Höhere Spekulationssteuer
Brasilien kämpft gegen Real-Aufwertung

Brasilien ist bei internationalen Investoren sehr beliebt - zum Leidwesen der Regierung. Sie fürchtet um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft, da die enormen Kapitalzuflüsse die Landeswährung Real hochtreiben. Mit einer Verdopplung des Steuersatzes auf Anleihenkäufe will sie die Aufwertung stoppen. Doch das extrem hohe Zinsniveau in Brasilien könnte die Pläne der Regierung konterkarieren.
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HB BRASILIA/SAO PAULO. Brasilien kämpft mit höheren Steuern auf ausländische Investitionen gegen die Aufwertung des Real. Für den Kauf brasilianischer Anleihen wurde der Steuersatz am Dienstag überraschend von zwei auf vier Prozent verdoppelt. Finanzminister Guido Mantega will damit den hohen Zufluss an ausländischem Geld bremsen.

Dieser hat dazu beigetragen, dass sich der Wert der Landeswährung Real gegenüber dem Dollar seit dem Amtsantritt des scheidenden Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva 2003 mehr als verdoppelt hat. Das schadet der Exportwirtschaft, weil ihre Waren dadurch teurer werden.

Die Steuer war erst vor einem Jahr eingeführt worden, um Spekulationen bei Finanzgeschäften einzudämmen. Analysten bezweifeln aber, dass die Anhebung zu der gewünschten Real-Abwertung führt. Brasilien hat mit 10,75 Prozent einen der weltweit höchsten Leitzinsen, der Investoren anlockt. In den USA und Japan liegt er dagegen bei Null.

Experten gehen deshalb davon aus, dass allein die Maßnahme kaum erfolgreich sein wird. Allerdings hat die brasilianische Notenbank weitere Möglichkeiten, den Kurs zu beeinflussen. Sie könnte beispielsweise über Staatsfonds Dollar am Devisenmarkt kaufen.

Brasilien kämpft wie andere aufstrebende Schwellenländer mit hohen Investitionszuflüssen aus dem Ausland, die zu einer Aufwertung der Landeswährungen führen. "Verschiedene Länder leiten geldpolitische Schritte ein, keiner schläft bei der Arbeit", sagte Mantega.

Zuletzt hatte Kolumbiens Notenbank mit Dollar-Käufen begonnen. Auch Chiles Präsident kündigte an, aktiv werden zu wollen. In Peru ist es dieses Jahr bereits häufiger zu Dollar-Käufen gekommen, um die heimische Währung zu drücken. Brasilien scheint jedoch das größte Problem zu haben: Goldman Sachs hält den Real für die weltweit am meisten überbewertete Währung.

Damit werden sich auch die Teilnehmer der IWF-Jahrestagung auseinandersetzen, die am Freitag in Washington beginnt. Mantega bezeichnete die Angelegenheit bereits als "internationalen Währungskrieg". "Wir riskieren einen Handelskrieg und das besorgt uns. Es wäre wünschenswert, dass koordinierte Maßnahmen vornehmen anstelle von einzelnen", betonte Mantega. Bisher stand meist der Währungsstreit zwischen den USA und China im Fokus.

Von der Suche der Investoren nach attraktiven Anlagen profitierte zuletzt auch der brasilianische Ölkonzern Petrobras bei seiner Rekord-Kapitalerhöhung. Durch die Geld-Flut stieg der Real auf ein Zwei-Jahres-Hoch. Die Aufwertung spielt auch im Präsidentschafts-Wahlkampf einen Rolle.

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