Handelskrieg
China droht den USA mit Dollar-Verkauf

Die nächste Runde im Streit der Supermächte ist eingeläutet: Die USA planen Sanktionen gegen China, wenn die Volksrepublik ihre Währung nicht aufwertet. Jetzt schlägt Peking zurück und droht mit seiner schwersten Waffe.
  • 16

PekingChinesische Staatsmedien diskutieren seit Donnerstagmorgen in auffälliger Weise den Verkauf eines großen Anteils der Dollarreserven des Landes. „Ist es Zeit für China, die US-Schulden loszuwerden?“, fragte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua auf ihrer Website. „Die Verantwortlichen der der am schnellsten wachsenden unter den großen Volkswirtschaften suchen sicherere Wege, um die Währungsreserven zu investieren.“

Die provokanten Äußerungen kommen nur wenige Stunden, nachdem Peking der US-Regierung einen wirtschaftspolitischen Vergeltungsschlag angekündigt hat. Streitgrund ist ein Gesetzentwurf, in dem die USA den Chinesen Sanktionen androhen, falls sie ihre Währung nicht aufwerten. Die umstrittene Neuregelung hat kürzlich im Gesetzgebungsverfahren den Senat passiert. "Wenn die USA so weiter machen, sind wir gezwungen, weitergehende Maßnahmen zu ergreifen", sagte ein Sprecher des Handelsministeriums.

China ist der größte Gläubiger der USA. Die Zentralbank des Landes hortet amerikanische Staatsanleihen im Wert von 1,1 Billionen Dollar. Die Reserven haben sich angesammelt, weil chinesische Unternehmen den Amerikanern laufend mehr Waren verkauft haben als umgekehrt.

Chinas Devisenkäufe erfüllen eine wichtige Funktion für die USA. Sie finanzieren schon seit Jahren das Defizit des Landes zu vergleichsweise günstigen Zinsen. Außerdem stabilisiert es den Kurs des Dollars, wenn ein Marktteilnehmer laufend große Summen einbehält.

Ein massenhafter Verkauf der Dollar-Anleihen wäre dagegen klar zum Nachteil der Amerikaner. Die Reputation der Staatsanleihen würde leiden, wenn der Hauptschuldner aussteigt. Nach der viel beachteten Herabstufung der Bonität des Landes durch die Ratingagentur Standard & Poor’s wäre das ein neuer Schock. Die Refinanzierungskosten würden für den Finanzminister in Washington weiter steigen – und das in ohnehin klammen Zeiten.

Eine deutliche Abwertung des Dollars wäre vermutlich ebenfalls unvermeidlich, falls Peking auf Verkauf umschaltet. China hat zuletzt im Juni 2009 US-Staatsanleihen abgestoßen. Damals folgte sofort eine Phase schwächerer Bewertungen des Dollar. Aus wirtschaftspolitischer Sicht hat ein niedrigerer Wechselkurs zwar auch Vorteile: Er hilft dem Export. Doch mittelfristig würden sinkende Kurse den Niedergang des Greenback als weltweiter Prestigewährung beschleunigen.

Die Meldung der Nachrichtenagentur Xinhua zitiert mehrere bekannte Experten wie Regierungsberatern und Professoren staatlicher Universitäten, die sich für eine Abkehr vom Dollar aussprechen. Das Szenario einer Umschichtung gewinnt damit an ökonischer Tragfähigkeit und Glaubwürdigkeit.  

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Handelskrieg: China droht den USA mit Dollar-Verkauf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Schwert der Chinesen ist stumpf. Vor 3 Jahren hätte diese Meldung für Panik gesorgt aber heute würde die FED die 1Billionen eben per Knopfdruck monetisieren und der Drops wäre gelutscht. Das diese hinter den Staatsanleihen dieser Tage keinerlei reale Werte mehr stehen dürfte auch der Dümmste mittlerweile begriffen haben.

  • Na da müssen unsere Freunde jenseits des Atlantiks vielleicht doch noch mal ihr HAARP anwerfen. Sollte sich China ernsthaft gegen die Interessen der US-Kabale stellen, kann man die Tage bis zur nächsten "Naturkatastrophe" schonmal zählen. Oder man trägt den Zwist doch direkt aus. Die Vorbereitungen für einen Krieg (gegen China) in Pakistan sind ja schon voll im Gange. Und jetzt wo Afghanistan, Irak und Libyen befreit sind brauchen die ganzen GI's und Marines ja auch eine neue Aufgabe.

  • ist doch super eine Abwertung der Dollars impliziert eine Aufwertung des Renminbi. Damit hätten die Amis ihr Ziel erreicht.
    Aber in welche Währung wollen die Chinesen dan gehen? Den EURO?
    Es wird mangels Alternativen nichts geschehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%