Hohes Leistungsbilanzdefizit verunsichert Investoren
Höhenflug des Forint beunruhigt Analysten

Der Kurs des ungarischen Forint ist so hoch wie zuletzt vor 16 Monaten. Ursache ist das extrem hohe Zinsniveau, das große Mengen kurzfristiger Kapitalanlagen aus dem Ausland angelockt hat. Doch der ungarischen Währung droht ein Kurssturz, warnen Analysten.

BUDAPEST. „Die ausländischen Anleger wollen kein hohes Devisenrisiko eingehen, es gibt keine stabile Nachfrage aus dem Ausland mehr“, betont Illes Toth von der DZ Bank in Budapest. Skeptisch schauen die Investoren vor allem auf das hohe Defizit in der Leistungsbilanz und die unsolide Haushaltspolitik der Regierung.

Mit 245,82 zum Euro stieg der Fo-rint am Freitag auf einen Kurs, den er zuletzt im Mai 2003 erreicht hatte. Diese Stärke passt nicht zum politischen und wirtschaftlichen Umfeld. So wurde nach nur zwei Jahren Amtszeit Ministerpräsident Peter Medgyessy durch Ferenc Gyurcsany ersetzt, was in der Öffentlichkeit Unsicherheit über den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs auslöste. Der neue Finanzminister Tibor Draskovics musste daraufhin mitteilen, dass das Defizit im Staatshaushalt mit 5,3 Prozent höher als geplant ausfallen wird.

Die Ungarische Nationalbank nimmt das zum Anlass, um an ihrer Hochzinspolitik festzuhalten. Mit elf Prozent liegt der Leitzins beträchtlich über der nachlassenden Inflation, die gegenwärtig bei sieben Prozent steht. Die Stärke des Forint hat außerdem viele ungarische Unternehmer und Verbraucher veranlasst, Kredite im Ausland aufzunehmen. Sollten die ausländischen Investoren ihr Kapital abziehen und damit den Forintkurs zum Absturz bringen, bliebe ein großer Schuldenberg in teurer ausländischer Währung zurück, der dann mit billigen Forint abgetragen werden müsste.

Allerdings gibt es auch Analysten, die keine Gefahren sehen. „Die Zinsen von elf Prozent sprechen gegen eine Abschwächung der Währung, für die auch kein Auslöser absehbar ist“, meint man bei Raiffeisen Capital Management. Es wäre vor allem Sache der Regierung, durch eine solide Haushaltspolitik eine Währungskrise zu vermeiden. Aber der Wahlkampf im Vorfeld der Parlamentswahlen 2006 hat begonnen und das Kabinett von Gyurcsanyi versucht, durch hohe Sozialausgaben bei den Wähler zu punkten. Beobachter in Budapest glauben nicht, dass die Regierung ihre Defizitziele von 4,7 Prozent im kommenden Jahr und vier Prozent 2006 erreichen wird. „Eine strenge Fiskalpolitik ist nicht sichtbar. Das wäre aber eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das Vertrauen der Ausländer wieder steigt“, meint Illes Toth von der DZ Bank.

Hinzu kommt, das die gesamte öffentliche Verschuldung Ungarns mit fast 60 Prozent den Grenzwert erreicht hat, der nach den Maastricht-Kriterien der EU vorgeschrieben ist. Finanzielle Disziplin würde nicht nur für mehr wirtschaftliche Stabilität in Ungarn sorgen, sondern auch die Senkung des Defizits in der Leistungsbilanz erleichtern. Dieser Wert lag im letzten Jahr bei neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und könnte in diesem Jahr höher ausfallen. Ein solches Defizit ist vor allem gefährlich, wenn der Wechselkurs wegen der hohen Zinsen nicht mehr als Wahrer des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts funktioniert.

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