Günstiges Zinsklima
Australischer Dollar hebt ab

Die Sorge um den Zustand der US-Konjunktur und Aussichten auf weiter steigende Zinsen in Australien treiben derzeit den australischen Dollar von einem Hoch zum nächsten. Der Kassasatz am Geldmarkt ist vergleichsweise hoch, eine erneute Leitzinserhöhung wird erwartet.

SYDNEY. Zuletzt hat der australische Dollar mit einem Stand von 0,8321 US-Dollar am vergangenen Donnerstag den höchsten Stand seit 17 Jahren erreicht und sich weiter seinem Allzeithoch von 0,8927 US-Cents angenähert. Der „Aussie“ war bereits in der vorletzten Woche zum ersten mal seit 1989 über die Grenze von 0,8316 US-Dollar geklettert. Am Wochenende notierte er um 0,8375 US-Dollar.

Für den rasanten Anstieg machen Beobachter neben der Schwäche der US-Wirtschaft und dem daraus resultierenden billigen US-Dollar auch ein besonders attraktives Zinsklima in Australien verantwortlich. Der Kassasatz am Geldmarkt steht bei vergleichsweise hohen 6,25 Prozent. Außerdem – und dies ist momentan der wohl stärkste Treiber – rechnen viele Auguren damit, dass die australische Reserve Bank im Mai die Leitzinsen erneut erhöhen wird. Eine Reihe von Daten, die in den letzten Wochen veröffentlicht worden waren, lassen vermuten, drei Anpassungen im letzten Jahr hätten die Inflationsgefahr nicht genügend reduziert. Australien genießt seit 15 Jahren ein stetes Wirtschaftswachstum, konnte dabei aber die Teuerung im Schach halten. Heute könnten die Erzeugerpreise erneut Inflationsängste auslösen.

Nun sorgt sich eine wachsende Zahl australischer Analysten um die Gewinne von Export orientierten Unternehmen. Die Investmentbank Macquarie etwa hat ihre Experten angewiesen, verschiedene börsennotierte Unternehmen einem Stresstest zu unterziehen, um deren Anfälligkeit zu prüfen, sollte der australische Dollar weiter steigen.

Dank der so genannten „China-Hausse“ tragen besonders Rohstoffunternehmen seit langem wesentlich zur positiven Entwicklung der australischen Gesamtwirtschaft bei. Doch genau sie sind es, die wegen ihrer Abhängigkeit von Exporten besonders unter einer länger anhaltenden Währungs-Hausse leiden dürften, sagen Analysten. Laut Macquarie-Chefökonom Robert Gibbs könnte ein „langzeitig höherer Dollar die Jahresgewinne von Ressourcenfirmen um etwa fünf Prozent beschneiden“ und auf die Kurse drücken. Es sind aber nicht nur Bergbaufirmen, die einen wesentlichen Teil ihres Geschäftes im Export machen. Einer Schätzung zufolge stammen 30 Prozent des Ertrages aller an der australischen Börse kotierten Firmen aus dem Geschäft mit dem Ausland.

Angesicht solcher Prognosen muss nicht erstaunen, dass Anleger in den letzten Wochen zunehmend nervöser wurden. Selbst bei großen Rohstofftiteln wie BHP Billion und Rio Tinto, aber auch bei Industriewerten wie News Corporation, meldeten Händler Verkäufe, die von Währungsängsten ausgelöst worden waren. Dabei besteht gerade bei multinational tätigen Konzernen die kleinste Gefahr, dass sich der starke „Aussie“ negativ auf das Jahresergebnis auswirken könnte: diese Unternehmen wickeln einen Großteil ihrer Geschäfte in US-Dollar ab.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent
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