Inflation
Der Dollar wird misstrauisch beäugt

Erstmals seit Jahresanfang mussten in den letzten Tagen wieder mehr als 1,40 Dollar für einen Euro bezahlt werden. Nun trauen sich die Dollarskeptiker unter den Analysten wieder hervor und zählen auf, warum die US-Währung noch schwächer werden dürfte.

FRANKFURT. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen das stark steigende Defizit im amerikanischen Staatshaushalt und die Anleihekäufe durch die US-Notenbank unter deren Präsident Ben Bernanke. „Wenn die Investoren ihr Vertrauen verlieren, dass die Regierung die Wirtschaft bald wieder in Gang bringen kann, gerät die Federal Reserve immer mehr unter Druck, Anleihen aufzukaufen, um mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen“, warnt David Woo, Chef-Währungsstratege von Barclays Capital. Dies könnte die Sorgen nähren, dass die Staatsschuld letztlich durch Inflation entwertet werden wird und die Zinsen nach oben treiben, was wiederum die Federal Reserve zu noch mehr Anleihekäufen nötigen würde – ein möglicher Teufelskreis.

Auch der Auslöser für den jüngsten Schwächeanfall des Dollars hängt mit den Staatsfinanzen zusammen. Die Warnung der Rating-agentur Standard & Poor’s, sie könnte das britische Staatsanleihenrating senken, lässt befürchten, dass ein ähnlicher Schritt auch für die USA kommen könnte.

Thomas Stolper, Chefstratege von Goldman Sachs, sieht sich in seiner Erwartung eines sich abschwächenden Dollars bestätigt, auch wenn er viele der vorgebrachten Argumente nicht teilt. Das Inflationsrisiko hält er für „ziemlich weit hergeholt.“ Es könne zwar sein, dass die Zentralbanken es mit der Geldmengenausweitung übertreiben würden. Fürs Erste sei aber das größere Risiko, dass sie nicht genug oder nicht das Richtige täten, um die Deflationsgefahr abzuwenden und die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Auch geht Stolper davon aus, dass der Dollar seinen Status als sicherer Hafen nicht eingebüßt hat. Darin kann er sich durch die Kursentwicklung am Dienstag bestätigt fühlen. Kursverluste bei Aktien aufgrund der Verunsicherung durch die nordkoreanischen Atom- und Raketentests gingen an diesem Tag einmal mehr mit einer deutlichen Aufwertung des Dollars einher. Der Euro-Kurs fiel um mehr als einen Cent auf unter 1,39 Dollar.

Goldman Sachs erwartet aus einem ganz traditionellen Grund eine anhaltende Schwäche des US-Dollars: wegen der (relativen) Konjunkturentwicklung. In den USA seien die ungenutzten Produktionskapazitäten größer als in Europa, so dass die US-Notenbank länger als die Europäische Zentralbank und die Bank von England warten würden, bis sie ihre Zinsen wieder anheben. Nach Schätzung der OECD beträgt die sogenannte Output-Lücke in den USA sieben Prozent, in Europa etwa sechs Prozent. Außerdem habe es zuletzt einige Anzeichen gegeben, dass es in Europa mit der Wirtschaft etwas besser laufen könnte als bisher gedacht und in den USA etwas schlechter.

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