Hohe Nachfrage führt zu Knappheit und außergewöhnlich schnellem Preisanstieg
China macht den Stahlmarkt verrückt

Chinas unersättlicher Importhunger bringt den asiatischen Stahlmarkt an den Rand des Zusammenbruchs.

PEKING. Weil im Reich der Mitte die Autoindustrie, die Bauwirtschaft und die Hausgerätebranche immer schneller wachsen, hat der Appetit auf Stahl eine Marktsituation erzeugt, die der Stahlanalyst Rajeev Das bei Goldman Sachs in Seoul vor wenigen Tagen als „außerordentlich knapp“ bezeichnete. Chinas Stahlimporte nahmen im vergangenen Jahr um 52 Prozent zu, die eigene Produktion wuchs lediglich um 22 Prozent. Die Folge: Die Preise schießen in den Himmel und das Produkt wird so knapp, dass die lokalen Industrien Alarm schlagen. Stahlpreise sind in Asien seit Jahresbeginn um bis zu 50 Prozent gestiegen. Für Schrott wird mit 350 US-Dollar pro Tonne doppelt so viel bezahlt wie vor einem Jahr.

Satte Gewinne der Stahlfirmen rufen Nachahmer und Profiteure auf den Plan. Die Investitionen der Branche stiegen in China 2003 um 88 Prozent. Derzeit wird im Reich der Mitte eine zusätzliche Kapazität von 120 Mill. Tonnen Stahl gebaut. Zum Vergleich: Japan, der weltweit zweitgrößte Stahlproduzent, kommt auf 110 Mill. Tonnen Kapazität. Doch vorerst bleibt der Stoff extrem knapp. „Der Stahlmarkt bleibt das ganze Jahr über bullish“, sagt Qi Xiangdong, der zweite Mann bei der China Steel and Iron Association. Ein deutscher Stahlmanager beschleunigte vorige Woche in Peking Verkaufsgespräche mit einem chinesischen Kunden durch den simplen Hinweis: „In einer halben Stunde öffnet die Wall Street, dann haben Sie noch höhere Preise“. Zehn Minuten später war der Liefervertrag für dünn gewalzten Bleche unterschrieben. In der ganzen Region hat Goldman Sachs „Zeichen der Verrücktheit“ beobachtet.

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