Hohes Wirtschaftswachstums in Polen, Tschechien und Ungarn
EU-Beitritt beflügelt Devisenkurse

Nach der EU-Erweiterung am 1. Mai zeigen sich die Währungen der meisten Beitrittsländer in Osteuropa in einer guten Verfassung. So erzielte der polnische Zloty mit einem Kurs von 4,42 zum Euro die stärkste Notierung der vergangenen neun Monate. Das entspricht einer realen Aufwertung von gut 10 Prozent.

HB WARSCHAU. Ebenso legte die tschechische Krone seit Januar dieses Jahres um gut 7 Prozent zu. Auch der Aufwärtstrend des ungarischen Forint und der slowakischen Krone hält an.

Analysten wie György Barcza von der ING in Budapest sehen die zunehmende Nachfrage westlicher Anleger als wichtigste Ursache für diese Entwicklung und trauen den Währungen der Region weitere Gewinne zu. Dabei werden die Anleger vor allem durch das enorme Wirtschaftswachstum dieser Länder angelockt, das zum Teil weit über den Zunahmen des Bruttosozialprodukts (BIP) westlicher EU-Staaten liegt. Nach einem Anstieg des polnischen BIP von 6,9 Prozent im ersten Quartal rechnet Warschaus neuer Finanzminister Miroslav Gronicki mit einem Jahreswachstum von sechs Prozent. Die Prognosen für die Slowakei liegen bei fünf Prozent. Tschechien und Ungarn kalkulieren mit drei bis vier Prozent. Wichtigster Motor des Wachstum ist der zunehmende Export in die Eurozone, wodurch sich auch die Handelsbilanzen insbesondere Polens, Ungarns und Tschechiens verbessern.

Das westliche Anlegerinteresse wird auch durch das wesentlich höhere Zinsniveau gefördert. Der Renditeaufschlag etwa gegenüber Bundesanleihen ist immer noch beachtlich. Spitzenreiter ist Ungarn, wo die Nationalbank auf ihrer jüngsten Sitzung den Leitzins auf dem extrem hohen Niveau von 11,5 Prozent belassen hat. In Polen liegt der Leitzins nach der gestrigen Erhöhung um 25 Basispunkte bei sechs Prozent. In der Slowakei sind es 4,5, in Tschechien 2,5 Prozent. Demgegenüber liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank bei 2 Prozent, eine Anhebung ist nicht in Sicht.

Angesichts der zum Teil beträchtlichen Defizite in den Staatshaushalten dieser Länder und der wieder anziehenden Inflation gehen Analysten wie Tomasz Balamut von West LB Global Financial Markets davon aus, dass die Nationalbanken vorerst ihre Hochzinspolitik beibehalten werden. Zu den Haushaltssündern gehört gerade auch Polen, wo Nationalbankchef Leszek Balcerowicz unlängst im Parlament darauf hinwies, dass das Defizit im Staatsbudget bis Ende des Jahres auf sieben Prozent anwachsen könnte. Auch Ungarn wird es nicht leicht fallen, das Defizit von 9,6 Prozent im vergangenen Jahr auf geplante 4,6 Prozent in 2004 zu drücken. „Die Nationalbank macht sich vor allem wegen der Staatsfinanzen Sorgen§“, sagt Judit Barta vom Wirtschaftsforschungsinstitut GKI in Budapest.

Immerhin bemühen sich die Regierungen um Abhilfe. In Ungarn und Polen haben die Regierungen drastische Sparprogramme beschlossen. Zur Sicherheit der Investoren trägt auch die neue EU-Mitgliedschaft bei, die die Regierungen der neuen Mitgliedstaaten auf die zunehmende Beachtung Brüsseler Stabilitätskriterien verpflichtet.

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