Hoher Bedarf in China und Indien
Die Jahre des Rohstoffüberflusses könnten bald für immer enden

Viele Länder Asiens, allen voran China und Indien, aber auch das lateinamerikanische Land Brasilien kennzeichnen sich durch den parallelen Zuwachs an Wirtschaftskraft und Bevölkerung.

Es gibt bereits heute ernst zu nehmende Studien, die besagen, dass die wirtschaftliche Entwicklung der so genannten Entwicklungs- und Schwellenländer mit den vorhandenen Erdöl- und Erdgasreserven sehr schwierig werden wird. Des Weiteren wird der Bedarf an Rohstoffen als Herstellungsgrundlage für die zahlreichen Produkte auf unabsehbare Zeit nicht linear, sondern exponenziell steigen. Dies zeigt die Entwicklung der vergangenen hundert Jahre mehr als deutlich.

Dieser wachsenden Nachfrage steht kein entsprechendes Angebot gegenüber. Das Angebot am Rohstoffmarkt ist kurzfristig wenig flexibel. Exploration und Aufschluss neuer Minen oder Ölfelder erfordern lange Zeit. Darüber hinaus stößt die Rohstoffproduktion wegen ihrer Kapitalintensität oft an Grenzen, weil selbst ein vorhersehbarer Preisanstieg für den Rohstoff die Rentabilität der immensen erforderlichen Investitionen nicht immer ausreichend sicher erscheinen lässt. Zudem ist die politische Lage in den Rohstoffländern häufig instabil, oder es fehlt an Infrastruktur für Produktion und Transport. In anderen Fällen sind notwendige Investitionen zur Aufrechterhaltung oder Anpassung der Produktionskapazität unterblieben. Die zu erwartende steigende Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage wird noch verschärft durch die wachsende Konkurrenz der Nachfrageländer untereinander. China hat systematisch damit begonnen, ein weltweites Beteiligungsgeflecht im Rohstoffsektor zu entwickeln, indem es sich wo immer möglich in Rohstoffgesellschaften einkauft. Die Beteiligung ausländischer Gesellschaften an eigenen Lagerstätten wird dagegen sehr restriktiv gehandhabt. Die Jagd nach Rohstoffen wird noch schärfer werden, und wenn man Wasser als den Rohstoff dieses Jahrhunderts und der Zukunft mit einbezieht, sind Krisen oder sogar Krieg um Wasser absehbare Szenarien.

Das Zeitfenster für Aktivitäten zur Rohstoffsicherung ist begrenzt. Wenn nicht kurzfristig ein Gegensteuern erfolgt, wird es zu einer erheblichen Beeinträchtigung, wenn nicht gar zum Zusammenbruch der Rohstoffversorgung kommen.

Eine effizientere Energie- und Rohstoffnutzung, wie sie etwa Stefan Balding, Vorstand der Stiftung Kathy Beys, zur Verbesserung der Ressourceneffizienz fordert, wäre am schnellsten zu verwirklichen. Dazu gehört nicht nur die Förderung und Weiterentwicklung neuer oder sparsamerer Verfahren zur Produktion, sondern auch die Verbesserung von Versorgungs- und Verteilungssystemen wie defekter Leitungen und Pipelines, die Wasser oder Öl ungenutzt versickern lassen.

Zudem müssen neue Wege der Rohstoffgewinnung eingeschlagen werden. Im konventionellen internationalen Bereich ist das Projekt der Titanium-Corp-Inc. zu erwähnen. Hier wird das weltweit größte Projekt zur Gewinnung von Titanoxid und Zirkon aus „Abfällen“ der Ölsandindustrie Albertas entwickelt.

Aus Sicht Deutschlands kommen eine verstärkte Entwicklung und Nutzung nachwachsender Rohstoffe (etwa Biodiesel) und erneuerbarer Rohstoffe (etwa Wind- und Sonnenenergie) in Frage. All diese Rohstoffe können aber nur Ergänzungen in der Versorgung sein. Vielversprechend sind vor allem die Entwicklung neuer Basis- oder Werkstoffe und die Energiegewinnung aus anderen Quellen. Dazu gehört etwa die Wasserstoff-Cold-Fusion. Die Nanotechnik eröffnet dafür ein weites Feld von Möglichkeiten.

Dr. Peter Kausch ist Professor an der Universität Freiberg/Sachsen.

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