ICO im Fokus
Das zweifelhafte Business der Krypto-Börsengänge

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Plattformen verdienen an Servicegebühren

In China haben viele Plattformen ein Interesse daran, dass sie viele Firmen für Erstplatzierungen anlocken können, da sie Geld mit Servicegebühren verdienen. Viele der Firmen hätten kein Produkt und keine Nutzer, warnt Leonhard Weese, Präsident der Hongkonger Bitcoin-Vereinigung. Laut Caixin prüften einige der Plattformen nicht mal, ob die es sich überhaupt um legitime Unternehmen handle. Einige der Firmen, die in China Kypto-Börsengänge vollzogen hätten, seien als gemeinnützige Stiftungen in der Schweiz registriert und verbuchten die von Anlegern generierten Gelder als steuerfreie Spenden.

Finanzexperten sind alarmiert – und warnen vor einer Milliardenblase. „Das alles erinnert mich sehr an die Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende“, sagt Anthony Di Iorio, Gründer der Firme Jaax. Brad Garlinghouse, Chef des Finanztechnologie-Unternehmens Ripple, spricht von einem „radioaktiven Markt“. Und Riccardo Spagni, Entwickler der virtuellen Währung Monero, warnt vor „Betrug“.

In China droht die Stimmung bereits zu kippen. Eine große Konferenz zu Digitalwährungen wurde am Wochenende kurzfristig abgesagt. Der Branchenverband National Internet Finance Association of China warnt in einem Statement: „ICO-Projekten fehlt Transparenz bei ihren Assets, sie haben keine Standards für eine nachhaltige Anlage und es gibt große Probleme bei der Einsicht in die Geschäftsdaten.”

Deshalb brächten sie große Risiken für Anleger mit sich. In der Branche geht seitdem bereits die Sorge um, die gesamte Landschaft an Krypto-Währungen könnte in der Volksrepublik wegen schwarzer Schafe bei ICOs in Verruf geraten.

Auch die USA knöpfen sich den Markt vor. US-Wertpapieraufsicht (SEC) stellte klar, dass die meisten ICOs tatsächlich ähnlich wie Börsengänge zu behandeln sind, also ordentlich angemeldet werden und bestimmten Regeln genügen müssen. Und sie warnt Investoren: „Fragen Sie sich, wofür das Geld genutzt wird und welche Rechte die virtuellen Münzen ihnen geben. Der Anbieter sollte einen klaren Geschäftsplan haben, den Sie lesen und verstehen können.“

Die Zeit des Wilden Westens bei den Krypto-Börsengängen könnten gezählt sein – nicht nur in China.

Die Serie

Banken zittern, Spekulanten jubeln: Aber was steckt wirklich hinter Bitcoin, Ethereum und Co.? In einer Serie behandeln wir die Welt der Digitalwährungen. Bisher erschienen:

Teil 1: Der Selbstversuch: Warum Bitcoins so verlockend sind
Teil 2: Welche Währung, welche Börse? So klappt der Einstieg
Teil 3: Mehr als ein Zockergeld: Wie das Bezahlen mit Bitcoins funktioniert
Teil 4: Sparen in der digitalen Zukunft: In Bitcoins investieren
Teil 5: Gemeinsam in die Blockchain: Die drei großen Allianzen
Teil 6: Streit in der Gemeinschaft: Wie China den Bitcoin zerstören könnte
Teil 7: Von Japan in die Welt: Die Geschichte des Bitcoin
Teil 8: Mehr als virtuelle Münzen: Ethereums Griff nach der Vorherrschaft
Teil 9: Bitcoin und Moral: Ein philosophischer Blick auf den Krypto-Hype
Teil 10: Digitalwährungen als Rohstoffe: Die Vision des Bitpay-Chefs
Teil 11: Finanzbranche und Bitcoin: Die Folgen für Banken und Banker
Teil 12: ICO was? Das zweifelhafte Business der Krypto-Börsengänge
Teil 13: Die Zukunft des Geldes: Was Bitcoins und Kaurischnecken eint

(Fortsetzung folgt)

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