Hohe Nachfrage aus China
Analysten erwarten steigende Sojapreise

Wachsende Nachfrage aus Fernost und eher schrumpfende Anbauflächen dürften nach Einschätzung von Analysten den zuletzt eingebrochenen Preis für Sojabohnen bald wieder steigen lassen. Gründe dafür sehen sie vor allem in der hohen Nachfrage aus China.

BUENOS AIRES. Die Notierung des wichtigen Futter- und Nahrungsmittels war vergangene Woche wegen überraschender, heftiger Regenfälle in den Anbauregionen der USA um zehn Prozent eingebrochen. Das war der stärkste Kursrutsch seit Juli 1988.

Soja-Futures für Lieferung im November fielen vergangene Woche an der Terminbörse in Chicago um 79,75 Cents auf 668 Cents das Bushel. Der Grund: Das Wetter in den USA, dem größten Sojaproduzenten weltweit, wo die Ernte kurz bevorsteht. Hatten Dürre und Hitze bislang eine magere Ernte erwarten lassen und den Soja-Preis in die Höhe getrieben, konnten sich die US-Bauern am Freitag über starke Regenfälle freuen. Händler, die auf weiter steigende Notierungen gesetzt hatten, reagierten mit panikartigen Verkäufen von Soja-Futures. Trotzdem bleiben Experten gelassen. „Das war eine scharfe Korrektur, aber bisher scheint es die Korrektur eines Bullenmarktes gewesen zu sein“, sagt Luke Schwietermann, vom Handelshaus „Schwietermann Marketing“ in Kansas. Im Börsenjargon spricht man bei dauerhaft steigenden Notierungen von einem Bullenmarkt, denn der Bulle ist das Symbol für die Optimisten unter den Börsianern.

Für die kommenden Wochen erwarten Analysten weiterhin starke Preisschwankungen. Da die Ernte in den Agrargiganten Südamerikas vorbei ist und die nächste Aussaat erst im September beginnt, richten sich die Händler derzeit fast ausschließlich nach dem Wetter in den USA. Jeff Beal, Berater von Strategic Marketing Corn Futures in Illinois, rechnet damit, dass Hitze und Trockenheit zurückkehren. In jedem Fall sei die Ernte bereits durch die vorhergehende Hitzeperiode beschädigt. Außerdem ist die Ernte auch in China und Indien, die zusammen gut zehn Prozent der weltweiten Sojabohnen produzieren, durch Trockenheit bedroht.

Mittelfristig deuten geringere Anbauflächen und relativ niedrige Reserven in den USA, sowie eine ungebrochen steigende Nachfrage vor allem aus China auf steigende Preise. Die Soja-Reserven fielen in den USA mit 700 Mill. Bushel niedriger aus als erwartet. Die Anbaufläche ist im Vergleich zum letzten Jahr um etwa drei Prozent zurückgegangen. Viele US-Farmer haben aus Furcht vor dem „Asiatischen Rost“ Baumwolle statt Soja angebaut. Diese Pilzkrankheit, die Ertragsausfälle von 80 Prozent verursachen kann, hat bisher vor allem die brasilianischen Felder befallen, tauchte aber bereits wiederholt in den USA auf.

Auch in Brasilien, dem zweitgrößten Sojaanbauland der Welt, werde die starke Expansion des Sojaanbaus der vergangenen Jahre, in der Saison 2005/2006 etwas nachlassen, schätzt die US-Agrarbehörde USDA. Grund sind vor allem die (im Vergleich zum Boom der letzten Jahre) moderaten Weltmarktpreise sowie die Aufwertung des Real, welche die Exporterlöse schmälert und die Kosten für Pflanzenschutzmittel erhöht. Nachdem die Erlöse schon vergangenes Jahr deutlich niedriger ausfielen als in der Ernte 2003/2004, sind viele brasilianische Sojabauern jetzt hochverschuldet und können noch nicht einmal die Produktionskosten aufbringen. „Angesichts der substanziellen Verluste in der Saison 2004/2006 sowie der ungewissen Aussichten für die Rohstoffpreise nächstes Jahr ist es unklar, ob die Farmer ausreichende Mittel von öffentlicher oder privater Seite aufbringen können, um die Produktion zu finanzieren“, heißt es in dem USDA-Bericht.

Durchweg optimistisch sind Analysten bezüglich der Soja-Nachfrage. Insbesondere Chinas Viehzüchter und Hühnerfarmen sorgen für einen ungebrochen steigenden Konsum von Sojabohnen, die als Futtermittel gebraucht werden. China ist der größte Sojaimporteur weltweit und kaufte im Mai zwei Mill. Tonnen Sojabohnen - 143 Prozent mehr als im Vormonat. Im April waren die Sojaeinfuhren Chinas bereits um 53 Prozent gestiegen. Für das Gesamtjahr bis Ende September wird eine Nachfragesteigerung um 42 Prozent allein aus China auf insgesamt 24,2 Mill. Tonnen erwartet.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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