Handelsblatt-Unfrage
Experten rechnen mit Preisanstieg bei Agrarrohstoffen

Kapitalanlagen in Rohstoffindizes mit strukturierten Produkten und ETFs (Exchange Traded Funds) sowie ETCs (Exchange Traded Commodities) werden in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Dies geht aus einer Umfrage des Handelsblatts bei Banken und Finanzhäusern hervor.

FRANKFURT. Rohstoffe seien eine heterogene Anlageklasse. Unter diesem Aspekt sei die Umsetzung von Anlagestrategien schwieriger als zum Beispiel bei Aktien und Anleihen, heißt es allgemein. Weil die meisten Experten weiterhin mit einem Aufwärtstrend der Preise rechnen, könne es sich kein institutioneller Anleger mehr leisten, diese Anlageklasse nicht in seinem Gesamtportefeuille zu berücksichtigen.

Die Experten der American International Group Inc erwarten, dass Pensionsfonds und andere institutionelle Anleger ihr vor allem in Aktien und Anleihen sowie alternativen Anlageformen investiertes Vermögen diversifizieren und der Kapitalfluss in Rohstoffe in den nächsten drei Jahren um 15 bis 20 Prozent steigen wird. Berechnungen verschiedener Stellen zeigen, dass Ende des ersten Quartals 2007 rund 110 Mrd. Dollar in Rohstoff-Investmentformen angelegt waren. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres lag dieser Betrag bei 85 Mrd. Dollar.

Und in der Tat haben sich private und institutionelle Anleger zuletzt mit kaum einem anderen Thema so intensiv auseinander gesetzt wie mit Rohstoffen. Hintergrund für das Interesse der Finanzwelt an dieser Anlageklasse ist die Erwartung mittel- und langfristig weiter steigender Rohstoffpreise. „Die Weltwirtschaft ist nun einmal sehr stark von Rohstoffen abhängig – und so lange die Nachfrage so stark ist, werden zum Beispiel die Metallpreise in der Nähe ihrer historischen Hochs bleiben“, sagt zum Beispiel David Wyss, Chefökonom von Standard & Poor's.

Urstoffe und Rohstoffe sind die Grundlage der menschlichen Existenz. Ohne Luft, Wasser und Erde, ohne Energie, Metalle und agrarische Rohstoffe – also Lebensmittel – ist ein Leben auf diesem Planet nicht möglich. In den vergangenen Monaten hat sich das Interesse der Anleger von energetischen und metallischen Rohstoffen stärker in Richtung der agrarischen Produkte entwickelt.

Nachdem bekannt wurde, dass sich China in der jüngsten Vergangenheit in agrarische Nutzflächen in Lateinamerika eingekauft hat, wurde an den Finanzmärkten erkannt, dass das Reich der Mitte in den kommenden Jahrzehnten möglicherweise Probleme haben könnte, die wachsende Bevölkerung in ausreichender Menge mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Hinzu kommt, dass die in der modernen Industriegesellschaft einstmals belächelte Landwirtschaft inzwischen wieder als wichtiges Element der Volkswirtschaften wahrgenommen und zum Teil sogar verhätschelt wird. Der Grund: Die Bauern von heute gelten als die Scheichs von morgen. Diese Einschätzung basiert auf dem Wissen darüber, dass Agrarrohstoffe wie Zucker, Mais, Raps und Sojabohnen in immer stärkeren Mengen zur Produktion von erneuerbaren Energien – nämlich Biotreibstoffen wie Ethanol und Biodiesel – eingesetzt werden.

Vor dem Hintergrund der Peak-Oil-Theorie – die weltweite vorhandenen Ölreserven werden nach Schätzungen von Experten in einigen Jahrzehnten zur Neige gehen – wird die Notwendigkeit zur stärkeren Nutzung alternativer Energieträger gesehen.

Schon geht in der Globalökonomie die Furcht um, es könne zwischen der Energie- und der Nahrungsmittelwirtschaft in den kommenden Jahren zu einem Kampf um diese begehrter werdenden Rohstoffe kommen. Vor diesem Hintergrund sehen Fachleute wie Jeffrey Currie von Goldman Sachs in den aktuell sehr niedrigen Getreidebeständen das Risiko weiterer Preissteigerungen. Bei diesem Finanzhaus wird dem Agrarsektor für die kommenden zwölf Monate die beste Preisentwicklung aller Rohstoffklassen zugetraut. Während für Industriemetalle und die Viehwirtschaft mit einer Wertentwicklung von je 5 Prozent gerechnet wird, traut Currie dem Bereich der landwirtschaftlichen Rohstoffe auf Sicht von zwölf Monaten eine Performance von 7,5 Prozent zu.

Von anderer Seite wird in diesem Kontext auch auf die nachhaltig spürbaren Klimaveränderungen hingewiesen. Da nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre weltweit immer stärker mit dem Auftreten von Wirbelstürmen, Dürrekatastrophen und Überschwemmungen gerechnet werden müsse, bestehe die Gefahr, dass es – zumindest auf bestimmte Regionen beschränkt – über gewisse Zeitperioden hinweg zu Engpässen bei bestimmten agrarischen Rohstoffen kommen könne.

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