Harte Bewährungsprobe
Starker Euro belastet Aktien

Nach der Subprime-Krise steht mit dem Rekordhoch des Euros für deutsche Aktien die nächste harte Bewährungsprobe an. Insbesondere Titel der Automobilbranche sowie Industrie-, Pharma- und Chemiewerte sind anfällig. Grund ist die starke Abhängigkeit dieser Unternehmen von Exporten in den Dollarraum.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. „Erwartungsgemäß reagieren deutsche Aktien besonders stark auf eine Euro-Aufwertung“, erklären WestLB-Analysten. Die Experten der Bank haben in einem Modell die Konsequenzen einer zehnprozentigen Euro-Aufwertung im Verhältnis zum Dollar für Umsatz, Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) und die Ebit-Margen ausgerechnet. Ihre Annahme: der Euro steigt vom Schnitt der letzten zwölf Monate von 1,24 Dollar dauerhaft auf ein Niveau von 1,40 Dollar. Zum Vergleich: Gestern kostete ein Euro knapp 1,39 Dollar.

Auf dieser Grundlage würden deutsche Chemiewerte ein um 6,3 Prozent schlechteres Ebit einfahren, 8,5 Prozent wären es im Pharmabereich. Noch weitaus drastischer wären die Gewinneinbußen bei Automobil- und Industriewerten. 15 Prozent büßten Autofirmen, gar 24,2 Prozent Industrie-Unternehmen ein.

Allerdings ist der durchschnittliche Euro-Kurs noch nicht so hoch wie in der Modellrechnung. Als weiterer Belastungsfaktor wirkt sich jedoch die extrem hohen Unsicherheit aus, die derzeit auch die Geldmärkte bewegt. Diese ist nach verschiedenen Indikatoren höher als im Krisenjahr 1998.

Hoffnung, dass die Belastungen am Ende nicht so hoch ausfallen könnten, bieten die Gewinnschätzungen für deutsche Konzerne, die noch immer nach oben geschraubt werden. Im laufenden Jahr rechnen die Analysten der großen Banken damit, dass die Dax-Konzerne beim Nettogewinn um durchschnittlich 15 Prozent gegenüber 2006 zulegen. Im Frühjahr waren die Analysten nach Angaben des Finanzdatenspezialisten Factset/JCF noch von acht Prozent ausgegangen. Wie löst sich der Widerspruch zum steigenden Euro auf?

„Der Euro ist ganz klar ein negativer Faktor für die Gewinnerwartungen. Aber viele andere Faktoren gleichen diese Schwäche mehr als aus“, sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Er verweist auf die enorme Nachfrage der Schwellenländer. „Eine VW-Aktie legte seit 2003 um 400 Prozent zu. Daimler-Chrysler verdoppelte sich, obwohl der Euro in dieser Zeit 40 Prozent an Wert gewann“, sagt er.

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