Industrie befindet sich in rezessiver Phase
Banken erwarten Schwächephase des Pfundes

Die flaue Konjunktur und Spekulationen um weitere Zinssenkungen belasten die britische Währung. In den kommenden Monaten wird sie gegenüber dem Euro stärker unter Druck kommen.

HB LONDON. Auch die Aussagen eines Zentralbankchefs werden manchmal sehr schnell von der Realität eingeholt. Noch am 10. August hatte der britische Notenbank-Gouverneur Mervyn King bei der Vorstellung des Inflationsreports angedeutet, dass es so bald keine Zinssenkungen mehr im Land geben werde. Die Situation damals deckte seine Aussagen: Nur Tage zuvor hatte die Bank von England den Leitzins von 4,75 auf 4,5 Prozent gesenkt. Wichtige Konjunktur-Indikatoren hatten sich verbessert. Bei weiteren Schritten fürchteten die Währungshüter Kings Aussage zufolge, dass die Inflationsrate über das angepeilte Ziel von zwei Prozent hinausschießt.

Heute, gut zwei Wochen später, deutet sich erneut eine veränderte Lage an. Der Markt geht jetzt zumindest von einem erneuten Zinsschritt nach unten aus. Manche Institute prognostizieren schon wieder ein Niveau von vier Prozent am Ende des Jahres, also zwei weitere Zinssenkungen. Für das Pfund hat das spürbare Folgen: In den kommenden Monaten wird es gegenüber dem Euro stärker unter Druck kommen. Dafür ist der geringere Zinsunterschied (Spread) zwischen Euro-Zone und britischem Markt verantwortlich. Verringert sich der Spread, wird das Land als Hafen für Kapital unattraktiver. So etwas drückt die Währung.

Noch weist wenig auf eine Schwäche hin. Mit einer Umtauschrate von 1,50 Euro erreichte Sterling noch vor Wochen ein Jahreshoch gegenüber der europäischen Währung. Gestern lag die Umtauschrate immer noch bei 1,465 Euro. Doch das wird sich schon in den nächsten Monaten ändern. Dann erwarten die Währungsexperten diverser Investmentbanken eine regelrechte Schwächephase: Die Citibank rechnet spätestens im ersten Quartal 2006 mit einem Fall des Pfundes auf 1,40 Euro. Aussagen der Strategen von Barclays Capital gehen in die gleiche Richtung: „Wir bleiben strukturell bearish gegenüber dem Pfund.“

Was den Umschwung eingeleitet hat, waren zuletzt deutlich schwächere Konjunkturindikatoren der britischen Wirtschaft. Die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung steigt seit einem halben Jahr pausenlos an. Die Hauspreise dagegen stagnieren – ein schlechtes Signal für eine Nation der Immobilienbesitzer. Längst gehen Branchenbeobachter wie der britische Industrieverband davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr nur um 1,9 Prozent wächst. Die offizielle Schätzung des Finanzministeriums prognostiziert dagegen ein Plus von bis zu 3,5 Prozent.

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