Hohe Preise
Zucker als Benzinersatz

Parallel zum steigenden Ölpreis steigt neuerdings auch der Preis für Zucker – dem alternativen Energieträger in der Form von Ethanol als Kraftstoff. Der Einsatz als Benzinersatz treibt die Zuckerpreise auf den höchsten Stand seit 25 Jahren.

LONDON. Die New Yorker Analystin Judy Ganes fürchtet bereits den großen Rückschlag. Denn der Preis für Rohzucker hat sich binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt. „15 Cent je Pfund hielt ich bereits für gewagt, jetzt sind es über 18 Cent, der Markt ist überreizt“. Ganes ist nicht die Einzige, die nach dem „bull run“ der letzten zwölf Monate mit einer baldigen Preiskorrektur am Weltzuckermarkt rechnet.

Andererseits bestreiten weder Ganes noch die Mehrheit anderer Skeptiker die „fundamentals“, die grundlegenden Marktdaten. Diese sprechen auf Dauer eher für weiter steigende als für fallende Preise. Die Preishausse könnte sich nach der Korrektur fortsetzen, glaubt die Mehrheit der Marktteilnehmer. Erinnerungen an die 70er-Jahre werden wach. Damals kostete Zucker bis zu 60 Cent das Pfund.

„Zucker wird zunehmend als Energieträger gesehen“, sagt Ann Prendergast, Analystin bei Man Financial in New York. Sie meint damit aber nicht Zucker als Nahrungsmittel. Denn parallel zum steigenden Ölpreis steigt neuerdings auch der Preis für Zucker – dem alternativen Energieträger in der Form von Ethanol als Kraftstoff. In Brasilien wurden im Dezember schon 70 Prozent aller Neuwagen mit „Flex-Fuel“ Motoren ausgeliefert. Diese Motoren können Ethanol, aber auch eine Mischung aus diesem und Benzin verbrennen. Großes Interesse an der Lieferung von Ethanol aus Brasilien und der Entwicklung eigener Produktionsanlagen haben bereits Japan, Südkorea und Taiwan bekundet.

Am Weltmarkt sorgt die Zuckerverbraucher vor allem der steigende Ethanolbedarf Brasiliens, dem größten Zuckerexporteur der Welt. Dazu kommt eine enttäuschende Ernte. Diese hat ebenfalls zu dem Anstieg des Weltmarktpreises auf den höchsten Stand seit 25 Jahren beigetragen. „Erstmals seit 2000 werden die Zuckerexporte Brasiliens 2006 sinken, von etwa 17,2 auf 16,5 Mill. Tonnen“, warnt Toby Cohen, Experte des Londoner Zuckerhandelshauses Czarnikov. Dazu kämen die demnächst sinkenden Ausfuhren der EU – bedingt durch die neue Zuckermarktordnung. Die EU-Exporte könnten laut Cohen von 7,5 Mill. Tonnen im Wirtschaftsjahr 2005/06 bis 2007 auf 1,5 Mill. Tonnen schrumpfen.

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