Hohe Nachfrage
Agrarrohstoffe sind knapp

Weizen, Zucker und Raps werden schon lange nicht mehr nur als Nahrungs- und Futtermittel verwendet. Die Versorgung mit Bioenergien treibt die Rohstoffbranche an ihre Grenzen – selbst optimierte Ertragsraten könen die Nachfrage nicht mehr kompensieren. Die Folge: steigende Preise.

FRANKFURT. An den internationalen Agrarmärkten ist die Lage angespannt. Die Getreidebestände sind auf den niedrigsten Stand seit mehr als 30 Jahren gefallen, und die Preise agrarischer Rohstoffe schießen in die Höhe. Das Augenmerk der Akteure in der Finanzwelt ist daher immer stärker auf die Entwicklung an den Welt-Agrarmärkten gerichtet. Der sich dort abzeichnende Kampf zwischen der Nahrungsmittel-, Futtermittel- und Energiewirtschaft um landwirtschaftliche Rohstoffe wie Mais, Zucker, Weizen, Raps, Palmöl und andere Ölsaaten hat deren Preise kräftig in die Höhe schnellen lassen.

Die entscheidenden Impulse erhielt dieses Marktsegment zweifellos von den Energiemärkten. Denn mit Blick auf das absehbare Ende des Ölzeitalters ist die Menschheit verstärkt auf der Suche nach alternativen Energieträgern. Dabei stehen aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellte Bioenergien (Ethanol, Biodiesel und Biogas) im Fokus.

Während die Trendwende an den Rohstoffmärkten generell bereits im Jahr 1999 einsetzte, kam es erst seit Anfang des Jahres 2005 zu einem dynamischen Aufschwung der Agrarpreise. Seither hat der Aufschwung jedoch mehr Verve als der Gesamtmarkt. Während der Gesamtrohstoffindex von Goldman Sachs seit Anfang 2005 um rund 85 Prozent gestiegen ist, weist der Goldman-Sachs-Agrarindex seither ein Plus von mehr als 95 Prozent auf.

Für Jeffrey Currie vom US-Finanzhaus Goldman Sachs basieren die jüngsten überdurchschnittlichen Preissteigerungen an den Agrarmärkten auf strukturellen Veränderungen, wie sie die Welt in den Jahren zuvor bereits in den anderen Rohstoffkategorien Energie und Metalle gesehen habe. Grundlage der ausgeprägten Agrarmarkt-Hausse ist die überdurchschnittliche Nachfrage von drei Seiten. Zum einen werden Mais, Weizen, Zucker, Sojabohnen, Raps und Pflanzenöle traditionell sowohl von der Nahrungsmittelwirtschaft als auch von der Futtermittelwirtschaft nachgefragt. Hinzu kommt seit wenigen Jahren, dass der Run des Ölpreises in Richtung 100 Dollar je Barrel diese landwirtschaftlichen Grundprodukte auch für die Herstellung von Biokraftstoffen wie Ethanol und Biodiesel immer interessanter macht.

Bioenergien sind zwar kein Allheilmittel für die immer deutlicher sichtbar werdende Energieprobleme, doch kann eine bessere Aktivierung der hier liegenden Potenziale auf mittlere Sicht zu einer spürbaren Verbesserung des Energiemix sorgen. Fossile Energieträger – als wesentliche Verursacher schädlicher Treibhausgase ausgemacht – können dann zurückgedrängt werden. Für Josef Auer von der Deutschen Bank sind Bioenergien die Alleskönner unter den alternativen Energien, denn nur Biomasse sei gleichermaßen zur Erzeugung von Elektrizität, Wärme und Kraftstoffen geeignet. Auer sieht Wachstumspotenzial daher nicht nur im Wärmemarkt.

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