Hohe Rohstoffpreise schmälern Gewinnmarge
Europas Stahlbranche kann Preise nicht so stark anheben wie erhofft

Die europäischen Stahlhersteller haben ihr Ziel verfehlt, ab Oktober die Preise für Quartalskontrakte kräftig zu erhöhen.

DÜSSELDORF. Wie ein Sprecher des größten deutschen Stahlproduzenten Thyssen-Krupp gestern sagte, ist es nicht gelungen, „die angekündigten Preiserhöhungen in vollem Umfang zu realisieren“. Bei der deutschen Nummer zwei Salzgitter hieß es: „Dort, wo es erforderlich war, haben wir höhere Preise auch durchgesetzt.“ Branchenkenner indes schätzen, dass die Hersteller die Preisforderungen nur zur Hälfte realisieren konnten.

Europas größter Stahlkonzern Arcelor hatte Anfang September einen Vorstoß gestartet, den Abwärtstrend bei den Stahlpreisen zu stoppen. Seit Ende 2004 sind die Tagespreise für das Referenzprodukt Warmbreitband nach Angaben des Branchendienstes Metal Bulletin um 35 Prozent auf 385 Dollar pro Tonne gefallen, bei den Quartalspreisen betrug das Minus bis zum dritten Quartal 40 bis 50 Euro je Tonne. Zugleich mussten die Stahlproduzenten einen kräftigen Anstieg der Rohstoffpreise verkraften, was die Gewinnmargen schmälerte. Arcelor kündigte deshalb vor sechs Wochen Preiserhöhungen ab Oktober von bis zu 30 Euro an, die deutschen Konkurrenten blieben mit ihren Forderungen etwas darunter.

Bei Thyssen-Krupp hieß es, die Preiserhöhungen seien je nach Produkt unterschiedlich hoch ausgefallen. Ein Analyst in Frankfurt hingegen schätzt, dass die Branche „mit zehn bis 15 Euro je Tonne nur die Hälfte der angestrebten Preisaufschläge realisiert“ habe. Das ist kein gutes Vorzeichen für im November beginnenden Verhandlungen der Stahlhersteller mit der Automobilbranche über neue Mehrjahresverträge. Thyssen-Krupp, Arcelor und die österreichische Voestalpine wollen gegenüber ihren wichtigsten Kunden Aufschläge von bis zu 100 Euro oder rund 20 Prozent durchsetzen, um die Preise der Mehrjahreskontrakte denen der kürzer laufenden Lieferverträge anzupassen.

Bei den neuen Einjahreskontrakten dagegen werden die Stahlhersteller wohl Abstriche machen müssen. „Es ist den Unternehmen nicht ganz gelungen, die Preise wieder nach oben zu reden und damit die Basis für unveränderte Jahreskontraktpreise 2006 zu legen“, sagte Hermann Reith, Analyst der BHF-Bank. Bei Thyssen-Krupp haben diese Kontrakte einen Anteil von 58 Prozent am Gesamtabsatz.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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