Im Sog der Hypothekenkrise
Preise für Inudstriemetalle geben nach

Die Rohstoffmärkte zeigen sich von der US-Finanzkrise beeindruckt: Besonders Nickel und Blei verloren zuletzt deutlich. Auch wenn sich die Preise vermutlich schnell wieder erholen, gerade bei dem bei Spekulanten beliebten Aluminium droht besonders Gefahr.

LONDON. Nach dem Ölpreis geraten auch die Preise für Industriemetalle in den Sog der US-Hypothekenkrise. Besonders betroffen von der Korrektur war in der vergangenen Woche Blei. Mehr als elf Prozent büßte das Industriemetall von seinem jüngst erreichten historischen Höchststand ein. Nickel verlor 9,4 Prozent. Bei Kupfer, Aluminum und Zink hielten sich die Rückschläge in Grenzen: Die Preise fielen um ein bis drei Prozent. Bei Aluminium stellen Händler jedoch ein wachsendes Engagement von Baissespekulanten fest. Das Leichtmetall und Kupfer gelten als am stärksten verwundbar, wenn es zu weiteren Einbrüchen am US-Wohnungsmarkt kommen sollte.

„Die von den Finanzmärkten ausgehende Verunsicherung der Rohstoffmärkte wird aber wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein“, sagt Kevin Norrish von Barclays Capital in London. Die USA seien schließlich nicht mehr der größte Verbraucher von Industriemetallen. China hätte sie in dieser Rolle abgelöst. Aber natürlich würde die Schwäche auf dem US-Markt letztlich auch die Wirtschaft Chinas treffen, weil die USA deren größter Kunde seien.

Für Tobias Merath könnte der Preisverfall bei den Metallen schon bald abgeschlossen sein. Schließlich befinde sich der Sektor bereits seit Mitte Mai in einer Korrekturphase. Seitdem habe der London Metal Exchange Index (LME-Index) mehr als 13 Prozent eingebüßt. Der Preis für Nickel habe sich fast halbiert. Das Legierungsmetall notierte auf seinem Höhepunkt mit über 50 000 Dollar je Tonne, heute kostet die Tonne nur noch gut 26 000 Dollar.

Einer der wichtigsten Marktfaktoren sei nach wie vor China, sagt Merath. Nach umfangreichen Importen in der ersten Jahreshälfte sei der Markt dort inzwischen gut versorgt. Erst in zwei bis drei Monaten dürften die Metallimporte wieder zunehmen. Da dies wahrscheinlich mit einer neuen Belebung der Weltwirtschaft im vierten Quartal einhergehen werde, hält Merath das Ende des 3. Quartals für den besten Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg bei den Metallen. Allerdings hat er Ende vergangener Woche seinen Kunden noch keine neuen „Handelstipps“ an die Hand gegeben. Auch Jim Lennon von Macquarie Research in London erwartet noch vor Jahresschluss eine Wiederbelebung der Nachfrage nach den Metallen. „Die jüngsten OECD-Daten führen die gegenwärtigen Befürchtungen über die Weltwirtschaft und den möglichen Beginn einer Rezession in den USA ad absurdum“, sagt Lennon. Der Frühindikator der Organisation verbessere sich jetzt bereits seit sechs Monaten kontinuierlich und lässt besonders für die US-Wirtschaft einschließlich der dortigen Stahlindustrie noch im vierten Quartal eine Erholung erwarten. „Wir sehen nichts, was gegen diese Annahme spricht.“

Nickel könnte bei Spekulanten schon bald wieder ganz oben auf der Einkaufsliste stehen, heißt es in Londoner Handelskreisen. Blei könnte sich ebenfalls schnell wieder von seinem jüngsten Rückschlag erholen. Im Moment haben aber noch die Baissespekulanten das Sagen.

Einen „Sonderstatus“ räumt Norrish von Barclays indes Zinn ein. Hier erreichte der Preis vor kurzem mit 17 000 Dollar je Tonne ein 27-Jahreshoch, bröckelte bis Ende letzter Woche aber wieder auf 15 800 Dollar ab. Die „Fundamentals“ – das grundlegende Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage – seien damit aber noch nicht außer Kraft gesetzt worden. So sei das weltweite Angebot von Zinnkonzentrat weiterhin extrem knapp. Und China verbleibe wegen seiner reichlichen Binnennachfrage nach dem Metall nur noch eine kleine Menge für dessen Export, sagt Norrish.

Überdies seien die Exporte Indonesiens, des größten Anbieters am Weltmarkt, in diesem Jahr stark rückläufig. Die Zinnvorräte bei Verarbeitern und Verbrauchern seien daher gesunken, während sie an der Londoner LME weitgehend stabil geblieben seien. Bezeichnenderweise fehlt es denn dort noch an einer ausreichenden Zahl von Spekulanten, die auf einen baldigen Preisverfall des Metalls setzen, sagt Norrish.

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