Internationale Anleger erwarten weitere Zinsschritte
Polnischer Zloty steigt auf Höchstkurse

Der polnische Zloty hat in den vergangenen Tagen seine Erholung mit Nachdruck fortgesetzt. Der Schlusskurs vom Mittwoch mit 4,4673 zum Euro war die höchste Notierung seit neun Monaten.

HB WARSCHAU. Im Verhältnis zum Dollar erzielte die polnische Währung mit einem Kurs von 3,6102 gar das beste Ergebnis seit fünf Jahren. Im Verhältnis zu den Tiefständen im Frühjahr entspricht das einer Aufwertung von rund 10 Prozent. Gerade ausländische Anleger haben in jüngster Zeit zunehmend Zloty-Papiere gekauft.

Fragt man nach den Gründen für die Stärke der polnischen Währung, dann verweisen Analysten insbesondere auf die Beruhigung der politischen Szene des Landes. Mit der Bestätigung der Regierung von Premier Marek Belka durch das Parlament sei das politische Risiko für die Wirtschaft und die Märkte geringer geworden, meint Stanislaw Kluza, Chefökonom der Genossenschaftsbank BGZ. „Außerdem hat der EU-Beitritt Polens ein stabileres wirtschafts- und währungspolitisches Umfeld geschaffen.“

Vertrauen in die polnische Währung schafft auch das enorme Wirtschaftswachstum, das zu den höchsten in ganz Mittel- und Osteuropa zählt. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes stieg das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 6,9 Prozent. Leon Podkaminer vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche erwartet für das Gesamtjahr einen Wert von immerhin fünf Prozent. Treibende Kräfte für das Wachstum seien die gestiegene Arbeitsproduktivität, die gesunkenen Lohnkosten sowie die besseren Exportchancen polnischer Unternehmen. So haben die Akteure auf dem polnischen Devisenmarkt auch aufmerksam registriert, dass sich das Defizit in der Leistungsbilanz im Mai gegenüber dem Vormonat mehr als halbiert hat.

Das Interesse ausländischer Investoren für den Zloty dürfte weiter zunehmen, wenn die polnische Zentralbank demnächst die Leitzinsen auf Grund der wieder anziehenden Inflation ein weiteres Mal anheben wird. Dariusz Filar, Mitglied des geldpolitischen Rates der Zentralbank, deutete an, dass die Erhöhung noch im Juli stattfinden könnte.

Die Analysten von Bear Stearns rechnen bis zum Jahresende mit relativ stabilen Kursen von 4,45 bis 4,50 Zloty je Euro. Andere Analysten mahnen jedoch zur Vorsicht. Es sei nicht sicher, sagen sie, dass die Regierung ihre geplanten Reformen und vor allem die Sanierung des Staatshaushalts im Parlament durchbringen könne. Auch Witold Orlowski, Wirtschaftsberater von Präsident Aleksander Kwasniewski erwartet, dass die Regierung mehr verwalten als reformieren wird.

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