Hurrikansaison trifft US-Ölindustrie
„Ike“ legt Raffinerien an Golfküste erneut lahm

Die Hurrikansaison hat einmal mehr die US-Ölindustrie schwer getroffen. Die Schäden rund um die Millionenstadt Houston sind aber geringer als befürchtet.

law/HB HOUSTON. Die verheerenden Wirbelstürme von 1961 und 1983 hatte er überstanden, doch Ike war stärker: Der 80 Jahre alte Nachtclub „Balinese Ballroom“ an der Seeside von Galveston, in dem Stars wie Frank Sinatra groß geworden waren, wurde am Wochenende von den Wassermassen zerschmettert. Ike überflutete die vor Texas liegende Insel Galveston, richtete in der Ölmetropole Houston schwere Schäden an und unterbrach die Stromversorgung. 13 der 14 Raffinerien von Exxon Mobil, Valero Energy und Royal Shell vor der Küste Texas stellten ihre Ölproduktion ein. Auch zwei Pipelines und zwei Häfen lagen still.

Rund 20 Prozent der gesamten Verarbeitungskapazität der USA fallen damit vorerst aus. „Wenn die Raffinerien für drei Wochen ausfallen sollten, wird der Preis wieder über vier Dollar je Gallone fallen“, zitiert Bloomberg den Energieexperten Bruce Bullock von der Texas University. Die Raffinerien wurden zwar nicht direkt betroffen, leiden aber unter dem Stromausfall. Bereits der Hurrikan Gustav hatte vor zwei Wochen Teile des Stromnetzes an der Golfküste zerstört. Im Golf von Mexiko riss der Sturm mindestens zwei Bohrplattformen aus der Verankerung.

Um Versorgungsengpässe und ein neues Anziehen des Benzinpreises zu verhindern, gab das US–Energieministerium bereits 309 000 Barrel Öl aus der strategischen Reserve des Staates frei. US-Präsident George W. Bush versprach den Menschen, „sicherzustellen, dass die Verbraucher nicht die Folgen zu tragen haben“. Die Regierung werde die Benzinpreise beobachten und Ausfälle bei der Versorgung durch Importe ausgleichen. Der Benzinpreis in den USA war nach seinem Höchststand von 4,11 Dollar je Gallone im Juli auf zuletzt 3,73 Dollar zurückgefallen.

Wie bereits beim Hurrikan Gustav hatten die Behörden die Menschen mit drastischen Warnungen zur Flucht gedrängt. US-Heimatschutzminister Michael Chertoff hatte vor einer „Katastrophe“ gewarnt, Texas Gouverneur Rick Perry von einem sechs Meter hohen Tsunami gesprochen. Rund 2,3 Millionen Menschen verließen ihre Häuser in Texas und Louisiana. Allein in der Region Houston leben 5,6 Millionen Menschen. Selbst in Galveston blieben 40 Prozent der Bewohner in ihren Häusern.

Tatsächlich traf der Sturm die Küste dann nicht so stark. Die Schäden insgesamt werden in ersten Schätzungen auf acht bis 18 Mrd. Dollar beziffert. Chertoff rechnet damit, dass es „ein paar Tote“ gegeben habe. „Glücklicherweise ist das schlimmste Szenario nicht eingetreten“, sagte Gouverneur Perry, jedoch habe es „sehr große Zerstörungen“ gegeben. Besonders das Stromnetz wurde beschädigt. 4,5 Millionen Menschen könnten für einige Wochen von der Elektrizität abgeschnitten bleiben. Ike war am Samstag mit einer meterhohen Wand aus Wasser auf die dicht besiedelte Küste von Texas getroffen. Mit Windgeschwindigkeiten von 175 Kilometern in der Stunde lag er nur knapp unter der Kategorie drei. Der Sturm hatte einen enormen Umfang: Er war fast so groß wie der Bundesstaat Texas, der wiederum fast doppelt so groß wie Deutschland ist. Hurrikan Katrina, der vor drei Jahren New Orleans zerstörte und 1 500 Menschen das Leben kostete, war deutlicher kleiner.

In der 80 Kilometer von der Küste entfernten Millionenmetropole Houston zerbrachen die starken Winde Fenster und Glasfassaden von Wolkenkratzern. Scherben und Trümmer flogen durch überflutete Straßen, viele Viertel waren wegen des steigenden Wassers und umgestürzter Bäume nicht passierbar. Noch schwerer verwüstete Ike die Küstengebiete. Sechs Meter hohe Wellen schlugen gegen die Schutzmauern der vorgelagerten Insel Galveston, das Zentrum der Stadt war überschwemmt. Boote wurden losgerissen und auf die Straßen gewirbelt. 17 Häuser stürzten infolge der Überflutungen ein.

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