"Hausse startete vor einigen Jahren"
Nach langer Baisse proben Rohstoffe das Comeback

Einige Querdenker unter den Finanzexperten beschwören eine Renaissance der „Commodities“ als Anlageform.

FRANKFURT/M. Aktien und Anleihen sind out - Rohstoffe sind hip und werden das Mega-Investment der nächsten Jahre. Eine provozierende These. Eine kleine Minderheit unabhängiger Querdenker kann sich eine derart extreme Meinung leisten und propagiert hartnäckig das Comeback der „Asset-Klasse“ Rohstoffe.

Zu diesen international renommierten Finanzexperten gehören die Vermögensverwalter Marc Faber und Felix Zulauf sowie der vor allem in den USA bekannte James („Jim“) Rogers. Alle drei sind Kosmopoliten, starteten ihre Karrieren bei großen Finanzhäusern und machten sich dann selbstständig.

Die Worte der Gurus werden vermutlich nicht ungehört verhallen. Darauf weisen die Highlights in ihren Biografien hin: Rogers gründete mit dem legendären George Soros 1973 den ebenso legendären Hedge Fund „Quantum Fund“, verdiente viel Geld und konnte das Arbeiten einstellen. Der gebürtige Zürcher und bekennende Zopfträger Faber genießt dank vieler treffsicherer Prognosen Kultstatus in Anlegerkreisen und verwaltet mit seiner Marc Faber Limited 200 Mill. Dollar. Zulauf machte sich als Chefstratege und Leiter des Portfoliomanagements bei UBS einen Namen. Später rief er im schweizerischen Zug seine Vermögensverwaltung, die Zulauf Asset Management, ins Leben und betreut heute 600 Mill. Euro.

Für Faber sind die Rollen zwischen den drei großen Anlageformen – Aktien, Anleihen und Rohstoffe – völlig neu verteilt worden. „Die Aktienhausse der 80er und 90er Jahre ist schon vorbei. Jetzt verabschiedet sich auch die Anleihehausse. Spiegelbildlich haben die Rohstoffpreise nach über 20 Jahren Talfahrt im vergangenen Jahr die Wende nach oben angetreten“, sagt er gegenüber dem Handelsblatt. Treibende Kraft des Geschehens ist die US-amerikanische Notenbank mit ihrer massiven Zinssenkungspolitik, gepaart mit dem Verschuldungsproblem. „Greenspan schürt Inflationsängste, damit das Misstrauen in Papiergeld und lässt so den Preis der einzigen kaum vermehrbaren Währung steigen: den Preis des Goldes“, sagt er. Genau so argumentiert Zulauf: „Was bei Verschuldung und Geldschöpfung abgelaufen ist und noch abläuft, wird langfristig den Wert des Papiergeldes deutlich schwächen.“ Aber es gibt einen Schutz gegen den Wertverfall: „Investments in Gold und andere Rohstoffe.“ Sowohl Zulauf als auch Faber glauben, dass die steigende Rohstoffnachfrage in den aufstrebenden Ländern China und Indien für zusätzliche Preisschübe sorgen wird.

Rogers denkt – ähnlich wie seine Mitstreiter – in sehr langfristigen Zyklen. „Alle 20 bis 30 Jahre gibt es eine Hausse an den Rohstoffmärkten, die laufende startete vor einigen Jahren“, sagt der 60jährige, der in New Yorks Upper West Side residiert. Den Rohstoffen schlägt die Stunde, weil das Angebots-Nachfrage- Verhältnis aus dem Gleichgewicht gekippt ist: „Kaum ein Anbieter hat bei sinkenden Preisen die Produktionskapazitäten ausgeweitet, etwa eine Ölplattform oder Zuckerplantage in Betrieb genommen – gleichzeitig ist die Nachfrage gestiegen.“ Zulauf schlägt in die gleiche Kerbe. „Die Ölgesellschaften sind nicht mehr in der Lage, die geförderten Mengen durch neue Funde zu ersetzen - sie laufen in einen Engpass hinein“, sagt der Vermögensverwalter, dem auch Amerikaner durch die Vergabe des Spitznamens „Gnom“ (mit Blick auf Zulaufs Heimat: kleines Land, große Banken) ihren Respekt erwiesen haben.

Wenn sowohl Faber als auch Rogers eine Lanze für Rohstoffe brechen, mag das kein Zufall sein. Denn in den Rohstoff reichen Schwellenländern waren beide früh nah am Geschehen. Faber, einst Spitzenmann des damaligen Junk-Bond-Hauses Drexel Burnham, gründete seine Firma in Hongkong, verbringt heute auch viel Zeit in Thailand.

Rogers suchte zweimal intensiven Kontakt mit Schwellenländern - auf Weltreisen. Die erste wagte er Anfang der 90er Jahre auf einem BMW-Motorrad. Beim zweiten Trip stieg er in einen Mercedes-Benz SLK 230 um. Im vergangenen Jahr beendete er die Tour über 240 000 Kilometer.

Rogers, der der sein Interview mit dem Handelsblatt Fahrrad fahrend im Fitness-Studio gab, schrieb die aus der ersten Reise gewonnenen Anlageinspirationen in einem Buch nieder, betitelte es „Investment-Biker“ – und hatte gleich seinen Spitznamen weg. Auch nach seiner letzten Reise entstand ein Buch: Der „Adventure Capitalist: The Ultimate Investor’s Road Trip“. Faber gibt seine Überlegungen zur Attraktivität der asiatischen Emerging Markets ebenfalls in gebundener Form preis. Bald soll „Tomorrow’s Gold - Asia’s age of discovery“, bei Amazon ein Bestseller, ins Deutsche übersetzt werden.

Rogers entwickelte übrigens schon 1998 einen Rohstoffindex und bietet seitdem in Amerika über eine andere Firma einen darauf basierenden Indexfonds an. Das scheint eine weitsichtige Entscheidung in einer Zeit gewesen zu sein, in der sich niemand für Rohstoffe interessierte, viele Anleger und Asset-Manager vielmehr in der Tech-Aktienblase gefangen waren.

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