selbstständigen Denken erzogen worden, dieses freie Denken hat mich zu dem Schluss gebracht, dass in dieser Zeit an jeden gedacht ist, wenn jeder an sich selbst denkt. Wir haben eine Staatsquote über 50% . Die Staatsbediensteten und Politiker hoffen doch nur, dass irgendwie alles doch noch so funktioniert es weitergeht, nochmal 10 Mrd. Schulden aufnehmen usw.
    Wenn man sich den Schuldenberg allerdings ansieht, dann muss ich (denkend) feststellen, dass dies niemals zurückgezahlt werden kann, nicht ohne eine massige Inflation. Da die Zinsen immer wieder mit neuem Schuldgeld finanziert werden müssen und so weiter.
    Da die Staatsquote in Deutschland bereits schon ueber 50% ist, wird bald niemand mehr was produzieren (oder produktiv arbeiten) Irgendwann ist der Punkt gekommen wenn nichts mehr geht. Da wünsche Ich Ihnen mit Ihren Bundesschatzbriefen und Euroscheinen viel Erfolg. Wenn man sich diese Aussichten klar macht, verdeutlicht dann sollte jedem klar sein, dass es ohne precious metals keinen Werterhalt der Kaufkraft geben kann. Und nachdem ich Gold und Silber gekauft habe, kann ich auch über die Solidarität mit anderen Euro-Ländern sprechen.

  • 11.5.2010: HB kauft Griechen-Bonds...31.5.2012: HB verkauft GLD...

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