In den nächsten dreißig Jahren könnte sich die Weltnachfrage nahezu verdoppeln – Noch hohe Investitionen notwendig
Die Bedeutung von Erdgas am Energiemarkt steigt

Für die Mehrzahl der Experten gilt Erdgas als Wachstumsenergie Nummer eins. Der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt spricht sogar von einer „Versorgungsbrücke in die Zukunft“.

DÜSSELDORF. Diese marktreife Option erlaube die politisch angestrebte Verminderung der CO2-Emissionen auf wirtschaftliche Weise. Und selbst bei einem dynamischen Wachstum drohten keine physischen Mangellagen, stellt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover fest. Resümee der Studie „Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen 2002“: Die globale Vorratssituation lasse in den nächsten Jahrzehnten auch bei steigender Förderung aus geologisch- technischer Sicht keine Engpässe für den Verbraucher erwarten.

Allerdings steigen die Explorations-, Produktions- und Transportkosten bei diesem CO2-armen Energieträger kräftig an. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris schätzt, dass die Investitionen für die Bereitstellung eines global ausreichenden Erdgasangebots von 2001 bis 2030 immerhin die Größenordnung von 3,1 Bill. $ ausmachen könnten. In den nächsten 30 Jahren zeichnet sich beinahe eine Verdoppelung der Weltnachfrage ab. Überdurchschnittliche Anstrengungen seien vor allem für die Infrastruktur im Handel mit verflüssigtem Erdgas erforderlich. Die Pariser IEA-Experten sind skeptisch, dass die hohen Vorlaufinvestitionen rechtzeitig getätigt werden.

Die führenden Mineralölgesellschaften der Welt – Exxon Mobil, BP, Royal Dutch/Shell, Total – streben auch am Erdgasmarkt nach Spitzenpositionen, und zwar vor allem beim verflüssigten Erdgas. Gegenwärtig sei Shell im internationalen Flüssiggas-Geschäft führend, meint das Hamburger Fachblatt Energie- Informationsdienst. Doch Exxon Mobil und BP planen gleichfalls große Investitionen, um Shell die Spitzenreiterposition abzujagen. Exxon-Mobil-Chef Lee Raymond sagte im New Yorker Fachblatt Petroleum Intelligence Weekly: Im Gasgeschäft seien die größten Wachstumspotenziale wirtschaftlich realisierbar. Die IEA-Experten schätzen, dass der Anteil des Erdgases am Primärenergieverbrauch in Europa von 23 % (2000) auf 34 % (2030) klettert.

Vor diesem Hintergrund kommt es nicht überraschend, dass die Exxon Mobil in ihrer Hochrechnung für den Energieverbrauch Deutschlands kräftige Absatzzuwächse für das Erdgas prognostiziert. In der „Esso Energieprognose 2003“ wird von 2000 bis 2020 ein Anstieg des Erdgasverbrauchs um 40 % erwartet. Vor allem in der Stromerzeugung – die stillzulegenden Kernkraftwerke müssen ersetzt werden – steht aus der Sicht der internationalen Ölgesellschaften ein Siegeszug des Erdgases an. Daher ist auch nicht überraschend, dass Exxon Mobil und Shell hier zu Lande möglichst früh im Jahr 2004 den Gasvertrieb aus der gemeinsamen Beteiligungsgesellschaft BEB herauslösen und in Eigenregie agieren wollen. Auch die BP will nach ihrem Ausstieg als wichtigster Aktionär der Ruhrgas in Deutschland, auf dem nach Großbritannien zweitgrößten Gasmarkt in Europa, nachhaltig Marktanteile gewinnen.

Der Chef der Deutschen BP, Wilhelm Bonse-Geuking, verhehlt aber nicht, dass erst noch die Zugangsbarrieren zum Transportnetz und zu den Speicherkapazitäten abgebaut werden müssten, wenn Marktanteile auf wirtschaftliche Weise erobert werden sollten. „Wenn sich die heutige Situation auf dem deutschen Gasmarkt so fortsetzt, haben wir keine Chance“, sagte Bonse-Geuking dem Handelsblatt. Es besteht jedoch Optimismus, dass der ab Mitte 2004 geplante Regulator einen diskriminierungsfreien Zugang zu den deutschen Gasnetzen- und -speicherkapazitäten schaffen wird.

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