Gustav Holtkemper
"Der Euro wird nicht untergehen"

Warum es trotzdem sinnvoll ist, sein Vermögen in verschiedenen Währungen anzulegen – und warum die Angst der Deutschen vor Inflation berechtigt ist, verrät Commerzbank-Bereichsvorstand Gustav Holtkemper im Interview.
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DüsseldorfHerr Holtkemper, haben die Deutschen Angst vor Inflation?

Gustav Holtkemper: Die Sorgen der Kunden sind zuletzt deutlich gestiegen, das merken wir, ja. Auf praktisch jeder Veranstaltung werden die entsprechenden Fragen zu diesem Thema gestellt und diskutiert.  Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Altersgruppen. Die älteren Kunden sind sehr viel sensibler, wenn es um das Thema Inflation geht; mancher hat am eigenen Leib erfahren, was es heißt, wenn sein Geld innerhalb kurzer Zeit deutlich an Wert verliert; das prägt natürlich.

Ist die Furcht nicht völlig übertrieben?

Nein, die Sensibilität ist zu Recht hoch. Wir haben steigende Inflationsraten. Die Europäische Zentralbank hat zuletzt mehrfach auf die Gefahren hingewiesen und deshalb die Zinsen angehoben. Wir nehmen dieses Thema sehr ernst.

Ganz konkret, mit welchen Inflationsraten rechnen Sie?

Wir rechnen - Stand heute -  für das Gesamtjahr mit einem Wert knapp unter 3%. Das gilt auch für die nächsten Jahre.

Klingt nicht gerade nach einem größeren Problem für die Depots Ihrer Kunden ...

Unterschätzen Sie das nicht. Der Zielwert, den die EZB anpeilt, liegt bei etwa zwei Prozent. Wenn wir davon ausgehen, die Inflationsraten liegen in den kommenden fünf Jahren nur leicht darüber, sagen wir mal bei 2,5 Prozent, dann führt das,  wenn man den Zinses-Zins-Effekt berücksichtigt, zu einem Kaufkraftverlust von 15 Prozent. Und das ist nicht wenig. Anleger sollten dies bei ihrer Depotzusammensetzung berücksichtigen.

In den letzten Jahren war der Geldwert fast schon unerhört stabil. Führt die jetzige Entwicklung nicht zu einer völlig verzerrten Wahrnehmung?

Natürlich ist die von den Menschen gefühlte Inflation oftmals höher als die reale. Das gilt insbesondere, weil wir zuletzt eine Phase der Disinflation hatten, also die Inflationsraten kaum spürbar zugelegt haben. Jetzt normalisiert sich das Umfeld - und die Leute spüren wieder, dass die Preise steigen. Das gilt vor allem für Lebensmittel und die Energiepreise.  Verzerrt würde ich diese Wahrnehmung allerdings nicht nennen.

Anders gefragt: Ist die Gefahr, dass sich Anleger verrennen bei dem Versuch, ihr Depot inflationssicher zu machen, nicht groß? Es soll Menschen geben, die Gold im Garten vergraben ...

Es gibt Anleger, die das tun, natürlich. Von uns haben sie diesen Ratschlag aber nicht. Es ist wichtig, das Vermögen eines Kunden ganzheitlich zu betrachten; dazu gehört sicherlich auch das Thema Gold. Je nach Risikoneigung eines Kunden kann es ratsam sein, fünf bis zehn Prozent darin zu investieren.

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Kommentare zu " Gustav Holtkemper: "Der Euro wird nicht untergehen""

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  • Oh ja! Reinhard Mey ist der neue Wirtschaftsexperte :)
    Alles wird hier schlecht gemacht, nur weil keiner mehr richtig durchblickt!
    Ich kann die ewige deutsche Schwarzmalerei nicht mehr hören!

  • Der Unterschied der aktuellen Inflation zur Vergangenheit ist doch wohl der, dass sie existiert, ohne das die Reallöhne in Deutschland gestiegen wären.

    Und dies ist das gefährliche Novum des Euros, der nur so lange geldwertstabil war, wie Vermögen in Blasen geparkt wurden.

  • „Der Euro wird nicht untergehen“
    Holtkemper, wieder so ein Finanzavatar, der mit seinen Nebelkerzen die Deutschen einlullen will.
    Sobald das Vertrauen in eine Währung aufgebraucht ist, implodiert sie. Da nützen auch Durchhalteparolen ala „Der Euro wird nicht untergehen“ nichts.
    Das ist wie auf dem Narrenschiff, das Reinhard Mey besungen hat:
    „Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.
    Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.
    Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.
    Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,
    Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck
    Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.
    Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!
    Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.
    Sie zieh‘n wie Lemminge in willenlosen Horden.
    Es ist, als hätten alle den Verstand verlor‘n,
    Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor‘n,
    Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.

    Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
    Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
    Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
    Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
    Klabautermann führt das Narrenschiff
    Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.“
    (Text: Reinhard Mey)
    http://www.youtube.com/watch?v=8Lz_qPvKCsg

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