Inflationssorgen: Goldpreis steigt weiter

Inflationssorgen
Goldpreis steigt weiter

Nachdem der Goldpreis am Freitag bereits im außerbörslichen Handel erstmals über die Marke von 1300 Dollar geklettert ist, hat er diese Marke zu Wochenbeginn nun auch in London geknackt. Die Sorge vor einer Konjunkturabschwächung und einem weltweiten Abwertungswettlauf am Devisenmarkt treibt Anleger in das Edelmetall.
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HB LONDON. Es gibt viele Gründe für ein Investment in Gold. Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Schuldenkrise: In diesen unsicheren Zeiten setzen Anleger verstärkt auf die seit Jahrtausenden bewährte Geldanlage - und treiben den Preis für Edelmetall von Rekord zu Rekord. Am Montag kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold erstmals 1300 Dollar. Verstärkt wird der Gold-Boom durch das wiederaufgetauchte Schreckgespenst Abwertungswettlauf.

„Quo vaditis, Notenbanken?“ - „Wohin geht Ihr, Notenbanken?“ Diese Frage stellen sich immer mehr Anleger, seitdem die Bank of Japan vor zwei Wochen mit massiven Yen-Verkäufen die Aufwertung der heimischen Währung zu stoppen versuchte. Die Schweizer Notenbanker halten sich ein ähnliches Vorgehen offen, sollte der Franken weiter zulegen. Gleichzeitig stellt die Federal Reserve Bank neue Geldspritzen für die schwächelnde US-Konjunktur in Aussicht und nimmt damit eine Abwertung der Weltleit-Währung in Kauf.

"Rund um den Globus senden Länder derzeit Signale, dass sie frisches Geld drucken könnte“, sagt Sean Corrigan, Chief Investment Strategist bei Diapason Commodities Management. „Was bleibt einem da noch außer Gold, dem man vertrauen könnte?“ Fondsmanager Pau Morilla-Giner von London & Capital sieht vor allem in den boomenden Schwellenländern Asiens das Vertrauen in Papierwährungen schwinden. „In Delhi oder Peking sitzen Leute und wachen über Währungs-Reserven von drei Billionen US-Dollar. Sie sind besorgt und schichten langsam aber sicher einige dieser Reserven in Gold um - wenn auch nur einen geringen Anteil.“

LBBW-Analyst Thorsten Proettel warnt allerdings davor, die aktuelle Entwicklung am Währungsmarkt überzubewerten. Die derzeitigen Interventionen seien nicht mit dem Abwertungswettlauf während der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu vergleichen. „Dieses Mal geht es ja nicht um klassische Abwertungen, sondern um Milderungen der Aufwertungen.“

Nach Ansicht von Analyst Lutz Karpowitz von der Commerzbank gibt es bei einem Abwertungswettlauf nur Verlierer. Die Wettbewerbsfähigkeit der Staaten untereinander verändere sich nicht und gleichzeitig ziehe die Inflation an. „Für das gleiche Volumen an Importgütern müssen dann mehr eigene Güter exportiert werden. Dies ist gleichbedeutend mit einem Verlust an Wohlstand“, erklärt der Experte. „Aber auch wenn es zu einer weiteren Eskalation käme: Wir halten es für unwahrscheinlich, dass sich die Eurozone hieran beteiligen würde“, fügt Karpowitz hinzu. „Denn die EZB weist immer wieder darauf hin, dass ihr einziges Ziel die Bewahrung der Preisstabilität ist.“

Gold hat in den vergangenen Jahren ein glänzendes Comeback hingelegt. Nach einer zwanzigjährigen Durststrecke geht es seit 2000 kontinuierlich aufwärts. Im Vergleich zum Jahrtausendwechsel hat sich der Wert einer Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls auf 1300 Dollar mehr als vervierfacht.

Damals wurden gerade einmal rund 290 Dollar gezahlt. Ein Ende dieser Rally ist nicht in Sicht: Der Branchenverband der Londoner Goldhändler (LBMA) sieht den Preis für das Edelmetall in zwölf Monaten bei über 1400 Dollar. Und auch Silber erfreut sich immer größerer Beliebtheit: Das „Gold des kleinen Mannes“ kostet 21,61 Dollar - so viel wie seit 1980 nicht mehr.

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