Internationale Börsen
Neuer Anstieg der Rohstoffpreise erwartet

Die Beruhigung an den internationalen Börsen hat am gestrigen Dienstag den Preisrutsch vieler Rohstoffe gestoppt. Die Verluste der Vortage konnten zum Teil wieder ausgeglichen werden. Das bestätigt die Meinung von Analysten, wonach der jüngste Kurseinbruch nur eine vorübergehende Korrektur war.

LONDON / DÜSSELDORF. Die Preise waren abgesackt, weil Marktteilnehmer eine Konjunktur-Schwäche in den USA und ein nachlassendes Wachstum in China fürchteten. Doch diese Sorgen waren übertrieben. „Anleger fürchten am meisten eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China“, meint Kevin Norrish von Barclays Capital in London. Das Land zeichne inzwischen für immerhin ein Fünftel bis ein Viertel der Weltnachfrage nach Metallen verantwortlich. „Die Rohstoffstory war eine Chinastory und China wiederum eine Wachstumsstory“, sagt auch Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Er ist aber zuversichtlich, dass das Wachstum in China anhalten wird: „Die Rohstoffstory insgesamt ist voll in Takt.“ Die jüngste Krise werde keine langfristigen Auswirkungen haben. Besonders bei den Basismetallen waren die Preise eingebrochen.

Die Rückschläge hätten an der knappen Versorgungslage nichts geändert, begründet Weinberg seinen Optimismus. An vielen Rohstoffmärkten könne das Angebot den Bedarf auch weiterhin nicht decken. Dies gelte besonders auch für die Agrarmärkte, wo die Preise zuletzt deutlich gestiegen sind. „Das Angebot kann nicht rechtzeitig ausgeweitet werden“, sagt der Commerzbank-Experte. Es dauere eben eine recht lange Zeit, bis neue Minen- und Ölfelder oder Anpflanzungen für zusätzliches Angebot sorgen könnten. Norrish zufolge muss China zurzeit obendrein seine Einfuhren von Kupfer drastisch steigern. Die Folge wäre eine weitere Verknappung.

Robin Bhar von der UBS in London empfiehlt seinen Kunden den Kauf kurzfristiger Kupfer-Kontrakte, da sich die Nachfrage bei dem Metall saisonbedingt dem jährlichen Höhepunkt nähere. „Und auch bei Zink könnte es über die nächsten Monate eng werden“, glaubt Bhar. Thomas Merath von der Credit Suisse sieht sogar Anzeichen für eine „Wiederbeschleunigung“ des Wirtschaftswachstums weltweit. Dies werde die Rohstoffpreise bald wieder steigen lassen. Positiv bewertet Merath auch den „deutlichen Abbau“ negativer spekulativer Positionen bei einer Reihe von Metallen an den Terminmärkten über die letzten Monate. Nach Angaben der Commodities Futures Trading Commission (CFTC) haben die Minusspekulationen bei Kupfer an den US-Märkten den niedrigsten Stand seit dem vergangenen Dezember erreicht.

Laut Norrish hat sich allerdings der Charakter der Rohstoffanlagen bei vielen Investoren inzwischen grundlegend gewandelt. Sie seien an längerfristigen Engagements interessiert. 55 Prozent der auf einer Konferenz von Barclays Capital befragten Großanleger sähen in Rohstoffanlagen nun eine „willkommene Diversifizierungsmöglichkeit“. Knapp ein Fünftel der Befragten hätten bereits mehr als zehn Prozent ihrer Mittel in diesem Bereich angelegt. Vor drei Jahren waren es weniger als halb so viele.

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