Hohe Verschuldung der Verbraucher birgt Risiken
Experten streiten sich um Trend des Pfundes

Währungsspezialisten in London gehen davon aus, dass die englische Zentralbank als erste der G7-Nationen den seit drei Jahren vorhandenen Zinssenkungszyklus unterbricht. Gegenüber dem europäischen Kontinent und den USA befindet sich die britische Wirtschaft in einem beneidenswerten Zustand.

LONDON. Die privaten Verbraucher konsumieren und halten die Wirtschaft unter Feuer. Wenn in Zukunft das bislang größte Sorgenkind, der depressive Produktionssektor, wieder auf die Beine kommt, dürfte es bald mit dem 48-Jahrestief von 3,5 % beim Leitzins vorbei sein. Das spiegeln zumindest die Meinungen der Analysten in der City wider.

Das Pfund hat von dem Szenario zwischenzeitlich durchaus profitiert. Höhere Zinsen erhöhen auch den Willen der Anleger zur Investition in Pfund, und so stieg der Wert der britischen gegenüber der europäischen Währung um einige Cents auf fast 1,45 €. Mittlerweile ist er jedoch wieder gesunken, und die Relation liegt wieder bei gut 1,41 €. Schon lassen sich warnende Stimmen hören, die vor einer noch scharferen Korrektur nach unten warnen.

Die britische Großbank HSBC spricht davon, dass das Pfund „verwundbar gegenüber Abwärtsdruck“ ist. Sie sieht dafür mehrere Gründe: Stagnierende Ergebnisse bei den Unternehmen, ein höher als erwartetes Handelsbilanzdefizit und ein Kollaps der Verbraucher durch höhere Zinsen. „Bei einem derartigen Niveau der Überschuldung wie in Großbritannien kann man nicht wissen, wie die Wirtschaft reagiert“, sagt HSBC-Währungs-Stratege David Bloom. Zwar dürfte eine erste Zinserhöhung nicht der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Doch möglicherweise liege der Punkt, der Konsumenten zum Nachdenken zwingt, näher als manche Beobachter wahrhaben wollen. Der Grund: Die britische Gesellschaft ist überschuldet. Das Verhältnis der Schulden zu den Einkommen liegt im Land bei 1,2. Der Schuldenberg jedes einzelnen Briten ist also im Schnitt um ein Fünftel höher als sein eigenes Einkommen. Schon bei einem Wert von 0,5 raten Insolvenz-Beratungen dringend zu einem Gespräch über den Schuldenabbau. Die Konsumenten scheinen zumindest sehr verwundbar.

Dazu gibt es freilich andere Meinungen. Um den Gegenbeweis anzutreten verweisen Analysten gern auf den Hauspreis- und Konsum- Crash Anfang der 80er Jahre. Vergleicht man das Niveau der privaten Zinszahlungen damals und heute, ergibt sich ein gewaltiger Unterschied: Zum Crash-Zeitpunkt mussten die Verbraucher rund 15 % ihres Nachsteuer-Einkommens zum Schuldendienst zurück legen. Heute ist es nicht einmal die Hälfte.

„Selbst wenn die Zentralbank die Zinsen um einen Prozentpunkt erhöht“, argumentiert deshalb Nick Verdi von Barclays Capital, „sind wir weit von dieser Situation entfernt.“ Er glaubt, dass sich sowohl der Euro als auch das Pfund gegenüber dem Dollar verschlechtern – wegen der schlechteren Wachstumsaussichten der Eurozone gegenüber Amerika.

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