HSBC-Devisenchef
„Der Euro ist stärker als der Dollar“

Durch die Krise werden die Euro-Länder noch enger zusammenrücken, glaubt David Bloom, der Devisenchef von HSBC. Große Sorgen macht er sich indes um die USA. Im Interview erklärt er, warum der Druck auf den Dollar auch in Zukunft wachsen wird.
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Handelsblatt: Irland schlüpft unter den Rettungsschirm. Als Nächsten knöpfen sich die Investoren Portugal vor. Wird der Euro am Ende überleben?

David Bloom: Amerikaner und Briten behaupten gerne, der Euro würde untergehen. Ich sehe das nicht so. Der Euro hat in der Vergangenheit schon mehrere Krisen überstanden. Die aktuelle Krise wird die Euro-Länder sogar näher zusammenbringen. Schauen Sie nur einmal auf den Kurs: Der Euro ist heute mehr wert als bei seiner Einführung.

Handelsblatt: Dieses Mal scheint die Situation viel bedrohlicher ?

Bloom: Dieses Mal ist alles anders - wie oft habe ich diesen Satz schon gehört. Wenn ich das unseren Kunden erzählen würde, würden die mich hochkant rauswerfen. Ich sage: Nein, dieses Mal ist es nicht anders! Die EU hat mit dem Rettungsschirm bewiesen, dass sie eine Lösung für die Probleme hat.

Handelsblatt: Trotzdem wünschen sich manche Deutsche die D-Mark zurück ?

Bloom: Die Deutschen sollten ihre D-Mark schnell vergessen. Kein anderes europäisches Land hat so vom Euro profitiert wie Deutschland. Der Export läuft prächtig, die Wirtschaft wächst, es gibt vergleichsweise wenig Arbeitslose. Gäbe es die D-Mark noch, würden die Deutschen jetzt noch mehr jammern: Denn die D-Mark hätte in den vergangenen Monaten kräftig gegenüber anderen Währungen aufgewertet; so, wie das beim Schweizer Franken der Fall ist. Die tollen Exportraten der deutschen Wirtschaft wären dann kaum möglich. Die Währungskrise ist eigentlich das Beste, was Deutschland passieren konnte.

Handelsblatt: Und die Griechen? Gäbe es die Drachme noch, könnten sie abwerten und wären wettbewerbsfähiger ?

Bloom: Stellen Sie sich vor, Sie sind seekrank; die Wellen schlagen hoch, das Schiff schwankt. Sie müssen sich übergeben. Was tun Sie? Ich hätte einen hervorragenden Tipp, der Ihre Seekrankheit mit einem Schlag lindern könnte: Springen Sie über Bord! Das eine Problem hätten Sie auf diese Art gelöst - aber zu welchem Preis? Aus dem kleinen wäre ein viel größeres Problem geworden. Nein, Sie sollten nicht springen - und Griechenland sollte sich hüten, aus der Währungsunion auszutreten. Das gilt auch für die Iren. Ohne den Euro stünden sie nämlich viel schlechter da.

Handelsblatt: Was macht Sie da so sicher?

Bloom: Es ist nicht der Euro, der die Probleme verursacht hat. Im Gegenteil, der Euro sorgt für die Stabilität, die nötig ist, um die Probleme zu lösen. Bei den USA oder Großbritannien habe ich deutliche größere Zweifel.

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  • Der Mann behauptet nur, nichts ist zwingend abgeleitet von Fakten und Entwicklungen.
    Das Gequatsche vom Dollar-Verfall langweilt ja mittlerweile.
    Das gesamte interview ist auf dem Qualitaetsniveau, das der neue Chefredakteur Steingart in dieses blatt bringt, naemlich Tendenzjournalismus des Magazins, von dem er kommt: Spiegel.
    Ein Jammer fuer das Hb, das eher ein Lichtblick in D.'s eher linksdralligen, anti-amerikanischen Medien war.

  • @Meinereiner,

    mehr Wert gegenüber andere Währungen wie z.bsp. US$

  • Ja, lieber Herr David bloom, da mögen Sie schon Recht haben, dass es der deutschen Wirtschaft prächtig mit dem Euro geht. Wie schön, dass die Unternehmen richtig fett verdienen. Das sei ihnen auch gegönnt...
    Aber jetzt kommen wir zum deutschen Steuerzahler. Erstens wollte er die Währung nicht. Und zweitens ist der Steuerzahler jetzt in der Situation, dass der mittelbar die deutsche (Export-)Wirtschaft mit einer weichen Währung subventioniert. Denn etwas Anderes ist es ja nicht: Der deutsche Steuerzahler übernimmt die Risiken und hat nur Nachteile. Das ist nicht akzeptabel! Die Wirtschaft kann sich auch schön mit einer DM anstrengen, so wie in der Schweiz. Das würde schwieriger, einverstanden! Aber erstens verlangen Deutschlands "Partner" ohnehin eine Reduktion des deutschen Exportüberschusses (mit der DM wäre das wohl eine Kleinigkeit), und zweitens sehe ich als Steuerzahler es nicht als meine Aufgabe an, der deutschen Wirtschaft eine Währung bereitzustellen, die ich mit meinem Geld stützen muss!
    Deutschland hat nicht vom Euro profitiert. Das Gegenteil ist der Fall. Und wenn jetzt die deutsche Wirtschaft in der Schwächephase des Euros profitiert, dann bitte nicht auf Kosten der bürger!

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