Internationaler Druck
Opec dreht den Ölhahn auf

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat angesichts der hohen Ölpreise beschlossen, ihre tägliche Fördermenge anzuheben. Die Fördergrenze wird ab dem 1. November um 500 000 Barrel pro Tag gesteigert. Dies beschlossen die Energieminister der Mitgliedsstaaten nun in Wien.

FRANKFURT. Die Energieminister der zwölf Opec-Staaten haben sich auf einer Sitzung nach langen und zähen Verhandlungen letztlich auf eine Erhöhung der Fördermengen geeinigt. Nach Angaben des libyschen Opec-Delegierten Shokri Ghanem kam das Gremium am späten Nachmittag überein, die Fördermenge ab dem 1. November um 0,5 Millionen Barrel pro Tag (Bpd) zu erhöhen. Diese Menge soll zusätzlich zur derzeitigen Produktion gefördert werden. Die offizielle Fördermenge der Opec beträgt zwar derzeit 25,8 Mill. Barrel, doch hatten sich zahlreiche Mitglieder des Paktes zuletzt nicht an ihre Zielvorgaben gehalten, so dass die tatsächliche Produktion nach Schätzung von Ölexperten zuletzt 26,7 Mill. Bpd erreicht hat.

Die Akteure an den wegen der Kreditkrise angespannten Finanzmärkten warteten mit Spannung auf die Entscheidung des Opec-Gremiums. Der Preis der Rohöl-Richtmarke West Texas Intermediate hatte im Tageshoch 78,32 Dollar je Barrel erreicht. Nach Bekanntgabe der Entscheidung wurde er dann mit 77,50 Dollar ermittelt.

Beim Gerangel um die Entscheidung setzten sich die gemäßigten Kräfte durch. Saudi Arabien hatte zum Auftakt der 145. Opec-Konferenz nicht zuletzt wegen der Spannungen im Welt-Finanzsystem für eine Erhöhung der Rohölproduktion des zwölf Produzentenländer umfassenden Ölkartells plädiert. Ölminister anderer Opec-Länder hatten einen solchen Schritt im Vorfeld der Sitzung als unnötig bezeichnet. So sahen die Energieminister Libyens, Kuwaits, Iraks und Venezuelas keine Notwendigkeit für eine Erhöhung der Produktion. Libyen werde einer Erhöhung der offiziellen Quoten nicht zustimmen, hatte Shokri Dhanem am Vormittag noch gesagt. „Eine Erhöhung der Quoten ist nicht notwendig“, ergänzte Venezuelas Ölminister Rafael Ramirez.

Auch außerhalb des Ölkartells sprachen sich Produzentenländer gegen eine Nutzung zusätzlicher Ölkapazitäten aus. In diesem Kontext erklärte Odd Roger Enoksen, Ölminister Norwegens, dass Angebot und Nachfrage am Weltölmarkt derzeit in etwa ausgeglichen seien. Die derzeit von den Verbrauchern als hoch empfundenen Öl- und Energiepreise seien Voraussetzung, um notwendige Investitionen für die Suche und Erschließung neuer Ressourcen in schwer zugänglichen Regionen finanzieren zu können.

Dagegen bezeichnete Nobuo Tanaka, der neue geschäftsführende Direktor der Internationalen Energie Agentur (IEA), die Situation am globalen Rohölmarkt als stark angespannt. Wenn das Angebot in den kommenden Monaten mit der stark steigenden Nachfrage Schritt halten solle, müsse der Weltmarkt mit mehr Rohöl versorgt werden, sagte er. Tanaka geht davon aus, dass die Lage am Weltölmarkt auch im weiteren Verlauf dieses Jahres knapp sein dürfte. Die aktuell hohen Preise seien nicht die Folge eines knappen Angebots, sagte dagegen der noch amtierende Opec-Präsident Mohamed Bin Dhaen Al Hamli im Vorfeld des Treffens. Der Weltrohölmarkt sei gut versorgt und die Bestände würden sich auf einem alles in allem gesundem Niveau befinden, erklärte Al Hamli, der gleichzeitig auch Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ist.

Experten sehen keine durchgreifenden Auswirkungen der Opec-Entscheidung. Die Maßnahme sei eher eine symbolische Geste. „Sie macht keinen großen Unterschied“, sagte Simon Wardell von Global Insight mit Hinweis darauf, dass die Produzentenländer das ihnen offiziell eingeräumte Förderlimit seit geraumer Zeit bereits übertreffen. Nach Angaben der algerischen Nachrichtenagentur APS hat die Opec Algeriens Energieminister Chakib Khelil mit Wirkung von Januar 2008 zum neuen Präsidenten gewählt.

Daten und Fakten

Angebot: Die in Paris ansässige Internationale Energie Agentur (IEA) schätzt die Nachfrage nach Rohöl rund um den Globus im laufenden Jahr 2007 auf circa 86,0 Mill. Barrel pro Tag (Bpd). Hiervon werden den Prognosen der Vereinigung zufolge in etwa 50,0 Mill. Barrel pro Tag von nicht zum Ölkartell gehörenden Produzentenländern wie Norwegen oder Mexiko zur Verfügung gestellt.

Fördermengen: Die zwölf in der Opec zusammengefassten Produzentenländer haben ihre Förderquoten zuletzt zwei Mal reduziert. Auf der Sitzung im Oktober 2006 in Doha wurde die Tagesproduktion um 1,2 Mill. auf 26,3 Mill. Bpd und auf der Sitzung in Abuja im Dezember 2006 um 0,5 Mill. auf 25,8 Mill. Bpd gesenkt.

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