Höhere Preise erwartet
Nachfrage nach Diamanten steigt

In der Diamantenindustrie war die Stimmung schon lange nicht mehr so gut wie in diesem Jahr. Während der Absatz der edlen Steine unvermindert steigt, ist ihre Produktion zuletzt erstmals seit 25 Jahren gesunken.

KAPSTADT. „Diamanten haben unter den Rohstoffen die besten Aussichten“, frohlockt Evy Hambro, Minenexperte bei Merrill Lynch in London. Nach seiner Einschätzung ist die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage im Diamantensektor derzeit größer als bei fast allen anderen Rohstoffen.

Die meisten Experten erwarten deshalb wie Hambro für 2007 weiter steigende Preise. Dass seit über zwei Jahren deutlich mehr Diamanten gekauft als gefördert werden, liegt vor allem an der gestiegenen Nachfrage in Wachstumsmärkten wie Indien und China. Allein China hat seine Diamantenkäufe seit 2001 verdoppelt und dürfte auch in diesem Jahr noch einmal um 20 Prozent zulegen. Die Chinesen stellen ihren Reichtum gerne zur Schau, schrecken aber vor protzigem Goldschmuck zurück. Acht von zehn Hochzeitspaaren in Schanghai kaufen heute einen Diamantring. In Europa werden diese hingegen meist zur Verlobung erworben. „Angesichts der hohen Nachfrage dürfte in den nächsten Jahrzehnten wenig das positive Gesamtbild trüben“, meint der Edelmetallexperte James Picton vom britischen Wertpapierhaus WH Ireland. Mit einem größeren Preisrückschlag sei schon deshalb nicht zu rechnen, weil die Förderung der Diamantenminen bis 2015 um rund zwei Prozent fallen werde.

Der Unterschied zu den 90er-Jahren könnte jedenfalls kaum größer sein: Damals überstiegen die Vorräte des Marktführers De Beers die Nachfrage zeitweise um mehr als 100 Prozent. Mittlerweile sind die einst sehr hohen Lagerbestände des südafrikanischen Diamantenriesen fast völlig aufgezehrt. Nun zeigt sich auch, wie kurzsichtig es war, dass die Diamantenförderer in den 90ern kaum Gelder in die Erschließung neuer Gruben gesteckt haben. Viele Vorkommen gehen nun zur Neige. „Wir verkaufen heute oft Diamanten, die erst vor drei Monaten aus dem Boden geholt wurden“, sagt Gareth Penny, der neue Vorstandsvorsitzende von De Beers. „Das war früher praktisch nie der Fall.“ Angebot und Preise eines Großteils der weltweiten Diamantenproduktion werden nach wie vor direkt oder indirekt durch die einst von De Beers gegründete Central Selling Organization (CSO) in London kontrolliert. An den Rohstoffbörsen selbst werden Rohdiamanten bis heute nicht gehandelt. Statt dessen arrangiert De Beers, das noch immer knapp 60 Prozent aller Rohdiamanten vertreibt, jedes Jahr zehn Verkaufstreffen, so genannte „sights“, mit einer Gruppe ausgewählter Kunden aus Ländern, in denen die Diamanten geschliffen werden.

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